Der abgewählte Grüne Regierungsrat Martin Graf konnte seine Tränen kaum zurückhalten. Ganz so schnell habe er den Abschied doch nicht erwartet, sagte der sichtlich gerührte Noch-Regierungsrat Graf, der seinen Sessel nach nur vier Jahren im Amt räumen muss. "Ich hätte mich gerne weitere vier Jahre mit dem Parlament herumgeplagt."

Doch er habe in seinem Leben viel Glück gehabt, da vertrage es auch mal eine Pechsträhne. Was er nach seinem Amt macht, weiss Graf noch nicht. Er will sich komplett neu orientieren. Am Sonntag gab er schon mal bekannt, dass er auf der Nationalrats-Liste der Grünen steht - allerdings nicht auf einem Spitzenplatz. Er rechnet denn auch nicht damit, dass er gewählt wird.

Gut und Aeppli - die einfachen Bürgerinnen

Keine Tränen gab es hingegen bei Bildungsdirektorin Regine Aeppli (SP) und Finanzdirektorin Ursula Gut (FDP), die bei den Wahlen vom 12. April freiwillig nicht mehr angetreten sind. Aeppli war zwölf Jahre Regierungsrätin, Gut neun Jahre.

Ab kommendem Montag werden beide wieder "einfache Bürgerinnen" sein, wie es Aeppli ausdrückte. In dieser neuen Rolle hat die Noch-Bildungsdirektorin einen frommen Wunsch an das Parlament: "Ich vertraue auf Ihre Klugheit und Weitsicht."

Einen Wunsch äusserte auch die abtretende Finanzdirektorin Gut. Sie würde es gerne sehen, dass Parlament und Regierung wieder mehr aufeinander zugehen. Gleichzeitig wünscht sie sich für ihren Nachfolger oder ihre Nachfolgerin aber auch, dass der Kantonsrat "die Kompetenzen der Regierung wieder mehr akzeptiert".

Whitney Houston für Ursula Gut

Als Andenken an ihre Zeit in der Regierung erhielten Gut, Graf und Aeppli je eine kleine, silberne Löwen-Statue. Die Korpsmusik der Kantonspolizei Zürich würdigte zudem jedes scheidende Regierungsmitglied mit einem Musikstück.

Für Aeppli spielte das Orchester "Non, je ne regrette rien" von Edith Piaf, für Gut "One Moment in Time" von Whitney Houston und für den gelernten Agronomen Graf "Jumpin' at the Woodside" von Count Basie.

Verabschiedet wurden am Montag auch die 36 Kantonsrätinnen und Kantonsräte, die bei den Wahlen vom 12. April nicht mehr angetreten waren oder abgewählt wurden. "Es ist bitter, abgewählt zu werden", sagte Kantonsratspräsidentenin Brigitta Johner (FDP, Urdorf) tröstend. Vor allem, wenn man selber gar nichts dafür könne.

Am kommenden Montag nimmt der neu zusammengesetzte Kantonsrat seine Arbeit auf. Am gleichen Vormittag werden die bisherigen und neuen Regierungsmitglieder die Direktionen unter sich neu verteilen.