Shanghai Kids
Superhelden aus Zürich retten die Meere

Studenten aus Zürich und Peking entwickelten fiktive Superhelden. Diese beobachten den Pazifik und sind bei Umweltkatastrophen sofort bereit, die Weltmeere vor Verschmutzung zu retten.

Alfred Borter
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Wenn das kein Erfolg ist: Soeben durfte Martin Zimper, Dozent an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK), an der Weltausstellung in Schanghai im Pavillon der Städte Zürich, Basel und Genf das von Zürcher und Pekinger Studenten gemeinsam entwickelte Projekt «Shanghai Superkids» vorstellen. «Es hat Anklang gefunden», hält er stolz fest. Wenn sich jetzt eine Firma findet, welche bereit ist, einen Film mit diesen Superhelden zu fabrizieren, wäre das toll.

Ein Trailer auf Youtube

Vorerst gibt es immerhin einen Trailer, der auf Youtube zu sehen ist, und zwar sowohl in englischer Sprache wie auf Chinesisch. Die Geschichte, wie es zur Kooperation zwischen der ZHdK und der Communication University of China in Peking gekommen ist, ist ein kleines Wunder.

Martin Zimper, Leiter des Vertiefungsstudiums Cast im Departement Design an der ZHdK, kam zusammen mit dem Drehbuchautor Rolf Giesen, der unter anderem in Berlin lehrt und 2009 gerade als Gastprofessor in Peking tätig war, auf die Idee, ein Gemeinschaftswerk zu kreieren.

Es blieb nicht bei der Idee, sondern bald einmal arbeiteten in Zürich und Peking Studierende gemeinsam daran, drei Figuren zu erfinden, die das Zeug hätten, Helden zu werden wie etwa Superman. Aber sie sollten im chinesischen Raum angesiedelt sein, genauer: in Schanghai. Und die Figuren sollten gegen die Umweltverschmutzung der Meere ankämpfen.

So entstanden also die Charaktere, so entstand eine Story. Die «Shanghai Superkids», welche unerhört gut schwimmen können, sind rund um den Pazifik bereit, einzugreifen, wenn eine Umweltkatastrophe droht, aber auch schon, wenn wieder einmal ein Riesentanker seine ölhaltigen Abfälle ins Meer spült.

Dank Skype traten die Studierenden in Zürich und Peking wöchentlich einmal in einen zweistündigen Online-Dialog, bei dem man die Ideen weiterentwickelte, um dann in der Zwischenzeit wieder getrennt die nächsten Schritte zu planen und zu verwirklichen. «Das war für beide Seiten eine tolle Herausforderung», hält Zimper fest.

Die neuste Disziplin

Zimper ist an der ZHdK Leiter der Vertiefungsrichtung Cast im Departement für Design. Cast ist die allerneuste Disziplin, es gibt sie erst seit drei Jahren. Damit betraten die Zürcher europaweit Neuland. Die Studierenden lernen hier, als «Geschichtenerzähler für kleine Bildschirme» tätig zu sein. Genauer: Sie lernen den Umgang mit Kamera, Bild- und Audioschnitt sowie mit Animationsprogrammen, und zwar immer in Hinblick darauf, dass ihre Geschichten im Notebook oder am Handy angeschaut werden können.

Produziert wird mit einfachsten Mitteln. «Wir konkurrenzieren nicht Hollywood», hält Zimper lachend fest. Aber das, was seine Studierenden herstellten, sei hervorragend. Sie hätten auch keine Schwierigkeit, nach der Absolvierung des Studiums in der Wirtschaft Fuss zu fassen.

Der Andrang zum Cast-Studium ist relativ gross, auch wenn der neuste Studienzweig noch nicht sehr bekannt ist; ein relativ strenges Auswahlverfahren soll gewährleisten, dass die Geeignetsten in den Lehrgang aufgenommen werden.

Die meisten haben die Matur absolviert, doch besteht auch die Möglichkeit, dass talentierte junge Menschen, die keine Mittelschule absolviert haben, dank einer hervorragenden Arbeitsmappe zugelassen werden («sur dossier»). Manche bringen auch schon etwas Erfahrung aus bisherigen Jobs mit, Zimpers Studierende sind im Alter zwischen 20 und 27Jahren.

Potenzial auf kleinen Bildschirmen

Das Projekt «Shanghai Superkids» ist vorerst abgeschlossen, doch kann sich Zimper vorstellen, dass eine Produktionsfirma die Idee übernimmt und eine Trickfilmserie herstellt. Er ist autorisiert, die Rechte in Europa zu vergeben.

Entwickeln soll sich auch der Bereich Cast, wie er erläutert. Es bestehe ein grosser Bedarf dafür, dass Angestellte in Firmen, die sich mit Medien, Werbung, Design und bewegten Bildern befassen, an der ZHdK eine Weiterbildung absolvieren könnten. Das Web entwickle sich rasant weiter, auch die Möglichkeit, auf den kleinen Bildschirmen der Geräte, die man mit sich herumtrage, einen kleinen Film zu schauen.