Winterthur
Technorama Winterthur: die Ideen sprudeln, das Geld tröpfelt

Während andere Museen in Winterthur um die Zukunft bangen, will das Technorama im grossen Stil investieren. Das Projekt für den Ausbau des Parks steht, doch die Finanzierung wird wohl zum Hürdenlauf.

Jakob Bächtold
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Technorama-Chef ThorstenKünnemann stellt das Garten-Modell mit der neuen Brücke vor.

Technorama-Chef ThorstenKünnemann stellt das Garten-Modell mit der neuen Brücke vor.

MARC DAHINDEN

Im Kleinformat ist der Garten des Technoramas bereits neu gebaut. Im ersten Stock des Science Center in Oberwinterthur steht ein Modell in einer Glasvitrine. Technorama-Direktor Thorsten Künnemann kennt daran jedes Detail: die grosse «Wunderbrücke», 130 Meter lang und bis zu 17 Meter hoch, die Parkwege, den Teich, den Bach, die Hängebrücke, die anderen geplanten Exponate. Er könnte stundenlang ­erklären und erzählen.

Die «Wunderbrücke», das grosse «W» aus Stahl und Holz, für das kürzlich das Baugesuch eingereicht worden ist, hat die anderen Teile des Projekts bisher etwas in den Schatten gestellt. Dabei macht die auf 4,4 Millionen Franken budgetierte Hochplattform nicht einmal ein Drittel der gesamten 15,5 Millionen aus, die das Technorama investieren will. Deutlich teurer wird die Umgestaltung des Parks, für die 8,4 Millionen vorgesehen sind. So sind es denn auch nicht die Brückeningenieure, sondern die Landschaftsarchitekten von Rotzler Krebs und Partner, die beim Projekt die Federführung haben. Die weiteren Ausstellungsstücke sollen 2,7 Millionen kosten.

Tonnenweise Wasser

Ein teurer Teil des Umbaus wird am Ende gar nicht zu sehen sein: die Leitungen und Wasseranlagen im Untergrund. Einerseits müssen verschiedene Exponate mit Wasser versorgt werden – teils tonnenweise. Andererseits wird die Infrastruktur des Parks rundum erneuert, auch damit in Zukunft Anlässe im Park durchgeführt werden können. Im hinteren Teil des über 15 000 Quadratmeter grossen Gartens ist ein Pavillon vorgesehen für wissenschaftliche Vorträge und gesellschaftliche Events.

Wenn Künnemann die einzelnen geplanten Wasserexponate vorstellt, ist seine Begeisterung ansteckend. Eine stehende Wolke ist geplant, wie man sie von der Expo.02 in Nyon kennt. Weil die Winterthurer Version aber nicht draussen auf dem See steht, sondern windgeschützt ist, wird der begehbare Nebel viel dichter sein.

Ebenfalls projektiert sind folgende wässrigen Anlagen: ein riesiger Wasserwirbel des Künstlers Ned Kahn mit über fünf Metern Durchmesser. Und ein Tropfenbrunnen, der Wellen wirft. Und ein sechs Meter hoher Wasserdruckzylinder, der je nach Stärke des Wasserdrucks unterschiedliche Strahlen um sich spritzt. Und eine 13 Meter lange Hängebrücke, bei der die Spannung verstellt werden kann und die darum in unterschiedlicher Frequenz schaukelt. Und ein Tsunamibecken, in das von der Wunderbrücke her­ab fünf Tonnen Wasser auf einen Platsch in die Tiefe donnern.

Um dies alles mit ausreichend Wasser versorgen zu können, sind zwei Wasserkreisläufe geplant. Einer mit Wasser des Riedbachs, der renaturiert wird, sich durch den Park schlängelt und auch einen Teich bewässert. Ein zweiter mit Frischwasser, das mit grossen Pumpen zu den Exponaten befördert und stets wiederaufbereitet wird.

Wer soll das bezahlen?

Der ungebrochene Optimismus, mit dem Künnemann die neuen Technorama-Pläne vorstellt, erstaunt angesichts der sonst in Winterthur derzeit üblichen Sparphilosophie. Sicher: Das Technorama steht mit über einer Viertelmillion Besuchern pro Jahr und einer hohen Eigenfinanzierung gut da. Doch wie soll der neue Wasserwundergarten finanziert werden? Das werde eine Herausforderung, sagt Künnemann. Er gibt sich aber auch hier optimistisch, verschiedene Anfragen seien bereits platziert. Details könne er aber noch keine nennen.

Vergleicht man das jetzige Parkprojekt mit dem 2012 fertiggestellten, 9,1 Millionen Franken teuren Anbau der neuen Jugendlabors, so ist diesmal über die Hälfte mehr Geld nötig. Damals bezahlte der Kanton aus dem Lotteriefonds 4,5 Millionen Franken, die Stadt steuerte 1,5 Millionen bei, 2,7 Millionen kamen aus der Privatwirtschaft.

Lotteriefonds zurückhaltend

Wie Roger Keller, Sprecher der kantonalen Finanzdirektion, bestätigt, ist beim Lotteriefonds bereits ein Gesuch des Technoramas eingegangen, das bereits ein erstes Mal geprüft worden sei. Zu den genauen Beträgen sagt auch Keller nichts, er dämpft jedoch die Erwartungen: «Der beantragte Beitrag übersteigt die Möglichkeiten des Lotteriefonds deutlich.» Die Finanzsituation des Fonds habe sich deutlich verändert, nachdem der Kantonsrat beschlossen hat, verschiedene Sport-, Kultur- und Bildungsausgaben neu aus dieser Quelle zu finanzieren. Im Lotteriefonds lagen per Ende 2014 zwar noch rund 300 Millionen Franken, ein Drittel des Geldes ist aber bereits zugesagt und bloss noch nicht ausbezahlt.

Winterthur muss mitbezahlen

Kommt hinzu, dass der Lotteriefonds jeweils nur zahlt, wenn sich auch die Standortgemeinde beteiligt. Keller sagt dazu diplomatisch: «Auch das Verhältnis zwischen dem bei uns beantragten Beitrag und der in Aussicht gestellten Leistung der Stadt erscheint unausgewogen.»

Angesichts der düsteren Finanzlage Winterthurs verwundert es nicht, dass die Stadt zurückhaltend ist. Informationschef Michael Scholz sagt bloss, eine «Mitfinanzierung» durch die Stadt sei ein Thema. «Es ist aber noch nicht so weit, um etwas zu verkünden.»

Was Scholz auch noch sagt: «Der Stadtrat ist grundsätzlich begeistert vom Projekt des Technoramas.» Die Begeisterung ist ansteckend. Wie viel sie in Franken und Rappen wert ist, wird sich zeigen.