Zürich

The Circle: Debatte um Sonntagsöffnung bahnt sich an

Shopping am Sonntag im Circle am Flughafen Zürich? Ob das möglich sein wird, ist derzeit noch umstritten.

Shopping am Sonntag im Circle am Flughafen Zürich? Ob das möglich sein wird, ist derzeit noch umstritten.

Der Flughafen geht davon aus, dass die Läden im The Circle auch sonntags öffnen werden dürfen. Die Gewerkschaft Unia zweifelt das an.

Am 1. September wird der milliardenteure Dienstleistungskomplex The Circle am Zürcher Flughafen offiziell eröffnet. Im Gebäude findet die Kundschaft Hotels, Restaurants und Cafés. Am Circle sind zudem verschiedene Firmen und auch das Unispital Zürich einge­mietet. Vor allem finden sich im Circle aber auch rund zehn ­Läden. Die Uhrenmarke Omega, der Chocolatier Läderach, Detailhändler Globus und das Caviar House sind nur einige ­davon.

Just um diese Läden zeichnet sich bereits seit einiger Zeit eine Debatte ab, wie der ­«Tages-Anzeiger» im vergangenen April feststellte. Und nun, sechs Monate vor der Eröffnungszeremonie, stellt sich noch immer die Frage, inwiefern auch diese Ladenflächen – sie werden vom Flughafen zumeist als «Brand Houses» bezeichnet – am Sonntag geöffnet haben dürfen. Zwei unterschiedliche Ansichten gibt es dazu.

«Nahtlos eingefügt in den Flughafenkomplex»

«The Circle ist unterirdisch wie oberirdisch nahtlos in den bestehenden Flughafenkomplex eingefügt, weshalb wir davon ausgehen, dass alle Brand Houses auch am Sonntag ge­öffnet sein werden», sagt Flughafen-Mediensprecherin Raffaela Stelzer. Der Flughafen hat seit geraumer Zeit eine Genehmigung für Sonntagsverkäufe, ähnlich wie grosse Bahnhöfe. Die Genehmigung erlaubte ursprünglich die Öffnung von ­Läden an Knotenpunkten des öffentlichen Verkehrs, um den Bedarf von Reisenden zu ­decken. 2006 wurde das Gesetz gelockert und ermöglichte an solchen Orten auch anderen ­Geschäften, am Ruhetag Kunden zu bedienen.

«Die Frage ist aber, ob der ­Circle noch im eigen­tlichen Sinne zum Flughafen ­gehört», sagt hingegen Lorenz Keller von der ­Gewerkschaft Unia. «Ein Passagier kommt eigentlich nicht am Circle ­vorbei.»

Zwei jüngere Fälle sprechen dagegen

Für Keller ist deshalb klar: Die räumliche Nähe zu den Check-ins und den Terminals reiche nicht, um auch alle Läden im vom restlichen Flughafen durch den Busbahnhof ab­getrennten Circle in das Sonderrecht einzuschliessen. «Würde man die räumliche Nähe als ­Kriterium hinzuziehen, dann könnte dieses Prinzip auch der Globus an der Bahnhof­strasse in Zürich geltend ­machen. Und dann die ganze Bahnhofstrasse.»

Zwei Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit stützen Kellers Interpretation. Vor knapp zwei Wochen entschied das Verwaltungsgericht, dass der Avec-Shop am Hardplatz im Zürich am Sonntag nicht ­geöffnet sein darf. Die Nähe zum Bahnhof Hardbrücke stach nicht. Ebenfalls am ­Sonntag nicht mehr geöffnet sein darf der Migros Daily an der Zollstrasse. Der Laden befindet sich direkt neben dem Zürcher Hauptbahnhof.

In Stein gemeisselt ist noch nichts. «Eine abschliessende Klärung wird wohl erst zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen», sagt der Flughafen. Nach aktuellem Stand dürften die Läden vorerst nach der Eröffnung des Circles auch am Sonntag geöffnet sein.

Bewilligung ist Sache des Bundes

«Unser Stand ist, dass der Circle Teil des Flughafenregimes ist», erklärt Marc Osterwalder, Leiter des Bereichs Lebensraum und Sicherheit bei der Stadt Kloten. Es sei aktuell auch kein Verfahren in dieser Sache hängig. Auch Keller von der Unia bestätigt, dass die Gewerkschaft derzeit noch keinen Rekurs eingereicht hat.

Wirklich Bescheid weiss also momentan niemand. Auch das kantonale Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) nicht. Zum heutigen Zeitpunkt könne man die Fragen zu diesem Thema nicht beantworten, teilt die ­Medienverantwortliche Irene Tschopp mit. Dem Amt für Wirtschaft und Arbeit sei aber bekannt, dass der Flughafen plane, die Geschäfte am Sonntag offen zu halten. Das kantonale Arbeitsinspektorat sei aber ­lediglich für den Vollzug des Arbeitsgesetzes zuständig, erteile aber keine Bewilligungen für Sonntagsarbeit.

Damit ist klar: Die Sonntagsverkäufe sind Sache des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco). Bis zu einem gewissen Grad wird es die Sache mit dem Kanton Zürich verhandeln – der grösste Aktionär der Flughafen Zürich AG mit über 33 Prozent Beteiligung ist der Kanton selbst.

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