Rolf Erb
Traumschloss von Wirtschaftskriminellem wird verkauft – als Ganzes oder in Einzelteilen

In einem Traumschloss am Bodensee wohnte der Winterthurer Unternehmer und verurteilte Wirtschaftskriminelle Rolf Erb bis zu seinem Tod. Nun wird das Anwesen aus der Konkursmasse verkauft.

Christian Gurtner
Merken
Drucken
Teilen
Wer das Anwesen in Salenstein hoch über dem Bodensee erwerben will, muss finanziell sehr potent sein.

Wer das Anwesen in Salenstein hoch über dem Bodensee erwerben will, muss finanziell sehr potent sein.

Es ist schon einige Zeit her, seit der grösste Winterthurer Wirtschaftsprozess seinen strafrechtlichen Abschluss fand: 2015 bestätigte das Bundesgericht die verhängte siebenjährige Haftstrafe. Von den Immobilien, die Rolf Erb besass und teilweise rechtswidrig weiterverschenkte, stehen nun zwei bekannte zum Verkauf. Die Villa am Wolfensberg in Wülflingen, in der Erb Teile seiner Kindheit verbrachte, wurde im Januar ausgeschrieben.

Bei der beteiligten Agentur berichtete man von grossem Interesse, verkauft ist das Haus aber offenbar noch nicht, wie aus Aussagen von Martin Wenk vom Thurgauer Konkursamt geschlossen werden darf. Man werde die Öffentlichkeit nach Unterzeichnung des Kaufvertrags informieren, wohl in einigen Wochen, sagt dieser. Die Villa kostet gemäss Inserat 2,95 Millionen Franken, der Renovationsaufwand ist auf 6,3 Millionen geschätzt worden.

Ein grosszügiges Anwesen

Die wohl bekannteste Immobilie von Rolf Erb kommt nun ebenfalls zum Verkauf. Am Mittwoch lud die Immobilienfirma Ginesta mit Sitz in Küsnacht am Zürichsee für kommenden Donnerstag zu einer Medienkonferenz auf das Schloss Eugensberg ein. Genauere Angaben, etwa zum Mindestgebot, werden noch nicht gemacht.

Zum «äusserst grosszügigen» Anwesen in der thurgauischen Gemeinde Salenstein, wie es in der Medienmitteilung heisst, gehören nebst dem Schloss samt Park, Swimmingpool und Nebengebäuden auch ein ehemaliger Gutsbetrieb (Wohnhaus), eine als Bauland klassifizierte Parzelle, grosse Landwirtschaftsflächen, Wälder und Weiher sowie ein Badehaus direkt am Bodensee.

«Die Schlossanlage kann in ihrer Gesamtheit oder in Einzelobjekten erworben werden», heisst es in der Mitteilung. Unternehmer Rolf Erb war nach seiner rechtskräftigen Verurteilung wegen Betrugs, Urkundenfälschung und Gläubigerschädigung kurz vor dem Haftantritt gestorben. Seine Angehörigen mussten im letzten Jahr aus dem Schloss ausziehen.

Im Thurgau wollten Politiker schon wissen, ob nicht der Kanton das Schloss kaufen wolle. Offenbar ist dieser tatsächlich interessiert, aber nur an der auf dem Areal gelegenen Ruine Sandegg. Der Kauf des Schlosses selbst ist laut regierungsrätlicher Interpellationsantwort «keine Option», da zu teuer und nicht sinnvoll.

Einem Bericht der «Thurgauer Zeitung» zufolge könnte der Erwerb von Überresten der mehr als tausendjährigen, 1833 abgebrannten Burg Sandegg den öffentlichen Zugang zu Teilen des Areals sichern. Aktuell prüfe das Amt für Archäologie, ob die schöne Terrasse instand gestellt und sinnvoll betrieben werden könne.

Schloss und Park Eugensberg werden kaum öffentlich zugänglich werden, so der Regierungsrat: «Die Bereitschaft von Privatpersonen, ihr Anwesen öffentlich zugänglich zu machen, hält sich im Allgemeinen in Grenzen.»

Das Gelände gilt als grösster und bedeutendster Landschaftspark im Thurgau und das Schloss ist gemäss kantonaler Denkmalpflege ein Monument von nationaler, wenn nicht von europäischer Bedeutung. Kaufinteressenten müssen also mit erheblichen Auflagen der öffentlichen Hand betreffend Um- und Neubauten rechnen, was die Nachfrage nach dem Bijou indes kaum schmälern dürfte.

Kein Kleinod ist eine dritte Erb-Immobilie: das Zentrum Töss. Der Wohn- und Gewerbeblock an der Zürcherstrasse wurde bereits verkauft. Der neue Eigentümer äusserte sich jedoch bisher nicht; nach Berichten handelt es sich um den Unternehmer Dow Sternbuch.

Auch Quartiervertreter hatten mit Anfragen kein Glück. Sie habe weder auf ihren Brief noch auf ein entsprechendes E-Mail an Verwaltungsratspräsident Livio Zanetti eine Antwort erhalten, sagt Rosmarie Peter, Präsidentin des Quartiervereins Töss-Dorf. Dem Vernehmen nach hole die Verwaltung aktuell Offerten für eine zweite Sanierungsetappe ein.

Insgesamt sollen vier Etappen geplant sein, die auch Arbeiten in den Wohnungen umfassen. Wie Peter berichtet, wurden letzten Sommer bereits die Fassade um das Migros-Geschäft und der Brunnen vor dem Gebäude renoviert; diese Aktivitäten stimmten sie positiv, so die Vereinspräsidentin.

Stadtpräsident Michael Künzle (CVP) war mit den Zuständigen in Kontakt, man habe aber vorderhand Stillschweigen vereinbart, sagt er, da die Verantwortlichen später selber informieren wollten. Die wichtigste Botschaft sei: «Die neuen Eigentümer wollen in das Zentrum investieren.»