Zürich
Swissmill-Turm wird nicht verschönert

Vorschläge, den Swissmill-Turm im Zürcher Kreis 5 zu verschönern, gab es schon viele. Fast genau so viele Übernamen trägt der Turm. So wurde er schon als 118-Meter-Hässlichkeit, Betonklotz, Kotzbrocken oder Mahlzahn bezeichnet. Letzte Woche nun machte Microsoft im Rahmen der PR-Aktion «Your Local Eyesore» (zu Deutsch: dein lokaler Schandfleck), mit einem Vorschlag, den Swissmill-Turm zu verschönern, von sich reden.

Lina Giusto
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Mit dieser Illustration wollte Microsoft den Swissmill Tower verschönern.

Mit dieser Illustration wollte Microsoft den Swissmill Tower verschönern.

Facebook/Microsoft

So war der Betonbau in eine Illustration des in Zürich wohnhaften Künstlers Ata Bozaci gehüllt. Diese zeigte ein nacktes Kind, das seine nackte Mutter ins Wasser führte. Damit will der Künstler die intime Mutter-Kind-Beziehung thematisieren. Das Wasser steht als Referenz für die am Turm vorbeifliessende Limmat.

Die Besitzerin Coop zeigt sich aber von Microsoft-Vorschlag unbeeindruckt, wie das «Tagblatt der Stadt Zürich» schreibt. Sprecher Urs Meier sagt, man sei mit der Realisierung des Silos zufrieden. Weil die Gestaltung des Kornhauses vom Baukollegium der Stadt Zürich, einem Gremium aus international renommierten Architekten und dem Amt für Städtebau, abgenommen und gewürdigt worden sei, gäbe es keinen Grund für eine Veränderung. Das Amt für Städtebau, das von Microsoft ebenfalls kontaktiert wurde, schloss sich der Tonalität an. Sowohl für die Stadt als auch für die Bauherrschaft sei die aktuelle Gestaltung nach wie vor die beste Lösung.

Diese Meinung teilen jedoch nicht alle. So hat sich der Quartierverein Wipkingen erst kürzlich für eine Begrünung der Fassade eingesetzt und ist damit abgeblitzt. Auch das Postulat von den GLP-Gemeinderäten Guido Trevisan und Shabai Roy, in dem sie den Stadtrat 2016 aufforderten, eine Neugestaltung zu prüfen, wurde diesen Frühling vom Parlament abgelehnt. Die diversen nächtlichen Projektionsaktionen oder Aufrufe von Zeitungen, den Turm mit Photoshop-Vorschlägen zu verschönern, legen die Vermutung nahe, dass das Silo für viele eine «städtebauliche Sünde» verkörpert.