Stadt Zürich

Tempo 30 statt 50: Auf diesen Strassen werden Autofahrer gebremst

Ab dem 24. Juli gilt auf 17 weiteren Strecken neu Tempo 30 statt 50. Bei 101 Strassenabschnitten, wo das Tempo ebenfalls reduziert werden sollte, sind Einsprachen hängig. (Symbolbild)

Ab dem 24. Juli gilt auf 17 weiteren Strecken neu Tempo 30 statt 50. Bei 101 Strassenabschnitten, wo das Tempo ebenfalls reduziert werden sollte, sind Einsprachen hängig. (Symbolbild)

Zürich führt auf 17 Strassen Tempo 30 ein und erntet dafür Kritik. Die einen finden die Massnahmen überstürzt, die anderen sagen, die Stadt setze die Prioritäten falsch.

Ab nächstem Montag rollt der Verkehr in der Stadt Zürich etwas langsamer, zumindest in einigen Quartieren. Das hat aber nichts damit zu tun, dass die Autofahrer mit Beginn der Sommerferien in Lethargie verfallen sind. Es liegt vielmehr daran, dass die Stadt aufs Gaspedal tritt bei der Umsetzung von Tempo 30 auf 17 kommunalen Strassen (siehe Kasten). Sie reduziert dort die Höchstgeschwindigkeit von 50 auf 30 km/h. Dies soll zu einer geringeren Lärmbelastung für die Anwohner führen.

Die Stadt wird schon aktiv, obwohl in diesen Fällen Einsprachen beim Bundesgericht hängig sind. Das Gericht hat diesen allerdings keine aufschiebende Wirkung gewährt. Das heisst: Die Stadt kann die Strassen bereits jetzt neu signalisieren, müsste dies aber rückgängig machen, falls das Bundesgericht die Einsprachen gutheisst.

Grosser Leidensdruck

Dass man nicht das endgültige Urteil abwartet, erklärt Martin Guggi, stellvertretender Direktor der Dienstabteilung Verkehr, mit dem Leidensdruck der Bevölkerung. «Die Anwohner profitieren von jedem Tag, an dem wir den Lärm früher verringern können.»
Ausserdem werde die Höchstgeschwindigkeit nur dort reduziert, wo man die Massnahme einfach rückgängig machen könnte, falls das Bundesgericht gegen die Stadt entscheiden sollte. Auf über 100 Strassenabschnitten, zu denen ebenfalls noch Einsprachen hängig sind, geschieht hingegen vorderhand nichts.

Die Stadt Zürich sieht Temporeduktionen deshalb vor, weil sie die Lärmschutzverordnung des Bundes erfüllen muss. Gemäss dieser sind sämtliche Schweizer Gemeinden dazu angehalten, die Bevölkerung bis März 2018 vor übermässigem Verkehrslärm zu schützen. Bis dann beteiligt sich der Bund auch finanziell an den Massnahmen. In Zürich leiden rund 130 000 Menschen unter Verkehrslärm. Die Einführung von Tempo 30 ist dabei eine von mehreren Massnahmen, die Abhilfe schaffen soll.

Allerdings wehren sich die Zürcher Sektionen des Touring-Clubs (TCS) und Automobilclubs (ACS) gegen das Vorhaben. Sie reagierten gestern blitzschnell auf die Ankündigung der Stadt, auf 17 Abschnitten Tempo 30 einzuführen. In einer Mitteilung bezeichneten die beiden Verbände das Vorgehen als «befremdlich», da die Rechtsverfahren noch immer hängig seien. Sie seien zwar für Tempo 30 in «ausgewiesenen Wohnquartieren», doch seien hier grösstenteils das Geschäftsviertel der Innenstadt sowie das Industriegebiet Binz betroffen.

Auch der VCS übt Kritik

Der Verkehrs-Club Schweiz (VCS) wiederum erwartet mehr von der Stadt. «Die Stadt Zürich macht keine wirkliche Lärmsanierung», sagt Markus Knauss, Co-Geschäftsführer der Zürcher Sektion des VCS. Sie treffe dort Massnahmen, wo verhältnismässig wenige Leute wohnen würden. Dort, wo viele Menschen betroffen seien – beispielsweise an der Mutschellen-, Rieter- und Waffenplatzstrasse in Wollishofen – bleibe die Stadt hingegen untätig.

TCS und ACS kritisieren zudem die «Verlangsamung des Verkehrs», die auch Tram und Bus tangiere. Betroffen ist etwa das Tram auf dem Bleicherweg zwischen Paradeplatz und Stockerstrasse. Martin Guggi von der Stadt Zürich räumt ein, dass durch Tempo 30 auch der öffentliche Verkehr langsamer werden könnte. Das könne dazu führen, dass es zusätzliche Kurse brauche, um dies zu kompensieren. «Deshalb wägen die Verantwortlichen der Stadt Zürich gut ab, wo die Massnahme verhältnismässig ist und wo nicht.». In den Entscheid einbezogen würden stets auch die Verkehrsbetriebe der Stadt Zürich.

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