Pavillon of Reflections
Traum geplatzt: Kunstpavillon wird nicht in Pfäffikon weiterschwimmen

Der Leiter des Schwyzer Schiffsinspektorats wollte die schwimmende Plattform der Zürcher Kunstausstellung Manifesta in Pfäffikon weiterleben lassen. Seine Idee stösst auf offene Ohren – nur nicht bei seinem Chef.

Conradin Knabenhans
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Blick auf den Pavillon of Reflections vom Zürichseeufer aus.
15 Bilder
Manifesta 11: Pavillon of Reflections
Stadtpraesidentin Corine Mauch, Christian Jankowski, Kurator, und Hedwig Fijen, Direktorin Manifesta, von links nach rechts
Stadtpraesidentin Corine Mauch, Christian Jankowski, Kurator, und Hedwig Fijen, Direktorin Manifesta, von links nach rechts, sprechen anlaesslich einer Eroeffnungspressekonferenz der Manifesta 11
Eröffnungspressekonferenz zur Manifesta 11.
Tagsüber ist der Pavillon Badi mit Bar, abends Kino.
What People Do For Money lautet der Titel der Manifesta. Es geht um Arbeit und Geld
Videokünstler Christian Jankowski ist Kurator der Manifesta 11
Für den Pavillon verbauten ETH-Studenten Holz aus Zürcher Wäldern.
Noch ist die Arbeit an der schwimmenden Insel nicht ganz fertig.
Im Inneren wurde das Cabaret Voltaire für die Dauer der Manifesta zum Zunfthaus der Künste umgebaut.
Der Turm macht den Pavillon weitum sichtbar.
Das Holzkonstrukt soll zur Ikone der Manifesta 11 werden, sagen die Veranstalter.
Manifesta-Kurator Christian Jankowski erklärt den Pavillon of Reflections
Das Cabaret Voltaire erhält für die Manifesta einen neuen Erker.

Blick auf den Pavillon of Reflections vom Zürichseeufer aus.

Matthias Scharrer

Das ist die Geschichte eines Mannes, der eine Vision hatte. Es ist aber auch die Geschichte eines Mannes, dem seine Idee zum Verhängnis wurde.

Die grosse Holzplattform der Kunstausstellung Manifesta in der Stadt Zürich sollte nach Ende der Ausstellung nicht zurückgebaut, sondern für fünf Jahre als Plattform in Freienbach beim Schiffssteg Pfäffikon genutzt werden. Das 20 mal 30 Meter grosse und 170 Tonnen schwere Floss, Pavillon of Reflections genannt, würde dort zum «optischen und kulturellen Highlight» und zu einem «temporären Wahrzeichen». Das ist die Vorstellung von Clemens Krienbühl. Er ist der Schiffsinspektor des Kantons Schwyz.

Für die Stationierung einer schwimmenden Anlage beim Schiffssteg bedarf es im Kanton Schwyz lediglich der Zustimmung des Schiffsinspektorats. Aufgrund «der Bedeutung der schwimmenden Anlage sowie des Öffentlichkeitsprinzips» hätten sich die Gemeinde Freienbach und das Schiffsinspektorat Schwyz aber dazu entschieden, eine öffentliche Ausschreibung vorzunehmen. Bauherr: das Schwzyer Schifffahrtsamt und damit Clemens Krienbühl.

Mit dieser Ausschreibung im Schwyzer Amtsblatt endete der grosse Plan von Schiffsinspektor Krienbühl jäh. Während das «Höfner Volksblatt» gestern Montag das Projekt noch als Glücksfall bezeichnete, publizierte das Schwyzer Verkehrsamt im Laufe des Vormittags eine unmissverständliche Medienmitteilung: «Baugesuch für temporäre Stationierung der Manifesta-Plattform zurückgezogen.» Daraus wird klar: Krienbühl hatte in Eigenregie gehandelt: «Die vorgesetzten Amtsstellen hatten keine Kenntnis von diesem Projekt und der Kanton wird bei diesem Vorhaben nicht als Bauherrschaft auftreten», heisst es in der Mitteilung. Das Gesuch sei bereits am letzten Freitag wieder zurückgezogen worden.

Wie war es überhaupt so weit gekommen, dass das Schiffsinspektorat als Bewilligungsinstanz gleich selbst ein Baugesuch einreichte? Weil die Manifesta-Plattform im Kanton Schwyz aufgebaut wurde, verfügte das Inspektorat über die Kontakte zur Projektleitung. Krienbühl habe «als Vernetzer in der Ausserschwyz agiert», heisst es in der Mitteilung des Verkehrsamtes. «Im Verlaufe des Projekts wurden diese Grenzen zwischen dem Schiffsinspektorat als Amtsstelle und dem Leiter als Vernetzer immer mehr vermischt, sodass dieser schlussendlich als Initiator fungierte.» Dies habe im Endergebnis dazu geführt, dass das Inspektorat als Bauherrschaft auftrat. Es liege nicht in der Kompetenz des Schiffsinspektors, ohne Information der vorgesetzten Amtsstellen ein solches Gesuch bei einer Gemeinde einzureichen.

Krienbühl weilt derzeit in den Ferien. Man werde mit ihm danach zusammensitzen und «die Lehren daraus ziehen», sagt Amtsleiter Peter Wespi auf Anfrage der «Zürichsee-Zeitung». Und Wespi macht klar, dass Krienbühl beim Manifesta-Projekt in Freienbach nicht mehr mitmischen darf: «Diese Vermischung ist so unerwünscht.»

Und was wird nun aus den Plänen von Schiffsinspektor Krienbühl? Es stehe der angedachten privaten Trägerschaft frei, das Baugesuch unter neuer Bauherrschaft erneut bei der Gemeinde einzureichen, sagt Wespi.

Offene Zukunft

Daniel Landolt, Gemeindepräsident von Freienbach (CVP), fände es schade, wenn die Idee nun wegen des Bewilligungsverfahrens scheitern würde. Der Gemeinderat hatte Krienbühl gegenüber die Umsetzung begrüsst, unter der Bedingung, dass es die Gemeinde nichts koste. Landolt sagt, er sei überrascht gewesen, dass das Schiffsinspektorat das Baugesuch eingereicht ­habe. «Ich kann nachvollziehen, dass das Amt so entscheidet und das Baugesuch zurückzieht.»

Offen ist, wie es mit der Idee nun weitergeht. Weder Landolt noch die Manifesta-Betreiber selbst haben von Krienbühl und seinen Mitstreitern ein Signal erhalten: «Wir haben ein Interesse daran, dass der Pavillon weiterlebt», lässt Manifesta-Medien­spre­cherin Nora Hauswirth ausrichten. Ihres Wissens sei derVertrag mit dem «Übernahmepartner» bereits unterzeichnet worden. Über die Details kann sie aber keine Auskunft geben.

Clemens Krienbühl selbst war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.