Winterthur

Traumschloss wider Willen: Die Burg ist kyburgiger denn je

Die Räume im Schloss Kyburg wurden leer geräumt, aber Modelle vermitteln, wie beispielsweise Stube, Nebenstube oder Festsaal früher ausgesehen haben.  Foto: Marc Dahinden

Die Räume im Schloss Kyburg wurden leer geräumt, aber Modelle vermitteln, wie beispielsweise Stube, Nebenstube oder Festsaal früher ausgesehen haben. Foto: Marc Dahinden

Das Burgmuseum bei Winterthur setzt auf Fantasie: Leiter Ueli Stauffacher will im Kopf der Besucher ein Schloss bauen, wie es vor fast 1000 Jahren und später hätte aussehen können.

Nie war die Toilette der Kyburg einfacher zu finden. Generell wirkt das Schloss aus dem 11. Jahrhundert aufgeräumter denn je. Statt mit Möbeln aus früheren Zeiten vollgestellte Räume bekommt der Besucher jetzt vor allem Mauern zu sehen. Und der Weg zum stillen Örtchen ist mit neuen Wegweisern so beschriftet, dass man es auf Anhieb findet. Morgen Sonntag eröffnet der erste Teil der neuen Dauerausstellung auf dem Schloss Kyburg. Vor rund zwei Jahren haben die Umbauarbeiten für das Grafenhaus und den grossen Turm begonnen. Die Ausstellung im Ritterhaus wird in einer zweiten Etappe erst 2019 fertiggestellt. Trotzdem bekommen die Besucher schon viel Neues und wohl auch Ungewohntes zu sehen.

«Die Leute mögen Flohmärkte», sagte Museumsleiter Ueli Stauffacher gestern während eines Medienrundgangs. «Wir sind hier aber nicht auf einem.» Man habe die Räume deshalb leer geräumt. «Damit möchten wir den Leuten die Chance geben, sie aus ihrem Kopf mit ihrer Fantasie zu füllen.» Natürlich ist es nicht so, dass der Besucher jetzt nur die kahlen Mauern zu sehen bekommt, obschon es viel Gemäuer zu bestaunen gibt.

An ihm lässt sich nämlich ablesen, wie sich die Burg über die Jahre von der Grafenburg zum Landvogtschloss bis hin zum Burgmuseum gewandelt hat. An zahlreichen Stellen sind die Schichten, die sich in den letzten Jahrhunderten überlagert haben, jetzt freigelegt. Stelen liefern, kurz und bündig, Informationen. Wer sich vertiefen will, dem stehen weitere Blätter in den Sälen zur Verfügung.

Modelle zeigen, wie beispielsweise Stube, Nebenstube oder Festsaal früher ausgesehen haben. Im Dachstock können Kinder eine Klötzliburg bauen, Jugendliche Hebewerkzeuge ausprobieren oder sich im Mauermemory versuchen. Im Turm ermöglichen historische Gucker den Blick in die Landschaft und Besucher können nachvollziehen, wie die Landvögte einst die Verkehrswege überwachten.

Einladender von aussen

Burgiger, kyburgiger und gastfreundlicher sollte das Schloss werden. Das waren die Ziele, die sich Kanton, Verein Museum Schloss Kyburg und Museumseitung mit der Umgestaltung gesetzt haben. «Ein Spektakel war nie die Absicht», sagte Vereinspräsidentin Susanne Sorg gestern. «Sondern die Burg als Bau und das Leben darin. Und das ist uns gelungen», fand sie. Schon von aussen sollte das Schloss einladend «und nicht mehr abweisend» wirken. «Wir haben deshalb alle Löcher aufgemacht», sagte Museumsleiter Stauffacher. Der Besucher kann die Burg nun nicht mehr nur durch das Haupttor, sondern auch durch den Garten betreten. Die Tür zum Ringmauerweg, auf dem der Besucher um die Burg marschieren kann, ist schon seit letztem Jahr offen.

Ein Ochse zum Klettern

Seit der Saisoneröffnung im April ist der Spielplatz vor dem Schloss zugänglich. Ein Ochse, der vor einen Karren gespannt ist, ein Esel, Holzbalken und -fässer stellen eine Szene dar, wie sie sich vor Jahren hätte abspielen können. Kinder sind eingeladen, darauf herumzuklettern.
Auch die Besucherinfrastruktur im Ökonomiegebäude ist neu. Auch sie ist seit gut zwei Monaten in Betrieb. Im Erdgeschoss sind Räume für Workshops mit Schulklassen, ein Garderobenraum, die Kasse, ein Laden und ein Gastraum zu finden. In ihm sind Getränke und Snacks in Selbstbedienung erhältlich. Museumsleiter Stauffacher betonte: «Wir haben nichts, was vor 1999 entstand, abgerissen.» Mauern und Türen seien alle noch intakt. Die Neugestaltung inklusive Ausstellung hat 9,04 Millionen Franken gekostet. Für den Betrieb sucht der Museumsverein noch Geld.

Heute findet die Eröffnung mit Gästen und Regierungspräsident Markus Kägi statt. Sonntags sind ab 10 Uhr alle willkommen. Der Eintritt ist gratis.

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