Welche Wahlziele hat die SVP?

Möglichst zulegen, hat SVP-Parteipräsident Mauro Tuena als Devise herausgegeben. Eine konkrete Vorgabe macht er nicht. Mit einem Wähleranteil von 17,3 Prozent verfügt die Partei über 23 der 125 Sitze im Gemeinderat. Sie ist damit hinter der SP (39 Sitze) die zweitgrösste Fraktion. Mit der aktuellen Sitzzahl ist sie plus/minus seit 2006 im Stadtparlament vertreten. 2002 gab es einen Ausreisser nach oben, als sie eine Legislatur lang über 31 Mandate verfügte.

Wo liegen die Chancen und Risiken dieses Wahlgangs?

Die Partei schickt wie vor vier Jahren, als sie mit Nina Fehr und Roland Schenk antrat, einen Mann und eine Frau ins Rennen um den Stadtrat. Beide gelten als gemässigt. Nach der Premiere 2014 ist wieder ein bürgerliches Wahlbündnis («Top 5») zustande gekommen. Diesmal ohne Nebengeräusche. Auf provokative Plakate hat die Partei verzichtet, abgesehen vom Slogan «Saustall Stadtrat ausmisten», der mittlerweile aber zurückgezogen wurde. Offen ist, ob sich so viel Harmonie auszahlt. Bisher war die SVP immer am stärksten, wenn sie kräftig gepoltert hat. Auch die gleichzeitig mit der Wahl stattfindende No-Billag-Abstimmung könnte gegen sie wirken, da sie in der Kultur- und Medienstadt Zürich das linke Spektrum zusätzlich mobilisiert.

Wann war die SVP letztmals im Zürcher Stadtrat vertreten?

Als bis heute letzter Zürcher Stadtrat amtierte von 1986 bis 1990 Kurt Egloff. Seither hat die Partei immer wieder Anlauf genommen, mit Einer-, Zweier- oder Dreierkandidaturen. Sie hat prominente Namen ins Rennen geschickt wie Gody Müller, Emil Grabherr oder Rolf André Siegenthaler, aber auch weniger bekannte. Sie hat es mit Gemässigteren und Pointierteren versuchten. Aber spätestens im zweiten Wahlgang war jeweils Schluss.

Wie ist die lange Absenz in der Exekutive zu erklären?

Sie ist wohl der Preis des Erfolges, den die Partei seit den 1990ern in der Deutschschweiz aufweisen kann. Sie polarisierte und legte damit in den Parlamenten zu, nicht zuletzt auch auf Kosten der anderen bürgerlichen Parteien. Bei Regierungswahlen fehlen ihren Kandidaten dann oft diese anderen bürgerlichen Stimmen, ohne die es in der Exekutive keine Sitze zu holen gibt. In Zürich, wo Bürgerliche nur rund die Hälfte der Wählerschaft ausmachen, schlägt der Effekt voll durch.

Wie stehen die Chancen auf einen Sitz diesmal?

Zu ersetzen sind die Sitze von Claudia Nielsen (SP), Andres Türler (FDP) und Gerold Lauber (CVP). Von den Bürgerlichen tritt nur Filippo Leutenegger (FDP) wieder an. Seit Nielsen vor einer Woche ihren Rückzug bekannt gegeben hat, ist eine neue Dynamik im Wahlkampf, die auch bürgerlicherseits Hoffnungen weckt. Dies umso mehr, als Richard Wolffs (AL) Wiederwahl nicht als sicher gilt. Er steht in der Kritik wegen des besetzten Koch-Areals. Mit dem grossen Kandidatenfeld links wie rechts würde ein Stadtratsmandat für die SVP dennoch eine Überraschung bedeuten.

Auf welche Inhalte setzt man?

Dass es Zürich gut gehe, liege an den Zürcher Unternehmen, nicht an den rot-grünen Politikern, sagt Tuena. Angesichts rekordhoher Steuereinnahmen gelte es, Schulden abzubauen, um gerüstet zu sein, wenn die Zinsen steigen und wieder rauere Zeiten anbrechen.

Wie hoch ist das Wahlkampfbudget?

Dazu gebe man keine Auskunft, sagt Tuena. Das Budget liege im Rahmen der anderen grossen Parteien in der Stadt Zürich.