Zürich Tourismus

Tourismus-Präsident: «Zürich muss noch freundlicher werden»

Der ehemalige Zürcher Stadtpräsident Elmar Ledergerber freut sich über Zürichs Beliebtheit bei Touristen.

Der ehemalige Zürcher Stadtpräsident Elmar Ledergerber freut sich über Zürichs Beliebtheit bei Touristen.

Zürich Tourismus-Präsident Elmar Ledergerber darf sich über einen positiven Trend freuen. Im Gegensatz zum Schweizer Tourismus, sind die Zahlen von Zürich Tourismus super. Er erklärt, weshalb das so ist und was Zürich noch verbessern muss.

Der Schweizer Tourismus befinde sich in einer Notlage, hat der Direktor von Schweiz Tourismus, Jürg Schmid, gesagt. Trifft das auch für Zürich zu?

Elmar Ledergerber: Nein, unsere Zahlen sind super. Nachdem wir schon 2011 zugelegt haben, verzeichnen wir in der Stadt Zürich von Januar bis November 2012 bei den Übernachtungszahlen ein Plus von 4 Prozent. Im Kanton sind es immerhin plus 1,9 Prozent, während schweizweit ein Minus von 2,9 Prozent resultierte.

Warum steht Zürich so gut da?

Zürich ist äusserst attraktiv, auch im weltweiten Vergleich. Die Lebensqualität ist sehr hoch, das bestätigen alle Rankings. Hier gibt es ein reichhaltiges Angebot an Kultur, Zürich ist urban, und die Natur ist trotzdem intakt. Wir bieten gute Luft, gutes Wasser, Sicherheit, Sauberkeit. Das schätzt jeder, von den Rucksacktouristen bis zu den Geschäftsreisenden.

Und der starke Schweizer Franken, schadet der nicht?

Doch, natürlich. Aus dem Euroraum kommen deutlich weniger Touristen als früher, doch aus anderen Ländern wie Russland, Indien und China oder aus den Golfstaaten ist ein bedeutender Zuwachs festzustellen, der den Rückgang aus den EU-Staaten mehr als wettmacht. Sofern in Europa nicht eine grössere Rezession eintreten sollte, hoffen wir weiterhin auf ein mässiges Wachstum.

Hat denn die Eröffnung mehrerer neuer Hotels in letzter Zeit nicht zu einem Überangebot geführt?

Die Bettenauslastung ist mit über 70 Prozent im Schnitt ganz beachtlich. In Berlin hingegen bleibt jedes zweite Bett leer. Und wenn das neue Kongresszentrum kommt, wird die Nachfrage nochmals kräftig steigen. Dann brauchen wir in vier Jahren eine deutlich höhere Bettenzahl.

Braucht es überhaupt ein neues Kongresszentrum?

Unbedingt. Das heutige Kongresshaus ist für grössere Kongresse nicht mehr geeignet und oft ausgebucht. Aber man muss das neue Kongresszentrum, das eine Kapazität für 1500 bis 2500 Personen aufweisen muss, am richtigen Ort bauen.

Das Geroldareal, das der Stadtrat favorisiert, gefällt Ihnen nicht?

Auch wenn der Ort verkehrsmässig sehr gut erschlossen ist, so ist er halt von der urbanen Qualität her nur zweite oder dritte Wahl. Der Carparkplatz mit seiner Nähe zum Platzspitz und zum Landesmuseum wäre viel besser geeignet. Gleich beim Hauptbahnhof gelegen, ist er hervorragend erschlossen, die City ist in Fussgängerdistanz und der See rasch erreichbar. Diesen Standort müsste man jetzt mit Nachdruck entwickeln, das heisst rasch die Baulinien anpassen und die privaten Parzellen sichern, damit überhaupt geplant werden kann.

Wenn Sie davon ausgehen, dass ein bedeutender Zuwachs an Hotelbetten nötig wäre: Gibt es denn Investoren, die die zusätzlichen Hotels bauen wollen?

Klar, die Investoren kennen den Markt. Wenn Zürich seine Attraktivität halten und sogar noch steigern kann, sehe ich gute Chancen. Bereits heute sind Hotelbauten in der Pipeline, die die Bettenzahl bis 2017 um rund 30 Prozent erhöhen werden.

