Kantonsrat
Tempo 80 auf der A1 je nach Verkehrslage

Forderung nach genereller Temporeduktion auf den Autobahnen um Zürich wurde ausgebremst. Ein entsprechendes Postulat der Grünen und der GLP wurde von allen anderen Parteien abgelehnt.

Matthias Scharrer
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Nach dem Ausbau der Zürcher Nordumfahrung auf sechs Spuren plant der Bund ein Verkehrsregime, zu dem auch Temporeduktionen gehören. Generell sei aber hohe Geschwindigkeit vorgesehen. zvg

Nach dem Ausbau der Zürcher Nordumfahrung auf sechs Spuren plant der Bund ein Verkehrsregime, zu dem auch Temporeduktionen gehören. Generell sei aber hohe Geschwindigkeit vorgesehen. zvg

zVg

Der Stau am Gubrist ist alltäglich. Abhilfe soll dereinst der geplante Ausbau der Zürcher Nordumfahrung mit einer dritten Gubrist-Tunnelröhre schaffen. Bis es soweit ist, dürften jedoch noch rund neun Jahre vergehen, wobei Zeitangaben mit Vorsicht zu geniessen sind. Schon mehrmals verzögerte sich das Grossprojekt.

Einen anderen Ansatz gegen den täglichen Stau schlugen zwei GLP-Kantonsräte vor: Andreas Hauri (Zürich) und der inzwischen zurückgetretene René Gutknecht (Urdorf) forderten mit einem 2014 eingereichten Postulat generell Tempo 80 auf der Zürcher Nord- und Westumfahrung. Konkret zielten sie auf entsprechende Temporeduktionen auf der A1 zwischen Dietikon und dem Brüttiseller Kreuz ab; ebenso auf der A3 und A4 ab Wollishofen und Wettswil sowie auf der A51 ab Kloten. Gestern stand das Postulat im Zürcher Kantonsrat zur Debatte.

«Der tägliche Stau verursacht immense volkswirtschaftliche Kosten und Ausweichverkehr in die Gemeinden», argumentierte Hauri. Hingegen sei es erwiesen, dass sich bei einer Geschwindigkeit von 80 bis 85 Stundenkilometern Staus vermeiden liessen. So würde auch die Verkehrssicherheit erhöht und die Umwelt weniger belastet. Für ein entsprechendes Tempolimit zumindest bis zum Ende der Ausbauarbeiten am Gubrist habe sich zudem die Zürcher Planungsgruppe Limmattal ausgesprochen.

Bundesamt für Verkehr: «Idealer Verkehrsfluss»

Auf der Zürcher Nordumfahrung plant das Bundesamt für Verkehr (Astra) für die Zeit nach dem Ausbau ab voraussichtlich 2025 ein Verkehrsregime, das «auf spezielle Betriebszustände zugeschnitten» ist, so Karin Unkrig vom Astra. «Temporeduktionen bilden hierbei eine Massnahme, wobei die Strecke generell für eine hohe Leistung mit hoher Geschwindigkeit vorgesehen ist.» Allgemein gelte die Ansicht, dass Tempo 80 einen idealen Verkehrsfluss begünstige – vorausgesetzt, der Pannenstreifen sei befahrbar. (mts)

Doch der Zürcher Regierungsrat will keine generelle Temporeduktion, für die ohnehin der Bund zuständig wäre. Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP) wies in der Debatte allerdings darauf hin, dass bei hohem Verkehrsaufkommen auf der Nordumfahrung eine Reduktion auf Tempo 80 ohnehin geplant sei.

Als Vorbild diene dabei der Bareggtunnel, wo ab einer gewissen Verkehrsdichte maximal Tempo 80 gilt. «Der Bund plant, beim Ausbau der Nordumfahrung ebenfalls eine solche Lösung zu realisieren», sagte Walker Späh. Und weiter: «Eine Temporeduktion bei hohem Verkehrsaufkommen kann zur Verflüssigung des Verkehrs beitragen.» Dies hätten die Erfahrungen beim Bareggtunnel gezeigt.

Eine generelle Temporeduktion auf 80 Stundenkilometer erachte der Regierungsrat allerdings nicht als sinnvoll: «Sie leistet keinen zusätzlichen Beitrag zur Lösung der Probleme», erklärte Walker Späh weiter. Dass auf der Autobahn generell Tempo 120 gelte, habe den Zweck, den Verkehr zu kanalisieren und vom Siedlungsgebiet fernzuhalten, betonte der Gesamtregierungsrat in seiner schriftlichen Stellungnahme zum GLP-Postulat.

GLP und Grüne blieben allein

Die Parlamentsmehrheit hat er auf seiner Seite: Ausser den Grünen und der GLP lehnten alle Parteien das somit erledigte GLP-Postulat ab. «Bei schwachem Verkehrsaufkommen kann Tempo 80 auf der Autobahn keine Lösung sein», meinte Felix Hoesch (SP, Zürich). Roman Schmid (SVP, Opfikon) warnte davor, Verkehrsteilnehmer zu «schikanieren», die bei wenig Verkehrsaufkommen unterwegs sind.

Der SVP-Sprecher räumte aber ein: «Eine temporäre Geschwindigkeitsreduktion wäre diskutierbar.» Auch Antoine Berger (FDP, Kilchberg) sprach sich für eine «dynamische Verkehrsregelung» aus, wie sie auf der Bareggstrecke und der Zürcher Westumfahrung bereits gelte. Ähnlich tönte es bei Josef Wiederkehr (CVP, Dietikon): «Es braucht ein flexibles Verkehrsmanagement.» Und Michael Welz (EDU, Oberembrach) hielt fest: «Autobahnen sind nicht dazu da, den Verkehr auszubremsen.»

Einzig die Grünen schlugen sich auf die Seite der GLP: «Situative Regelung klingt gut, ist aber schwieriger umzusetzen», meinte Daniel Heierli (Grüne, Zürich). Der Gubrist-Ausbau auf sechs Spuren werde den Stau nur verlagern. Regula Kaeser (Grüne, Kloten) doppelte nach: «Es ist nicht angebracht, immer mehr Autobahnen zu bauen. Man kann das Problem billiger lösen.» Einen neuen Vorschlag machte GLP-Postulant Hauri, nachdem auch FDP und SVP sich für flexible Lösungen ausgesprochen hatten: «Tagsüber Tempo 80 wäre ein Ansatz.»