Biebermania
Teenager sind aus dem Häusschen – Übernachtung vor dem Hallenstadion

Auf seiner Purpose World Tour ist der kanadische Popstar Justin Bieber im Hallenstadion Zürich angekommen. Und schon vor dem Konzert gab es für die Fans kein Halten mehr.

Stefan Busz
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Gestern Abend trat Justin Bieber in Zürich auf. Seine eingefleischtesten Fans schlugen ihre Zelte bereits am Mittwochabend vor dem Hallenstadion auf. Ennio Leanza/key

Gestern Abend trat Justin Bieber in Zürich auf. Seine eingefleischtesten Fans schlugen ihre Zelte bereits am Mittwochabend vor dem Hallenstadion auf. Ennio Leanza/key

KEYSTONE

Kurz vor sechs Uhr am Abend beginnt eine junge Frau zu weinen, und sie weint, wie sie vielleicht noch nie geweint hat. «Türöffnung: 18:00 Uhr» steht auf ihrem Ticket – auf diesen Moment hat sie, die ganz zuvorderst in der Reihe steht, lange gewartet. Unter ihrem Pullover trägt die junge Frau Justin Bieber auf dem T-Shirt, bald wird sie ihm noch näher sein. Ihr Weinen geht jetzt in ein Zittern über, es ist eine Bewegung, die alle vor dem Hallenstadion erfasst: «Justin Bieber! Justin Bieber! Justin Bieber!», skandiert die Menge. Und manche kreischen schon.

Das Warten hatte schon vor langer Zeit begonnen. Die ersten Bieber-Fans waren schon am Mittwochabend gekommen (da war noch das Placebo-Konzert). Jetzt ist Donnerstag, halb fünf am Nachmittag, und beim Eingang zum Hallenstadion sieht es wie in einem improvisierten Camp aus. Am Boden: Wärmefolie und Alufolie, in Gruppen sitzen die Fans herum. Die Stimmung ist locker, man redet und singt, und wer vorbeigeht, stimmt in die Lieder ein: Alle sind auf Justin Bieber eingestellt.

Bieber im Herzen

Schon lange war das Konzert ausverkauft. Auf dem Onlineportal ricardo.ch waren zwei «exclusive Sitzplatztickets» à 800 Franken zu haben, «neu und originalverpackt», wie es hiess. Sonst gab es fast keine Karten mehr. Nach einem Stehplatz zu 278 Franken kamen nur noch: das Justin-Bieber-Buch, das Justin-Bieber-3-D-Poster, das Halsketteli, silberfarben, Justin
Bieber, das Justin-Bieber-Parfüm («neu, nur einmal gesprüht»). Weiter unten im Katalog kämen sicher noch die Alben, die Justin Bieber so berühmt gemacht haben: «My World 2.0», «Under the Mistletoe», «Believe», «Purpose», die Singles daraus wurden mehr als 200 Millionen Mal auf Spotify gestreamt. Jetzt geht es aber vor dem Hallenstadion ums Lebendige. Bieber kommt live.

Wer noch eine Karte sucht, muss lange Wege gehen. Denn der Mann, der noch eine verkaufte, ist schon längst wieder weg. T-Shirts mit Justin Bieber drauf gäbe es auch vor dem Hallenstadion zu kaufen. Die meisten aber, die für ihn da sind, tragen ihn schon längst im Herzen. Und manche malen sich noch schnell das Herz auf das Gesicht.

Beim Eingang zum Hallenstadion sieht es wie in einem improvisierten Camp aus. Am Boden: Wärmefolie und Alufolie, in Gruppen sitzen die Fans herum.

Mittlerweile beginnt die Warteschlange für das Konzert schon beim Parkhaus Grill auf dem Marie Curie-Platz in Oerlikon, von dort aus ist der ganze Oscar-Bonomo-Weg Justin-Bieber-Gebiet. Es wird dominiert von jungen Frauen, die ihre Schönheit nach aussen tragen. Ein paar junge Männer sind aber auch dabei, sie sehen in der Menge ein bisschen verloren aus.

Ausgebreitet am Boden sind kleine Plakate mit Botschaften, «xxx loves you» steht da. Oder auch «I trust you». Nicht immer hat sich Justin Bieber, so hat man lesen können, auf seiner Tournee zu seinen Fans lieb verhalten: In Hamburg gab er sich gleichgültig, in London warf er das Mikrofon zu Boden, in Manchester hielt er das Gekreische nicht aus. Das sind für einen Superstar, wie Justin Bieber einer ist, keine Manieren. Und die Botschaft will sagen: Bleib, wie du warst (was aber für einen 22-Jährigen ein bisschen schwierig ist).

Das Ende des Wartens

Beliebers nennt man Justin-Bieber-Fans, die mehr als nur Fans sind und solche Sachen ihrem Hero auch sagen wollen. In Zürich sind sie aber nicht Masse, sondern alle haben ein Gesicht. Und der Bieber-Wahn, der ihnen nachgesagt wird, hält sie nicht ab, auch auf die anderen zu schauen, dass alle gut über den Fussgängerstreifen kommen, der Teil der Warteschlange ist. Justin Bieber ist vielleicht nicht immer lieb. Seine Fans sind es.

Kurz nach sechs Uhr gehen dann im Hallenstadion die Türen auf. Kurze Leibesvisitation, Billettkontrolle. Und die junge Frau, die so lange gewartet hat, stürmt los.

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