Brandstiftung
Sympathiebekundung: Anarchisten feiern die S-Bahn-Sabotage beim Bahnhof Oerlikon

Noch immer ist ungeklärt, wer am 7. Juni in Kabelschächten in der Nähe des Bahnhofs Oerlikon Feuer legte und ein Chaos im Bahnverkehr auslöste. Fest steht, es war Brandstiftung. Nun stellt eine Zeitung aus der Anarchistenszene die Sabotage in einen politischen Kontext.

Drucken
Teilen
Applaus für Kurzschluss: Die anarchistische Zeitung «Dissonanz» aus Zürich. HO

Applaus für Kurzschluss: Die anarchistische Zeitung «Dissonanz» aus Zürich. HO

Noch immer ist ungeklärt, wer am 7. Juni in Kabelschächten in der Nähe des Bahnhofs Oerlikon Feuer legte und ein Chaos im Bahnverkehr auslöste.

Fest steht, es war Brandstiftung. Politische Motive werden von den Ermittlern nicht ausgeschlossen. Ein Bekennerschreiben fehlt bisher. Die «Schweiz am Sonntag» machte in ihrer aktuellen Ausgabe nun aber eine Sympathiebekundung aus der Anarchistenszene bekannt.

In der anarchistischen Zeitung «Dissonanz» wird der Vorfall mit einem Leitartikel gefeiert. Unter dem Titel «Alles Lahmlegen» und einem historischen Bild von Guerilla-Kämpfern, die sich an Bahngleisen zu schaffen machen, freue sich ein anonymer Autor über den Zwischenfall.

Auch am Hauptbahnhof Zürich müssen sich Pendler umorganisieren oder Verspätungen in Kauf nehmen.
11 Bilder
Dienstag, 7. Juni 2016: Ein absichtlich gelegtes Feuer in einem Kabelschacht nahe des Bahnhofs Zürich Oerlikon, bemerkt um 3 Uhr morgens, beschädigte technische Anlagen der SBB und löst ein Pendlerchaos aus.
Die Auswirkungen sind massiv: Die Strecke zwischen Oerlikon und Glattbrugg und die Strecke zwischen Oerlikon und Flughafen waren stundenlang unterbrochen.
Zahlreiche Verbindungen mussten umgeleitet werden oder fielen gleich komplett aus. Hier warten Pendler auf Pendler am Bahnhof Glattbrugg auf ein Ersatztransportmittel.
Eine Frau studiert die Abfahrtspläne am Hauptbahnhof - an diesem Tag sind diese mit Vorsicht zu geniessen.
Pendler warten auf einen Ersatzbus - solche Szenen gab es am Dienstag zuhauf.
Pendlerchaos nach Brandstiftung: SBB-Mitarbeiter verlegen neue Kabel
Pendler warten auf ein Tram.
SBB-Arbeiter verlegen nach dem Brand neue Kabel in Zürich Oerlikon - die Auswirkungen des Brandes sind aber noch abends im Bahnverkehr spürbar.
Die Brandstifter mussten für ihren Sabotageakt in umzäuntes Gelände einbrechen.
Die Kosten für die Reparatur sowie die Zugsausfälle dürften insgesamt mehrere 100'000 Franken betragen.

Auch am Hauptbahnhof Zürich müssen sich Pendler umorganisieren oder Verspätungen in Kauf nehmen.

Keystone/Ennio Leanza

Ein Unterbruch der Normalität, ausgelöst durch einen Kurzschluss könne auch Lichtblick sein. Sabotage wird als Mittel bezeichnet, «das von den Ausgebeuteten und Ausgeschlossenen schon seit Jahrtausenden genutzt wurde, um die Maschinerie, die ihre Situation produziert, zu bekämpfen». Die Anarchisten schreiben, dass «die Freude über einen Ausfall des Transportbetriebs» breit gehegt werde, nur verbleibe dies «allzu oft im Stillen».

Pendlerchaos: An den Gleisen stehen hunderte Wartende
6 Bilder
Der Brand eines Kabels legt den gesamten Zugverkehr lahm
Gedränge aufs 10er Tram.
Das 10er Tram ist die einzige Verbindung zum Zürcher Flughafen.
Überall warten Pendler.
Pendler warten auf einen Ersatzbus - solche Szenen gab es am Dienstag zuhauf.

Pendlerchaos: An den Gleisen stehen hunderte Wartende

Keystone

Der Artikel lässt schliesslich offen, wer die Urheber des Brandes sind. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft wollte sich gegenüber der «Schweiz am Sonntag» nicht zu den Ermittlungen und möglichem politischem Hintergrund äussern.