«Zürich ist gebaut», hiess in den 1980er Jahren das Leitmotiv der damaligen Vorsteherin des Hochbaudepartementes, SP-Stadträtin Ursula Koch. Der Ausspruch löste damals in bürgerlichen Kreise eine Welle der Entrüstung aus und erwies sich rückblickend als Irrtum. Seit der BZO-Revision im Jahre 1999 wurde in Zürich - vor allem im Norden und Westen der Stadt - gebaut wie noch nie.

Die Maxime heute heisst «qualitative Verdichtung nach innen», wie der SP-Stadtrat André Odermatt, Vorsteher des Hochbaudepartementes, am Mittwoch vor den Medien ausführte. Mit einer Teilrevision der BZO und des regionalen Richtplanes will der Stadtrat dafür sorgen, dass der anhaltende Boom in geordneten Bahnen verläuft.

Siedlungsgebiet kann nicht vergrössert werden

Laut Odermatt gilt es, mit dem knappen Boden haushälterisch umzugehen. Das sei ein «raumplanerisches Gebot». Eine Ausdehnung der Siedlungsfläche sei schon aufgrund des im kantonalen Richtplan ausgeschiedenen Siedlungsgebietes kaum mehr möglich. Die bestehende BZO bietet theoretisch noch Platz für zusätzlich rund 115'000 Einwohner und 160'000 Arbeitsplätze.

Mit den vorhandenen Reserven der geltenden BZO ist in den nächsten 15 Jahren ein ähnliches Bevölkerungswachstum möglich wie in den vergangenen 15 Jahren. Mit der BZO-Revision werden deshalb keine massgeblichen Um- oder Auszonungen vorgenommen.

Grundsätzlich habe man mit der BZO gute Erfahrungen gemacht, stellte Odermatt fest. Sie müsse jedoch in einzelnen Teilen verbessert werden. Nur so liessen sich die Herausforderungen einer wachsenden Stadt meistern.

Neben einer differenzierten und qualitativ guten Verdichtung der Wohnquartiere sollen Flächen für Industrie und Gewerbe sowie für öffentliche Aufgaben gesichert, wertvolle Ortsbilder und Quartierstrukturen erhalten, Frei- und Grünräume vielfältig genutzt und die publikumsorientierte Erdgeschossnutzung gefördert werden.

Mit Anreiz gemeinnützige Wohnungen fördern

Umgesetzt werden soll mit der BZO-Revision auch der Auftrag der Stimmberechtigten. Diese haben im November 2011 entschieden, dass der Anteil an gemeinnützigen Wohnungen auf ein Drittel des Mietwohnungsbestandes erhöht werden soll.

Im Rahmen von Sondernutzungsplanungen will der Stadtrat mit den Grundeigentümern einen «angemessenen Mindestanteil» an Wohnungen mit Kostenmiete sichern. Als Gegenleistung dürfen die Grundeigentümer ihr Areal stärker ausnutzen als in der BZO festgelegt.

Eingeführt werden sollen zudem Vorschriften für die Nutzung von Erdgeschossen. An zentralen Passantenlagen sollen diese nicht mehr dem Wohnen, sondern publikumsorientierten und gewerblichen Nutzungen dienen. Dazu gehören etwa Geschäfte, Gastrobetriebe oder Gewerbe mit Laufkundschaft.

Gute Noten vom Kanton

Parallel zur BZO hat der Stadtrat auch den regionalen Richtplan revidiert. Damit sei eine präzisere Abstimmung der beiden Planungsinstrumente möglich, hiess es an der Medienkonferenz. Während die BZO genau festlegt, wo was gebaut werden darf, sind im behördenverbindlichen Richtplan Gebiete festgelegt, in denen zusätzliche Verdichtungspotenziale geschaffen werden können.

Der Kanton hat bei der Vorprüfung des Richtplanes der Stadt insgesamt ein gutes Zeugnis ausgestellt. Der Stadt sei es gelungen, einen regionalen Richtplan der neuen Generation zu entwerfen. Die massgeblichen räumlichen Fragestellungen seien aufgegriffen worden und die Gesamtstrategien entsprächen den kantonalen Vorgaben.

Beide Planungsinstrumente werden nun bis Weihnachten öffentlich aufgelegt. Während der Auflagefrist können sich alle interessierten Personen zu den Änderungen äussern. Eine Ausstellung im Amtshaus IV geht zudem auf Fragen ein, wie: «Hat überhaupt alles Platz», «Betrifft mich das» oder «Kann Zürich Zürich bleiben?»