Stadtrat
SVP fordert Rückzug der Bürgerlichen aus dem Stadtrat

Die nochmalige Verstärkung der links-grünen Mehrheit in der Zürcher Stadtregierung hat bei den bürgerlichen Parteien grosse Skepsis hervorgerufen. SVP-Stadtparteipräsident Roger Liebi sprach gar von einem "GAU für den Wirtschaftsstandort und Werkplatz Zürich".

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Richard Wolff (links) schlug Marco Camin in der Stichwahl (Archiv)

Richard Wolff (links) schlug Marco Camin in der Stichwahl (Archiv)

Keystone

Die Wahl von Richard Wolff sei "das Schlechteste, was habe passieren können", sagte Liebi. Die anderen bürgerlichen Parteien sollten sofort ihre Exekutivmitglieder zurückrufen, forderte die SVP, die selbst seit vielen Jahren nicht mehr in der Stadtregierung vertreten ist.

FDP-Parteipräsident Michael Baumer zeigte sich enttäuscht über das Wahlergebnis, das für die Stadt "kein Gutes" sei. Er befürchte, es werde nun angesichts der anderen Mehrheitsverhältnisse im Parlament vermehrt zu Blockaden und Referenden kommen.

Die Wogen zu glätten bemühte sich Markus Hungerbühler, Präsident der CVP. Man müsse das Ergebnis analysieren, wenn sich "der Pulverdampf verzogen" habe. Das jetzige Wahlresultat dürfe sicher nicht eins zu eins auf die Gesamterneuerungswahlen vom kommenden Frühling übertragen werden.

"Historischer Tag"

Niklaus Scherr von der AL war nach eigenen Angaben überwältigt vom Wahlergebnis. Es sei ein historischer Tag, sagte er. Die AL stehe nun vor der Herausforderung, im kommenden Februar ihren Exekutivsitz zu verteidigen und im Gemeinderat einige Sitze dazuzugewinnen.

SP-Co-Präsidentin Beatrice Reimann gab sich zurückhaltend, nachdem die Partei vor der Wahl Stimmfreigabe beschlossen hatte. Die AL in der Exekutive sei "ein Novum". Man müsse jetzt schauen, wie sich Wolf dort "mache". Wichtig für die Stadt sei, dass die Stadtratsmitglieder - wie bisher - gut zusammenarbeiteten.

Der scheidende FDP-Stadtrat Martin Vollenwyder, um dessen Nachfolge es gegangen war, nannte die Wahl des AL-Kandidaten eine "Abkehr von der vernunftbegabten Politik". Er sei eher traurig als enttäuscht, riskiere doch die Stadt, in die Zeit der Grabenkämpfe der 1990er-Jahre zurückzufallen.