Hat das neu eröffnete Casino zur Steigerung der Attraktivität Zürichs als Weltstadt beigetragen?

Für gewisse Gäste ist das bestimmt so. Auch ist richtig, dass es nun ein Casino im Zentrum von Zürich gibt und nicht bloss in der Peripherie. Aber deswegen kommt kein zusätzlicher Besucher nach Zürich. Es ist einfach ein weiteres Angebot in einem attraktiven Umfeld.

Wo muss Zürich besser werden?

Bei der Freundlichkeit. Da können wir uns ein Beispiel nehmen an den Österreichern. Die verstehen es, den Gästen das Gefühl zu geben, dass sie willkommen sind, dass man sich auf sie freut.

Denken Sie dabei an die Kritik am Taxigewerbe?

Da haben wir tatsächlich einen Handlungsbedarf. Taxis sind wie eine Visitenkarte. Klar, es gibt viele Taxichauffeure, die zuvorkommend und hilfsbereit sind. Sie können Auskunft geben, kennen nicht nur die Sehenswürdigkeiten, sondern auch die Geschichte der Stadt. Es wäre gut, wenn mehr in die Ausbildung der Chauffeure investiert würde. Allerdings müsste die Stadt auch dafür sorgen, dass die Chauffeure wieder so viel verdienen können, dass sie eine Familie mit ihrem Lohn ernähren können. 1500 Taxis in Zürich, das sind einfach zu viele.

Die Stadt stellt sich auf den Standpunkt, die Gewerbefreiheit lasse keine Begrenzung zu.

Da bin ich anderer Ansicht. Winterthur und andere Städte beweisen, dass es auch anders geht. Es braucht eine schlaue Lösung.

Ist das politische Zürich genügend tourismusfreundlich?

Das politische Zürich ist verwöhnt. Es ging uns lange sehr gut, aber wir müssen etwas tun, um unsere Attraktivität auf dem Toplevel zu halten. Vom Tourismus hängen direkt und indirekt immerhin 9 Prozent der Arbeitsplätze ab, und zwar vor allem auch solche, die kein Studium voraussetzen, wo man auch mit einer Anlehre auf einen grünen Zweig kommt. Arbeitsplätze im Tourismusbereich werden immer wichtiger, gerade in einer Zeit, wo der Finanzplatz sich rückwärts entwickelt.

Sie versprachen bei Ihrem Amtsantritt, sich für «grünen Tourismus», für «green travel» einzusetzen. Wie steht es damit?

Zürich Tourismus ist die erste Schweizer Tourismusorganisation, die als klimaneutral zertifiziert ist. Wir kompensieren die CO2-Immissionen.

Wie glücklich sind Sie mit dem 2011 eingeführten Slogan «Zürich - World Class, Swiss Made?»

Der ist treffend. Zürich mit dem früheren Slogan als «Downtown Switzerland» anzupreisen, funktionierte im Ausland, aber in der Schweiz bekam ich oft zu hören, das sei ja wieder einmal typisch für Zürichs Grössenwahn. Zürich muss sich über die Qualität definieren, nicht über den Preis; daher ist Weltklasse ein guter Begriff, und Swiss Made ist weltweit ein bestens eingeführtes Label, das für Zuverlässigkeit und Qualität steht.

Wenn Martin Sturzenegger am 1. März seine Aufgabe als neuer Direktor von Zürich Tourismus übernimmt, was muss er prioritär angehen?

Er trifft auf ein motiviertes Team, ein leistungsorientiertes Umfeld; der Interimsdirektor hat seine Sache sehr gut gemacht. Martin Sturzenegger, der bei der Rhätischen Bahn einen hervorragenden Job macht, bringt Dynamik in unsere Organisation. Er hat neue Ideen, wird unsere Strategie weiterentwickeln und er kann seinem Team auch Wertschätzung vermitteln. Dass er in Zürich aufgewachsen ist, wird ihm sicher nicht zum Nachteil gereichen. Und dass er erklärt hat, dieser Posten sei sein Traumjob, gefällt mir sehr. Ich bin überzeugt, dass er den hohen Erwartungen gerecht wird. Er wird es schaffen und wir versuchen vom Vorstand her, ihm die besten Voraussetzungen zu bieten.

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