Nun nimmt die Geschichte um das ausgebüxte Zürcher Kalb auch eine politische Dimension an: Tierrechtsorganisationen nehmen den Vorfall zum Anlass, um auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen. Das 450 Kilogramm schwere Tier war am Freitagvormittag aus dem Zürcher Schlachthof an der Herdenstrasse geflüchtet und durch die Stadt geirrt. Da es nicht eingefangen werden konnte, wurde es nahe des Arboretum im Enge-Quartier von einem Wildhüter abgeschossen. Die Tierrechtsorganisationen Tier im Fokus und Vegan Aktiv Züri reagierten darauf am Samstag mit einer Demonstration vor dem Zürcher Schlachthof, an der 50 Personen teilnahmen. «Die Flucht des Stiers zeigt, dass kein Tier sterben möchte», liess sich Tobias Sennhauser, Präsident von Tier im Fokus, in einer Mitteilung vom Samstag zitieren.

Die Demonstranten nutzen den Abschuss des Tieres dazu, ihre Kernbotschaft zu platzieren. Gemäss Sennhauser werden in der Schweiz pro Sekunde zwei Tiere getötet. Daher fordern die Aktivisten: "Schlachthäuser gehören abgeschafft" oder "Tiere haben Rechte – genau wie wir". Sennhauser, der das Vorgehen vom Freitag als "moralisch fragwürdig" einschätzt, spricht sich für eine vegane Erbährung aus. Denn dies würde Genuss ohne Tierleid ermöglichen.

Mario Cortesi, Medienchef der Stadtpolizei Zürich, stellt sich hingegen auf den Standpunkt, der Abschuss des Kalbes habe nicht verhindert werden können. "In solch einem Fall muss man schnell entscheiden", sagt er zur Gratiszeitung "20 Minuten". Es gebe zwar Möglichkeiten einer Betäubung, dafür hätten jedoch die Rahmenbedingungen nicht gestimmt.