Zürich
Toni Bortoluzzi schockt mit Aussagen gegen Schwule und Lesben

Der SVP-Nationalrat Toni Bortoluzzi hat mit heiklen Aussagen zur geplanten Reform des Familienrechts einen "Shitstorm" unter den Lesern der Schweizer Medien ausgelöst. Kritik üben auch Politiker von links bis rechts.

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Toni Bortoluzzi hat im Bio-Unterricht nicht aufgepasst.

Toni Bortoluzzi hat im Bio-Unterricht nicht aufgepasst.

Keystone

Toni Bortoluzzis Aussagen gegenüber der Zeitschrift "Beobachter" gingen durch die Medien: Im Zuge eines Gesprächs zur geplanten Reform des Familienrechts, gegen das er mit harten Bandagen kämpft, habe er pikante Aussagen getroffen. Bei der Reform ginge es darum, dass "Fehlgeleitete" ihre Neigung rechtlich mit der Partnerschaft zwischen Mann und Frau gleichstellen wollen, so Bortoluzzi. Diese diene der Fortpflanzung und Kindererziehung. Auf Nachfragen des "Beobachters" präzisierte er: Mit "Fehlgeleiteten" meine er Schwule, Lesben und alle, die allein leben oder ihren Partner nach Lust und Laune wechseln Gleichgeschlechtliche Paare hätten einen Hirnlappen, der verkehrt laufe, so Bortoluzzi weiter.

Die Schwulenorganisation Pink Cross habe Bortoluzzi daraufhin in ihr Berner Büro eingeladen, um ihm zu zeigen, dass homosexuelle Menschen gesund und vital seien. Die Schwulenorganisation sei konsterniert über Bortoluzzis Aussagen, die zehn Prozent der Schweizer Bevölkerung böswillig herabsetzen.

Auch Hannes Rudolph, Geschäftsführer der Homosexuellen Arbeitsgruppen Zürich (HAZ) verurteilt Bortoluzzis Aussagen: Die HAZ seien entsetzt darüber, dass ein Schweizer Parlamentarier derart menschenfeindliche und homophobe Aussagen treffe. Die HAZ seien der Meinung, dass Homophobie nicht mit Meinungsfreiheit entschuldigt werden kann und es gefährlich sei, wenn solche Äusserungen salonfähig würden. Andererseits müsse man auch Abwägen, wieviel Aufmerksamkeit man Bortoluzzi aufgrund dieser Äusserung zuteil werden lassen möchte, man wolle ihm ja keine Plattform bieten.
Falls Pink Cross rechtliche Schritte gegen Bortoluzzi einleiten solle, würden die HAZ diese unterstützen. Bortoluzzi sei offensichtlich nicht darüber informiert, dass Homosexualität sowohl bei Menschen als auch im Tierreich eine Normvariante darstelle.

Auch Beat Feurer, Präsident der Gruppe „Gays in der SVP", ist nicht erfreut über die Aussagen seines Parteikollegen. „Solche Aussagen sind schockierend und nicht akzeptabel", sagt Feurer auf Anfrage. Da müsse man sich schon fast fragen, was mit Bortoluzzis eigenem Hirnlappen los sei. Die Gays in der SVP überlegen sich nun, ob sie sich mit einem offenen Brief an die Parteileitung wenden sollen. Bortoluzzi verurteile ja nicht nur Lesben und Schwule, sondern jeden, der nicht in sein Weltbild passe. Wenn Bortoluzzi damit argumentiere, dass solche Menschen nicht der Norm entsprechen, dann müssten noch viele Minderheiten ausgeschlossen werden- etwa Politiker, oder auch Unternehmer welche gemessen an der Durchschnittsbevölkerung absolute Aussenseitertätigkeiten wahrnehmen würden , so Feurer.

Andererseits werden Aussagen von SVP-Politikern generell genauer und strenger angeschaut als solche von anderen Parteien. Man könne durchaus kritisch sein und Diskussionen führen, sagt Feurer. Aber in diesem Fall sei die Diskussion unnötig, da Bortoluzzi eine praktisch inhaltsleere Aussage gemacht habe. Es gehe nicht, dass Bortoluzzi mit seinen Aussagen ganze Bevölkerungsgruppe in eine Ecke dränge. Aber auch Rücktrittsforderungen findet Feurer nicht hilfreich, obwohl er sie in diesem Fall persönlich unterstützen würde: Denn damit begebe man sich ebenfalls auf ein tiefes Niveau herab.
(fwa)