Das Gesicht des Zürcher Mythenquais verändert sich in den nächsten Jahren stark: Diverse private Neubauten sind dort in Planung oder im Bau, und die Stadt will den heutigen Parkplatz beim Hafen Enge bis spätestens 2025 durch eine öffentliche Promenade ersetzen. Auch der beliebte Kiosk beim Hafen soll damit seine provisorische Erscheinung verlieren, findet der Stadtzüricher Heimatschutz – und bringt ein altes Projekt wieder auf den Tisch.

Das heutige schlichte Gebäude entstand Ende der Fünfzigerjahre nach Plänen des damaligen Stadtbaumeisters Albert H. Steiner. 2007 ging die Stadt eine Neugestaltung des Kiosks samt WC-Anlage an. Geplant war ein Bau im gleichen Design wie die drei von Stoos Architekten umgesetzten Bootsvermietungen rund um das Seebecken. Doch das Projekt stiess auf Widerstand: Eine Spezialkommission des städtischen Finanzdepartements störte sich an den Gesamtkosten von 2,7 Millionen Franken. Der Neubau wurde 2009 schliesslich fallengelassen.

Zurich zahlt Zürich 8 Millionen

Der Stadtzürcher Heimatschutz äusserte im Neujahrsblatt 2016 zum Landschaftspark Arboretum sein Bedauern darüber, dass das Projekt damals fallen gelassen wurde. Die aktuelle Lösung bezeichnet Barbara Truog, Präsidentin des Heimatschutzes, auf Anfrage als «funktionell zwar befriedigend, ästhetisch aber wenig ansprechend». Da in den nächsten Jahren ohnehin das ganze Areal des heutigen Parkplatzes umgestaltet werden soll, würde es der Heimatschutz sehr begrüssen, wenn das damals nicht realisierte Projekt nun zur Ausführung käme, sagt sie.

Dass der Heimatschutz das Thema wieder aufs Tapet bringt, hängt mit den Plänen der Stadt für die Umgebung des Kiosks zusammen. 2011 genehmigte der Gemeinderat den Gestaltungsplan für den Hauptsitz der Rückversicherung Swiss Re auf der gegenüberliegenden Seite des Mythenquais. Darin erklärte sich die Swiss Re bereit, in ihrem eigenen Parkhaus 130 öffentliche Parkfelder anzubieten, damit jene beim Hafen Enge aufgelöst werden können. So wurde Platz frei für die Planung einer neuen Flaniermeile am See.

Hochbauvorstand André Odermatt (SP) schätzte vor einem Jahr, dass sich die Kosten dafür auf rund 10 Millionen Franken belaufen werden. Ein hoher Betrag für eine Stadt, die nicht gerade auf Rosen gebettet ist. Doch kann sie wegen eines Deals mit den Zürich Versicherungen mit Beiträgen in der Höhe von knapp 8,4 Millionen Franken rechnen. Die Zurich, wie sie international genannt wird, plant nämlich gegenüber dem Arboretum einen Neubau, den sie fünf Meter höher bauen will, als dies die Bau- und Zonenordnung zulässt. Den dazu nötigen Gestaltungsplan genehmigte der Gemeinderat 2015. Die Zurich versprach im Gegenzug, den sich aus der Aufstockung ergebenden Mehrwert teilweise auszugleichen. Das Geld soll in die Hafenpromenade fliessen.

Für die Stadtzürcher Heimatschutzpräsidentin Truog ist die Ausgangslage daher eine andere als noch 2007: «Mit dem Mehrwertausgleich erhält die Stadt Geld, das nur für die Gestaltung der Hafenpromenade gedacht ist. Warum sollte man also nicht auch gleich den Kiosk neu bauen?», fragt sie.

Kioskfrage klärt sich 2021

Gemäss der Stadtverwaltung kommt der Vorschlag des Heimatschutzes zu früh. Man wisse frühestens im Jahr 2021, wie die Hafenpromenade in etwa aussehen werde, erklärt Mike Sgier, Sprecher des Tiefbau- und Entsorgungsdepartements, auf Anfrage: «Grün Stadt Zürich wird dann voraussichtlich einen Wettbewerb für die Neugestaltung abhalten.» In diesem Rahmen werde man sich auch Gedanken darüber machen, wie der Kiosk künftig aussehen soll. Zu klären sei zudem die Frage, wo auf der Promenade er stehen soll, sagt Sgier. Denn: «Unabhängig davon, ob der Kiosk später tatsächlich neu gebaut wird, werden voraussichtlich beim Bau der öffentlichen Anlage bereits Leerrohre für Wasser und Strom verlegt.»

Die angekündigten Vorarbeiten hält Architekt Jann Stoos, der das Kiosk-Projekt 2007 leitete, für sinnvoll: «Neben der Haustechnik für den Restaurationsbetrieb und den vollautomatischen WC-Anlagen trieben damals vor allem der schlechte Untergrund und die technische Erschliessung die Baukosten in die Höhe», sagt er. Dass der Heimatschutz den Gestaltungsvorschlag wieder aufs Tapet bringt, freut Stoos: «Es war sehr schade, dass wir den Kiosk nach der ganzen Planung nicht bauen konnten.»