Richterswil
Tor zum Seebad bleibt geschlossen – wegen Gülle-Verdacht

Wer gestern ins Seebad Richterswil wollte, hatte Pech. Das Strandbad blieb geschlossen, weil der Zürichsee vor dem Ufer schäumte. Ein Bach hat Schmutzwasser in den See geleitet. Heute wird die Lage neu beurteilt.

Christian Dietz-Saluz
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«Ungenügende Wasserqualität»: Die Besucher des Seebads Richterswil stehen vor einem geschlossenen Tor. André Springer

«Ungenügende Wasserqualität»: Die Besucher des Seebads Richterswil stehen vor einem geschlossenen Tor. André Springer

ANDRE SPRINGER

Der Badmeister hat richtig gehandelt. Als er gestern Morgen auf Höhe des Kinderbades das Ufer voller Schaum und das Wasser im Zürichsee getrübt sah, entschied er sich, das Seebad Richterswil erst gar nicht zu öffnen.

Stattdessen hängte er eine Mitteilung ans Eingangstor: «Das Seebad bleibt heute Montag ¬wegen ungenügender Wasserqualität geschlossen.» Viele Menschen, die an diesem Sommerferientag Abkühlung im See suchten, mussten sich anderweitig orientieren.

Schaum bleibt in Ufernähe

«Im Moment wissen wir noch nichts Genaueres», sagt Gerda Koch, stellvertretende Gemeindeschreiberin von Richterswil. Es gebe nur Mutmassungen, etwa dass Gülle in den Mülibach gelangt und so in den Zürichsee gespült worden sei. Bereits abgeklärt ist laut Koch, dass die Abwasserreinigungsanlage Richterswil nichts mit der Seeverschmutzung zu tun hat. «Dort ist alles in Ordnung, die ARA kann als Verursacher ausgeschlossen werden», sagt sie.

Das kantonale Amt für Wasser, Energie und Luft (Awel) sei schon informiert worden, bestätigt Koch. Der hohe Pegel des Zürichsees verschärft derzeit das Problem. Er verhindert ein rasches Abfliessen des verunreinigten Wassers in die Seemitte, wo es rasch zu einer Verdünnung der Schmutzkonzentration käme. So aber halten sich der Schaum und die Brühe wegen des hohen Seewasserstands länger in Ufernähe. «Wir behalten die Lage im Auge», sagt die stellvertretende Gemeindeschreiberin. Falls der Zürichsee auch am Dienstagmorgen noch verschmutzt sei, bleibe die Anlage weiterhin geschlossen. «Wenn die Gäste Eintritt bezahlen, dann wollen wir ihnen auch gute Wasserqualität bieten», rechtfertigt Koch die Massnahme. Anzeige wurde noch nicht erstattet, jedoch wurde, nachdem die Wasserqualität gestern Abend noch immer zweifelhaft war, die Seepolizei informiert.

«Absolute Ausnahme»

Gemeindepräsident Hans Jörg Huber (FDP) bedauert die Sperre des Seebads. «Es ist eine Vorsichtsmassnahme und zum Glück eine absolute Ausnahme, ich kann mich nicht erinnern, wann das zum letzten Mal notwendig gewesen ist.» Auch Huber vermutet einen Zusammenhang mit Gülle. «Am Sonntagabend hat es extrem stark geregnet, da ist es möglich, dass aus der Landwirtschaft etwas in den Mülibach ¬gespült wurde», sagt er. Wichtig sei für ihn, so Huber, dass der Badmeister sofort mit der Gemeinde und insbesondere mit der ARA Kontakt aufgenommen habe. «Es hätte ja sein können, dass es dort zu einer Panne gekommen ist.» Nun liegt der Ball beim Awel. Erhärtet sich der Verdacht auf vom Regen ausgespülte Gülle, wird es keine weiteren Untersuchungen geben. Erst im Wiederholungsfall würde Anzeige gegen unbekannt erstattet.

Die Strandbäder in den Nachbargemeinden Bäch/Freienbach und Wädenswil sind von der Verschmutzung nicht betroffen. Beide hatten gestern normal geöffnet.