Üetliberg
Touristen könnten über Windrad am Üetliberg staunen

Die Projektidee einer Zürcher Nachhaltigkeitsstiftung für eine Windkraftanlage auf dem Üetliberg nimmt Gestalt an. Wo heute der 186 Meter hohe Fernsehturm steht, soll ein dreiflügeliges Windrad Strom produzieren.

Alfred Borter
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Neben der Visualisierung des Windrades sieht der 72 Meter hohe Aussichtsturm fast klein aus.

Neben der Visualisierung des Windrades sieht der 72 Meter hohe Aussichtsturm fast klein aus.

zvg

Die Idee «ZüriWind» ist mehr als ein Hirngespinst: Auf dem Üetliberg soll eine Windkraftturbine für Strom sorgen. Aber auch für Aufmerksamkeit. Von weither soll sichtbar sein, dass in Zürich der Einsatz für erneuerbare Energie kein blosses Schlagwort ist.

Die Stiftung in Kürze

Die Foundation for Global Sustainability (FFGS) ist 2007 gegründet worden mit dem Ziel, einen messbaren Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung auf globaler Ebene zu leisten. Die Stiftung initiiert Projekte, die diesem Ziel dienen, und setzt sie in Partnerschaft mit Unternehmen, Regierungsstellen und der Wissenschaft um. Der Fokus liegt auf der Messung nachhaltiger Entwicklung, der Förderung von nachhaltiger Finanzierung und der Förderung des Bewusstseins, des Wissenstransfers und der internationalen Kooperation für eine nachhaltige Marktwirtschaft. Das Team besteht aktuell aus zehn vollzeitbeschäftigten Personen. Gründer und Geschäftsführer der Stiftung ist Nick Beglinger. Er ist ausserdem Präsident des Wirtschaftsverbands Swisscleantech. (abr.)
www.ffgs.org

Ein Leuchtturmprojekt sei das, sagt Nick Beglinger, Geschäftsführer der in Zürich ansässigen Foundation for Global Sustainability (FFGS). Wo heute der 186 Meter hohe Fernsehturm steht, soll ein dreiflügeliges Windrad Strom produzieren. Die Anlage soll 178 Meter hoch werden; die Rotoren haben einen Durchmesser von 112 Metern. Die Kapazität beläuft sich auf 3 Megawatt; die Promotoren schätzen, dass im Jahr 3000 Megawattstunden Strom produziert werden können, was für die Versorgung von 600 Haushaltungen reichen würde. Die Sendeanlagen der Swisscom Broadcast AG, der die Fernsehantenne gehört, würden im Turm des Windrads integriert.

Genug Wind ist vorhanden, wie eine von der FFGS in Auftrag gegebene Studie ergeben hat. Die von der New Energy Scout GmbH erstellte Studie kommt zum Schluss, die durchschnittliche Windgeschwindigkeit von 4,5 bis 5,5 Meter pro Sekunde sei ausreichend. Die Stiftung geht für die Erstellung von Kosten von 5 bis 10 Millionen Franken aus. Der Erlös aus der produzierten Energie, so lauten die Berechnungen, würde nicht nur die laufenden Kosten decken, sondern auch einen Gewinn abwerfen.

