Art and the City
Temporäre Kunstwerke und Neubauten verändern das Stadtbild Zürichs

Art and the City ist mit 43 Kunstwerken und Projekten die grösste Freiluftgalerie der Schweiz. Die Stadt, verschiedene Institutionen und renommierte Galerien spannten zusammen.

Alfred Borter
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Art and the City: Temporäre Kunstwerke und Neubauten verändern das Stadtbild Zürichs
15 Bilder
Paul McCarthy Apple tree boy apple tree girl
Kamera von Taiyo Onorata und Nico Weiss
Das Plakat zur Ausstellung
Christian Jankowski mit Die grosse Geste
Sandra Kranichs goldfarbene Büchsen, mit Feuerwerk bestückt
Taiyo Onorata und Nico Krebs mit einer Kamera, aufgehängt an der Unterseite der Hardbrücke
Charlotte Posenenske Vierkantrohre Serie D
Not Vital, The no problem sculpture
Tankstelle von Michael Meier und Christoph Franz
Arcangelo Sassolinos Elisa flach am Boden
Yona Friedman mit der Wandzeichnung Metropole Europe
Ai Weiwei mit Sofa in white
Marjetica Potrc, Eva Pfannes und Sylvain Hartenberg mit The public space society
Arcangelo Sassolinos Elisa in Aktion

Art and the City: Temporäre Kunstwerke und Neubauten verändern das Stadtbild Zürichs

Alfred Borter

Gestern war nicht der beste Tag zum Aufsuchen von Kunstwerken im öffentlichen Raum, es regnete oft. Trotzdem begab sich eine respektable Schar von Journalisten aus aller Welt auf Entdeckungsreise in Zürich-West.

Stadträtin Ruth Genner betonte: «Kunstwerke verändern das Stadtbild, bereichern es, schaffen überraschende Perspektiven und halten unsere Sinne wach.» Art and the City ist mit 43 Kunstwerken und Projekten die grösste Freiluftgalerie der Schweiz. Die Stadt, verschiedene Institutionen und renommierte Galerien spannten zusammen. Das Gesamtbudget belief sich auf 2,1 Millionen Franken, ein Drittel trug die Stadt dazu bei.

Kunst, wo man sie nicht erwartet

Die meisten Objekte finden sich im neuen Stadtteil Zürich-West, wie Christoph Doswald, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Kunst im öffentlichen Raum, vor kunstinteressierten Medienschaffenden aus verschiedenen Ländern ausführte. Er hat die Ausstellung kuratiert.

Die Kunstwerke sind über ein grosses Gebiet verteilt. Vom Renaissance Zürich Tower Hotel aus erblickte man Charlotte Poseneskes Vierkantrohre, die, ihrer Funktion als Lüftungsrohre beraubt, in der Gegend stehen. Ganz in der Nähe liegt der graue Klotz von Not Vital, den er No Problem Sculpture genannt hat und der keine Probleme bereitet, solange man ihn nicht besteigen will.

Durch ehemalige Schrebergärten geht man zu Paul McCarthys kindlichen Figuren, die auf die Exzesse der Konsumwelt aufmerksam machen wollen. Benützt man die Brücke über die Pfingstweidstrasse, gelangt man zu Arcangelo Sassolinos Elisa, einer Figur, die, gesteuert von einem Zufallsgenerator, Spuren in den Asphalt kratzt. Im Steinfelsareal steht Vanessa von Alex Hanimann; sie soll später beim Gymnasium Heerbrugg aufgestellt werden.

Hoffnungsloser Kampf

Auf dem Areal des Hardturmstadions verblüfft eine mannshohe bronzene Wasserzapfstelle, die tatsächlich funktioniert. Und ganz in der Nähe war ein Mann dabei, die farbigen Bahnen dreier Künstler zu entwirren, was sich aber bei dem starken Wind als hoffnungsloses Unterfangen erwies. Gleich daneben ragen Fahnenmasten in den Himmel, die Flaggen sind erstaunlicherweise in Schwarz-weiss gehalten, was den Künstler Wilfredo Prieto dazu veranlasst hat, das Werk Apolitico zu nennen.

Weiter westwärts gelangt man bald ins Niemandsland, Fussgänger gibt es kaum mehr. Da steht beispielsweise unverhofft ein Gebilde, das eine Überwachungskamera darstellt, und tatsächlich sollen sich bereits Leute darüber aufgeregt haben, wie Doswald sagte. Es handelt sich aber bloss um eine künstlerisch verfremdete Attrappe von Taiyo Onorata und Nico Krebs. Fast beim Vulkanplatz schliesslich findet sich nach einigem Suchen die Tankstelle von Michael Meier und Christoph Franz, die keine Tankstelle ist, sondern eben auch ein Kunstwerk.

Und auf dem Vulkanplatz schliesslich entdeckt man Sandra Kranichs Stapel mit goldfarbenen Büchsen, die während der Ausstellungsdauer mehrmals mit Feuerwerk gefüllt werden, das dann farbenfroh abbrennen soll.
Einzelne Kunstwerke finden sich in Zürichs Innenstadt, so die marmornen Sessel von Ai Weiwei, was die chinesischen Journalisten mit besonderem Interesse vermerkten, auch wenn der Künstler in China wegen seiner politischen Ansichten nicht nur geliebt wird. Bei Regenwetter laden die Sessel nicht zum Sitzen ein. Die Kunstwerke in der Innenstadt sollen dazu anregen, mit den in Zürich-West aufgestellten Werken auch das Quartier zu entdecken.