Die Stadtzürcher Politikerin gelangte in die Schlagzeilen, als bekannt wurde, dass sie ihre Steuern in Uster bezhalt, obwohl sie eine günstige städtische Wohnung in Zürich-Wollishofen mietet. In Uster besitzt die Millionärin eine Villa und profitiert von einem tieferen Steuerfuss. Dem städtischen SVP-Präsidenten Roger Liebi missfällt die Situation um Schlatter, trotzdem verteidigte er sie gegenüber dem «Tages-Anzeiger»: «Frau Schlatter hat in ihrem Leben bestimmt mehr Steuern bezahlt als mancher Linke im Parlament.»

Jetzt berichtet der «Tages-Anzeiger», dass die Gemeinderätin eine Initiative unterstützt, die verlangt, dass nur Leute in nicht gewinnorientierten städtischen Wohnungen leben, die es wirklich nötig haben. Zusammen mit 45 Ratsmitgliedern von SVP, FDP und CVP stimmte Schlatter im Herbst der FDP-Einzelinitiative zu. Diese kann vereinfacht als «4:1 Initiative» bezeichnet werden, denn sie fordert, dass Mieter von staatlich unterstützen Wohnungen brutto höchstens das Vierfache der Mietkosten verdienen dürfen. Laut dem Register des städtischen Steueramts besitzt Schlatter 7 Millionen Franken und verdient 200'000 Franken.

Gescheiterter Vorstoss

Belegungsvorschriften in städtischen Wohnungen sind in Zürich ein brandaktuelles Thema. In einem Vorstoss wollten SVP, FDP und CVP den Zugang zu städtischen Genossenschaftswohnungen auf Menschen mit einem Jahresgehalt von maximal 60'000 Franken beschränken. Auch Schlatter unterstützte dieses Vorhaben, doch im Gemeinderat scheiterte es knapp mit 58 zu 55 Stimmen.

SP-Fraktionschefin Min Li Marti fordert Schlatter zu einem Verzicht ihres Gemeinderatssitzes auf, solange sie keine Steuern in der Stadt bezahlt. Für die Sozialdemokratin, wie auch für Karin Rykart (Fraktionschefin der Grünen) ist zudem klar, dass Hedy Schlatter aufgrund ihres Vermögens und ihrer Villa in Uster kein Anrecht auf die günstige Wohnung habe. Dem stimmt auch SVP-Präsident Liebi laut «Tages-Anzeiger» zu: «In städtischen Wohnungen mit Kostenmiete dürfen nur Personen leben, die sich eine andere Wohnung nicht leisten können.»

Die SVP-Präsidentin des Kreis 2, Katharina Widmer, wusste nichts über Schlatters Steuersituation. Sie empfiehlt der Kandidatin ihres Stadtkreises, wieder einen Teil der Steuern in Zürich zu bezahlen. Gleichzeitig nimmt sie Schlatter in Schutz und vermutet, dass die ganze Geschichte aus Neid aufgeblasen wurde.