Der Weg: Wie man für das Projekt Akzeptanz schafft

Anna Nyfeler hat als Praktikantin neben der Schule bei der Foundation for Global Sustainability (Stiftung FFGS) in Zürich gearbeitet und Feuer gefangen. «ZüriWind ist eine geniale Idee», sagt sie. Es sei eine Pflicht, aber auch eine Chance, mit der Nutzung von erneuerbaren Energien, in diesem Fall Windenergie, einen Schritt hin zu nachhaltiger Energieerzeugung zu tun. Sie ist überzeugt, dass der Rotor auf dem Üetliberg auch ein wichtiges Symbol für tatkräftigen Einsatz für Nachhaltigkeit wäre. Im Einverständnis mit der Stiftung hat sie als Schülerin der Kantonsschule Küsnacht das Projekt zum Thema ihrer Maturarbeit gemacht. In «ZüriWind - eine Akzeptanzstrategie», versuchte sie vor allem herauszufinden, wie man am besten vorgeht, um alle möglichen Interessengruppen vom Projekt zu überzeugen. Sie kommt zum Schluss, es sei wichtig, dass sich der Stadtrat von Zürich, aber auch das Stadtparlament sowie die beteiligten Gemeinden einhellig hinter das Vorhaben stellen. Damit werde es einfacher, betroffene Personen wie den Besitzer des Hotels Utokulm und Interessenverbände ins Boot zu holen. «Ich hoffe natürlich, dass das Projekt nicht in irgendeiner Schublade verstaubt», meint sie. Sie weiss, dass viele Hürden zu überwinden sind. Bei ihren Interviews etwa hat ein Projektleiter bei der Standortförderung des Kantons Zürich sehr deutliche Vorbehalte zum Symbolgehalt einer Windturbine auf dem Zürcher Hausberg angebracht. Die Maturarbeit hat bereits Aufsehen erregt. Auf Anregung ihres Referenten an der Kantonsschule hat Nyfeler beim Preisausschreiben der Siemens-Stiftung für Schüler im deutschsprachigen Raum zum Thema Umwelt- und Klimaschutz mitgemacht und ist in den Final gelangt. (abr.)

Ein Symbol für Nachhaltigkeit

Nick Beglinger hofft, dass die Idee nicht toter Buchstabe bleibt, sondern auf grosse Zustimmung stösst und umgesetzt werden kann. Schliesslich sei Zürich ja bestrebt, die Energiewende herbeizuführen, und das Stimmvolk habe sich im Jahr 2009 in einer Abstimmung klar dafür ausgesprochen, die nötigen Schritte hin zur 2000-Watt-Gesellschaft zu tun.

Er ist denn auch zuversichtlich, dass die Stadt Zürich, auf deren Boden der Fernsehturm steht, die Idee mitträgt. Mit von der Partie sollen insbesondere auch das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ) sowie die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) sein. Damit die Windturbine eine Angelegenheit des Zürchervolks wird, könnte man Aktien ausgeben, die von der Bevölkerung gezeichnet werden könnten.

Mit der Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch hat Beglinger zu Beginn der Projektarbeiten vor zwei Jahren schon einen ersten Kontakt geknüpft. Das dabei erhaltene Echo sei grundsätzlich positiv gewesen, hält er fest. Aber ihm ist klar, dass es noch einiger Anstrengungen bedarf, um das Vorhaben in die Tat umzusetzen. Nach seiner Meinung sollte man im Sockel der Windturbine ein Besucherzentrum einrichten, wo über die Windkraft, aber auch über andere erneuerbare Energien und über Energieeffizienz informiert würde. Er denkt, die mächtige Windturbine könnte ein attraktives Symbol darstellen, sogar Touristen könnten darüber staunen, denn ein Windrad so nah bei einer Metropole sei etwas Einmaliges. «Es wäre doch ein wunderbares Symbol für Zürich».

Weg aufgezeichnet

Beglinger will sich nun mit seiner Stiftung daran machen, bei allen möglichen Beteiligten die Idee bekannt zu machen und sie zum Mitmachen zu gewinnen. Die Praktikantin Anna Nyfeler, die bei der Stiftung gearbeitet hat, zeichnet in ihrer Maturarbeit einen möglichen Weg auf, um dafür genügend Akzeptanz zu erzielen. Es gilt, nicht nur die Stadt Zürich und die Nachbargemeinden sowie EWZ und EKZ ins Boot zu holen, sondern auch den Hotelier des nur etwa 200 Meter entfernten «Utokulms», ferner den Üetlibergverein und den Verein Pro Üetliberg, natürlich die Swisscom Broadcast AG und weitere, um der Idee zum Durchbruch zu verhelfen.

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