Carmen Walker Späh macht Platz für Balz Hösly. Die Zürcher FDP-Regierungsrätin übergibt ihren Sitz im Verwaltungsrat der Messe Schweiz (MCH Group) dem früheren FDP-Kantonsratsfraktionschef, der auch Verwaltungsratspräsident der AG Hallenstadion ist.

Interessant ist die Begründung, warum künftig der umtriebige Anwalt Hösly anstelle der Zürcher FDP-Regierungsrätin die Geschicke der Messe Schweiz strategisch mitbestimmen soll: «Voraussichtlich ab 2022 werden die ZSC Lions ins neue Eishockeystadion in Zürich-Altstetten einziehen, wodurch für das Hallenstadion mehr zeitlicher und inhaltlicher Gestaltungsfreiraum entsteht», heisst es in einer gestern veröffentlichten Mitteilung der Zürcher Regierung. Und: «Ziel soll es sein, mögliche Synergien zwischen dem Hallenstadion und der Messe Zürich auszuloten, um den Eventstandort Zürich-Nord strategisch zu stärken.»

Die Lücke, die die ZSC Lions im Hallenstadion hinterlassen werden, ist gross: Von rund einer Million Besuchern kamen laut Geschäftsbericht 2016 knapp 300'000 wegen des Eishockeys. Zum Vergleich: Konzerte lockten im gleichen Geschäftsjahr insgesamt 450'000 Besucherinnen und Besucher an, andere Shows deren 170'000. Eher marginal waren Generalversammlungen und Firmenanlässe (63'000) sowie weitere Sportveranstaltungen (34'000). Geschäftlich spielt der ZSC also nach wie vor eine wichtige Rolle für den Betrieb der 15'000 Zuschauer fassenden Halle in Zürich-Oerlikon.

Balz Hösly, Verwaltungsratspräsident der AG Hallenstadion und neu auch Verwaltungsrat der Messe Schweiz.

Balz Hösly, Verwaltungsratspräsident der AG Hallenstadion und neu auch Verwaltungsrat der Messe Schweiz.

Das weiss auch Hösly, der gegenwärtig ferienhalber in Argentinien weilt: Der Auszug der ZSC Lions aus ihrer alten Heimat öffne für das Hallenstadion rund 60 zusätzliche Termine pro Jahr, hielt er im Geschäftsbericht fest. «Diese Termine können aber in dem wettbewerbsintensiven Umfeld des Live-Entertainments nicht ohne Weiteres ‹gefüllt› werden.» Schliesslich sei das Hallenstadion im Konzertbereich abhängig von internationalen Tourneen, die es nicht beeinflussen könne.

Zudem fehle den meisten Künstlern die Zugkraft, um die Ränge zu füllen, wie Hösly unlängst der «NZZ» sagte. Um die Nachfrage anzukurbeln, habe das Hallenstadion bereits die Mindestmiete pro Abend von 35'000 auf 19'000 Franken gesenkt. Dafür gebe es höhere Erfolgsbeteiligungen der AG Hallenstadion, die nebst Privaten zu 6 Prozent dem Kanton und zu 39 Prozent der Stadt Zürich gehört.

Gemeinsame Grossanlässe

Ist also Höslys Berufung in den Verwaltungsrat der aus einer Fusion von Messe Zürich und Messe Basel hervorgegangenen MCH Group AG eine Art Rettungsaktion für das Hallenstadion? Regierungsrätin Walker Späh winkt ab: «Es geht um die Messe Schweiz.» Das zunehmend internationale Messegeschäft stehe vor grossen Herausforderungen, nicht zuletzt durch die Digitalisierung. Deshalb seien die Synergien wichtig, die sich der Regierungsrat von der personellen Verknüpfung des Hallenstadions und der gleich daneben gelegenen Messe Zürich verspricht.

Walker Späh verweist auf den Regierungsratsbeschluss zur Personalie Hösly. Darin heisst es, nach dem baldigen Auszug der ZSC Lions könne «die Zusammenarbeit zwischen der Messe Zürich und der AG Hallenstadion im Bereich Messen, Events und Kongresse vertieft werden». Und weiter: «Eine gemeinsame Nutzung der Infrastrukturen der Messe Zürich und des Hallenstadions für gewisse Grossanlässe könnte neue Angebote im Messe-, Konferenz- und Eventbereich ermöglichen.»

Hallenstadion-Direktor Felix Frei sieht vor allem noch Potenzial bei Mehrtagesevents im Showbereich sowie bei grossen Firmenanlässen – zumal Generalversammlungen in der Zeit stattfinden, die heute grossteils durch die Eishockey-Playoffs blockiert ist. Eine gemeinsame Nutzung der Infrastruktur von Hallenstadion und Messe, wie es sie bereits beim Fifa-Kongress gibt und wie sie für die Eishockey-WM 2020 geplant sei, dürfte aber laut Frei eher die Ausnahme bleiben.