Dübendorf
Sukkurs für den Innovationspark auf dem Flugplatzgelände

Innovationspark oder Kleinfliegerei? Diese Frage stellt sich beim Flugplatz Dübendorf.Fest steht, dass die Zürcher Regierung und die mehrheit des Kantonsrats das Gelände und die Umgebung vom Flugbetrieb befreien wollen.

Thomas Schraner
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Ein Kleinflugzeug rollt über eine Piste auf dem Flughafen Dübendorf.

Ein Kleinflugzeug rollt über eine Piste auf dem Flughafen Dübendorf.

Keystone

Die Zürcher Regierung und die Mehrheit des Kantonsrates reagierten empört, als der Bundesrat Ende Februar seine Pläne für den ehemaligen Militärflugplatz Dübendorf bekannt gab. Er kündigte an, er suche Interessenten, die gewillt seien, den Flugplatz für die nächsten 20 Jahre für die zivile Kleinfliegerei zu betreiben.

Dieses Vorhaben steht im Gegensatz zu den Plänen der Zürcher Regierung. Diese sprach sich schon 2010 dafür aus, das dem Bund gehörende Gelände vom Flugbetrieb zu befreien. Parallel dazu verfestigte sich die Idee, die riesige Landreserve für einen Innovationspark zu nutzen.

Die Schweizer Volkswirtschaftsdirektoren gaben dieser Idee im Juni Schub und proklamierten die Standorte Zürich und Lausanne zu Hubs eines vernetzten Schweizer Innovationsparks.

Am Montag sorgte FDP-Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann anlässlich des Empa-Jubiläums mit seinem Bekenntnis zum Innovationspark für Aufmerksamkeit. Wenn die Zukunft des Flughafenareals verhandelt werde, dürften die Belange der Innovation nicht vergessen werden, sagte er und versprach, sich im Bundesrat für den Innovationspark starkzumachen.

Stellt er sich damit gegen Verteidigungsminister Ueli Maurer (SVP)? Die Frage ist berechtigt, weil zumindest vielen seiner Parteifreunde der Erhalt der fliegerischen Infrastruktur in Dübendorf am Herzen liegt.

Ausschreibung in Verzug

Doch der Gegensatz verschwindet beim näheren Hinsehen. Der Bundesrat entscheidet voraussichtlich frühestens im Herbst 2014 über die Zukunft des Areals. Die Ausschreibung für potenzielle Flughafenbetreiber verzögert sich, wie beim Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) zu erfahren war.

Laut Sprecher Urs Holderegger startet die Ausschreibung erst Ende Jahr. Die Vorarbeiten dazu seien zwar schon angelaufen, doch der Anforderungskatalog stehe noch nicht. Trotzdem sind, so Holderegger, bereits sechs Bewerbungen von Firmen eingegangen. Auf den ersten Blick seien diese durchaus qualifiziert. Bekannt ist, dass sich eine Gruppe um alt Regierungsrätin Rita Fuhrer (SVP) für die Aufgabe interessiert.

Das Bazl ging von Anfang an davon aus, dass es nicht einfach sein würde, eine Betreiberfirma zu finden, die den hohen Anforderungen standhält. Bis im nächsten Sommer, so das ursprüngliche Ziel, will der Bundesrat einen tauglichen Bewerber gefunden haben.

Sollte dies nicht gelingen, verzichte man auf die Kleinaviatik in Dübendorf, hiess es im Februar. Klar ist, dass sich die Flughafen AG nicht für den Job bewirbt, wie Sprecherin Sonja Zöchling bestätigt. Für die Kleinfliegerei werde es zwar in Kloten irgendwann keinen Platz mehr haben, vorderhand sei aber noch genug Kapazität da. «Bei zunehmendem Linien- und Charterverkehr würde die General Aviation aber mehr und mehr verdrängt», sagt Zöchling.

Während die Zürcher Politik mit Ausnahme der Aviatik-Fans gerne ganz auf die Fliegerei in Dübendorf verzichten würde, schreckt der Bund davor zurück. «Dübendorf ist eine der letzten strategischen Entwicklungsmöglichkeiten für die Fliegerei in der Schweiz», begründet Holderegger die Haltung des Bundesrates. Dieser ist der Ansicht, die Kleinfliegerei und der Innovationspark liessen sich kombinieren. Es gehe nicht um ein Entweder-oder.

Im Grundsatz räumt dies auch die Zürcher Regierung ein. Sie hätte aber lieber einen reinen Innovationspark, wie ihre Äusserungen zeigen. Kantonsplaner Wilhelm Natrup hält eine Kombination unter anderem deshalb für möglich, weil für den Innovationspark nur etwa ein Achtel des Geländes benötigt würde.

Allerdings, so Natrup, bringe der Flugbetrieb zwangsläufig Einschränkungen mit sich. Dies unterstreicht auch der Dübendorfer Stadtpräsident und BDP-Nationalrat Lothar Ziörjen. «Das geht nur mit grossen Einschränkungen nebeneinander.» Innovative Mischformen für Wohnen und Arbeiten würden vor allem wegen des Fluglärms eingeschränkt.

Futterneid bei den Kantonen

Bruno Sauter, Chef des Amtes für Wirtschaft und Arbeit und glühender Verfechter des Innovationsparks, bestätigt, dass die Kombination nicht dem Wunschszenario der Regierung entspricht. «Aber lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach», sagt er. Den Innovationspark, den er als «Markthalle der Kompetenzen» versteht, hält er für extrem wichtig für den Wirtschaftsstandort. Nicht alle Kantone seien begeistert, dass Zürich als Hub zum Zug kommen soll. «Ich stelle einen gewissen Futterneid fest», so Sauter.