Winterthur

Tanzdemo: Verletzte Frau musste eine Busse bezahlen

Sowohl die Teilnahme an der Tanzdemo wie auch an der friedlichen Zweitdemo im Graben war strafbar und hatte Bussen zur Folge.

Sowohl die Teilnahme an der Tanzdemo wie auch an der friedlichen Zweitdemo im Graben war strafbar und hatte Bussen zur Folge.

Im Rahmen der Ermittlungen zur Tanzdemo im September steigt die Zahl der Verfahren. Auch Teilnehmer einer unbewilligten, aber friedlichen Folgedemo wurden gebüsst.

Die 20-jährige Winterthurerin, welche an der Demonstration vor neun Monaten am Auge verletzt worden ist, hat vom Stadtrichteramt eine Busse erhalten. Sie musste 750 Franken wegen Teilnahme an einer unbewilligten Demo bezahlen. Die Anzeige, welche die Frau ihrerseits gegen unbekannt erstattet hat, wird noch von der Stadtpolizei Zürich bearbeitet. Die Frau spricht von einem Sehverlust von 70 bis 80 Prozent und klagt über Beeinträchtigungen im Alltag, Konzentrationsprobleme und Kopfschmerzen.

Noch in Bearbeitung sind auch die Verfahren gegen weitere Demoteilnehmer wegen schwerer Delikte. Nach wie vor beeinträchtigt und in ärztlicher Behandlung ist der Kantonspolizist, der durch eine Petarde am Gehör verletzt worden ist.

Die Staatsanwaltschaft Winterthur, welche die meisten Verfahren zur Tanzdemo bündelt, will derzeit noch kein Fazit ziehen. Informiert werde erst, wenn alle Verfahren abgeschlossen seien.

Ein Stellvertreterprozess und neue Verfahren

Durch Einsprachen der Angeklagten könnte der Abschluss der Verfahren verzögert werden. So planen Personen aus dem Umfeld der Tanzdemo einen «Stellvertreterprozess». Eine angeschuldigte Person soll ihren Fall exemplarisch ans Bezirksgericht Winterthur weiterziehen. Der Prozess soll als «Bühne» für politische Inhalte genutzt werden.

Zu den Tanzdemo-Verfahren kommen nun auch noch neue Verfahren hinzu, welche eine unbewilligte Folgedemo betreffen. Knapp einen Monat nach den Ereignissen bei den Archhöfen versammelten sich am 19. Oktober letzten Jahres gegen 200 Personen im Graben und marschierten durch die Marktgasse. Die Versammlung verlief friedlich und ohne sichtbare Polizeipräsenz. Dennoch wurden im März dar­auf Dutzende Personen für die Teilnahme mit über 600 Franken gebüsst, wie nun bekannt wurde. Für einige ist es nach der Tanz­demo bereits die zweite Busse innert kurzer Zeit. Einsprachen sind angekündigt, da die zweite Demo zwar ebenfalls unbewilligt war, von der Polizei jedoch geduldet wurde. Dies schütze nicht vor Bussen, sagt Staatsrechtsprofessor Markus Schefer, äussert aber ebenfalls Vorbehalte, insbesondere zur Strafhöhe.

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