Es sollte eigentlich keine grosse Sache sein: Ein Heissluftballon, bedruckt mit Tibets Flagge, fliegt durch das Land, landet an einigen Orten und macht die Leute auf das Schicksal des von China unterdrückten Volkes aufmerksam. Doch in der Schweiz scheint solches schwierig, weil es dafür ein Dutzend Bewilligungen braucht. Oder hat es doch politische Gründe, dass der Ballon in Winterthur nicht willkommen ist?

«Wir wissen es nicht», sagt der Präsident der Gesellschaft schweizerisch-tibetische Freundschaft, Thomas Büchli. Tatsache ist: Während man die Zusagen des Bundesamts für Zivilluftfahrt und diverser Flugsicherheitsbehörden ebenso wie Genehmigungen anderer Städte für Landungen auf öffentlichem Grund erwirken konnte, blitzten die Tibet-Freunde in Winterthur ab.

Am 17. September soll der Ballon in Riehen bei Basel starten, dann wird in Bern, Solothurn, Aarau und beim Tibet-Institut in Rikon gelandet, später in Wil und Ebnat-Kappel; in Aarau wird gar die Stadtpräsidentin ein Grusswort verlesen. Am 22. September war ein Stopp in Winterthur geplant, jedoch: Bewilligung verweigert.

Gesuch um Landung abgelehnt

Die Tour des Ballons Tashi (zu Deutsch «Glück») sei eine unverfängliche, hoffnungsfrohe Kampagne, meint Büchli. Interessierte können einen Fesselflug unternehmen, also mit dem befestigten Heissluftballon aufsteigen, es sollen tibetische Teigtaschen verkauft, Tänze aufgeführt und Gasballone mit der Landesflagge steigen gelassen werden. «Dass wir bei solchen friedlichen und positiven Aktionen nicht unterstützt oder gar behindert werden», kommentiert der Präsident der Tibet-Gesellschaft, «ist für uns stets gewaltlose Tibetaktivisten sehr schwer verständlich».

Die Stadt hat Gesuche um Landung des Ballons auf der Zeughauswiese und dem Teuchelweiherplatz abgelehnt, bestätigt Stadtpolizei-Sprecherin Rahel Egli. Der Grund sei ein formaler: Die Ballonlandung sei nicht bestimmungskonform. Im Fall der Zeughauswiese sei bestimmt worden, diese nur für 1.-August- und Fasnachtsveranstaltungen freizugeben, und beim Teuchelweiherplatz habe man Sicherheitsbedenken bezüglich Fesselflügen. Weitere Gesuche, so die Sprecherin, seien weder bei der Polizei noch beim Sportamt eingegangen. «Winterthur macht uns leider keine Alternativvorschläge», sagt Büchli. Andernorts ist das anders. In Bern etwa wollte man den Bundesplatz nicht zur Verfügung stellen, verwies aber stattdessen auf die Allmend.

Der Platz müsse recht zentral gelegen und gut erreichbar sein, sagt der Präsident der Tibet-Gesellschaft, damit die Aktion bei einer breiten Öffentlichkeit Beachtung findet.

Weitere Landerlaubnisse fehlen

Völlig abwegig scheint das Argument politischer Motive nicht. Winterthur weigerte sich lange, am Jahrestag des niedergeschlagenen Aufstands von 1959 die Tibet-Flagge zu hissen, wie dies europaweit tausende Städte tun. «Wir wollen nicht in einen innerstaatlichen Konflikt eingreifen», sagte Stadtpräsident Ernst Wohlwend (SP) damals.

Nach Protestmeldungen, unter anderem von GLP-Politiker und Tibet-Gesellschafts-Mitglied Luca Rosario Roth, überdachte der Stadtrat die Praxis und liess 2011 die Flagge am Stadthaus befestigen. In den Folgejahren raufte man sich nicht mehr zu dieser Geste auf, trotz Erinnerungsschreiben der Tibet-Gesellschaft. Bei der anstehenden Ballonaktion sei durchaus mit Reaktionen der chinesischen Botschaft in Bern und des Konsulats in Zürich zu rechnen, meint Büchli, etwa mit schriftlichen oder telefonischen Anfragen an die Polizeibehörden.

Ganz allein steht Winterthur derweil nicht da. In der Stadt Zürich, die den tibetischen Organisationen in der Regel wohlgesinnt ist, konnte man ebenfalls noch keine Landeerlaubnis erwirken, und auch Luzern sagte «aus technischen Gründen» ab. Büchli fragt: «Sollen die chinesischen Touristen auf der Kappellbrücke nicht gestört werden?»