Hardturm
Subventionen für Zürcher Spitzenklubs

Wenn Zürich morgen das Stadion-Projekt im Hardturm präsentiert, fangen die Verteilkämpfe erst an. In einer Stadt, in der nur eine Minderheit regelmässig Fussballspiele besucht, wird sich die Mehrheit fragen: Was kostet uns der Spass?

Marius Huber
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Was darf der Spass kosten? Das Hardturm-Areal liegt (noch) brach.

Was darf der Spass kosten? Das Hardturm-Areal liegt (noch) brach.

Keystone

Morgen lüftet die Stadt Zürich das Geheimnis, wie ihr neues Fussballstadion im Hardturm aussehen soll. Die wenigen Eingeweihten, die es schon jetzt wissen, haben mit ihrer Vorfreude die Neugier derart geschürt, dass sich die Aufmerksamkeit zwangsläufig auf Äusserlichkeiten richten wird. Wenn es nächstes Jahr zur Volksabstimmung kommt, wird über das Schicksal des Stadions allerdings nicht die Ästhetik entscheiden, sondern das Geld. In einer Stadt, in der nur eine Minderheit regelmässig Fussballspiele besucht, wird sich die Mehrheit fragen: Was kostet uns der Spass?

Diese Frage weist über die unmittelbaren Baukosten hinaus, welche die Stadt als Bauherrin tragen müsste. Diese dürfen sich gemäss aktuellen Zielvorgaben auf nicht mehr als 150 Millionen Franken belaufen – wobei die Meinungen unter Experten auseinandergehen, ob das nicht überzogen ist. Zusätzlich bekäme die Stadt bei einem Ja zum Stadion vor allem auch die Kosten zu spüren, die für seinen Betrieb anfallen. Die neusten Fakten und Prognosen kommen zwar erst morgen auf den Tisch, aber der Stadtrat hat schon früh angekündigt, der neue Hardturm werde nicht kostendeckend zu betreiben sein. Er schätzte das jährliche Defizit zunächst auf 4 bis 6 Millionen Franken, später war dann von 5 bis 7 Millionen die Rede.

Probleme mit den Einnahmen

Heikel macht den Betrieb des neuen Hardturms, dass die Stadt dort nach dem hartnäckigen Widerstand gegen das erste Stadionprojekt diesmal auf eine sogenannte Mantelnutzung verzichtet hat. Im Bauch des Gebäudes ist kein Einkaufszentrum geplant, das Gewinn abwerfen würde, und auch kein Fitnesspark. Stattdessen entstehen nebenan gemeinnützige Wohnungen. Der Hardturm ist damit landesweit die grosse Ausnahme unter den neuen Fussballstadien. «Unter diesen besonderen Vorzeichen ist klar, dass der Hardturm teurer wird», sagt Urs Spinner, Sprecher des Hochbaudepartements.

Der Zürcher Sonderweg fällt umso stärker ins Gewicht, als auch die wichtigste Einnahmequelle nur begrenzte Erträge abzuwerfen verspricht, womöglich noch weniger als bisher erwartet: die Miete. Die Präsidenten der beiden Zürcher Spitzenklubs haben auf Vorrat klargemacht, dass sie nicht bereit sind, im Hardturm mehr zu bezahlen als im Leichtathletikstadion Letzigrund, wo sie seit fünf Jahren Asyl geniessen. Das Argument: Sie könnten es sich schlicht nicht leisten. Dem Vernehmen nach haben beide Klubs in jüngster Vergangenheit erschreckend tief in den finanziellen Abgrund geschaut. Bei Rekordmeister GC, wo der sportliche Höhenflug derzeit vieles überstrahlt, war sogar offen von einer existenzbedrohenden Situation die Rede.

«Es kann nicht sein, dass die Kosten gegenüber heute steigen», sagt der neue GC-Präsident André Dosé. «Sie sind bei uns im Vergleich mit anderen Städten schon jetzt viel höher.» Insbesondere die Sicherheitskosten, die zusätzlich zur Miete anfallen, seien ein Problem – und mitverantwortlich dafür, dass einzelne Spiele für GC sogar ein Verlustgeschäft sind.

«Falls es im neuen Stadion dennoch höhere Kosten gibt, müssen wir unbedingt auch höhere Erträge generieren können.» Dosé spricht damit einen weiteren konfliktträchtigen Punkt an. Denn er denkt nicht nur an sportlichen Erfolg und mehr Zuschauer, sondern er möchte im neuen Stadion auch das Catering, die VIP-Logen und die Werbebanden selbst bewirtschaften. «Klubs wie der FC Basel verdienen viel Geld damit.» Dosé will also die ertragreichen Filetstücke aus der noch zu gründenden Betriebsgesellschaft des neuen Stadions heraustrennen. Darauf angesprochen, dass diese so kaum noch rentabel wäre, meint er: «Es ist klar, dass die Stadt das Stadion unterstützen muss, wie sie auch die Kultur unterstützt.» Mit anderen Worten: Sie müsste die Betriebsgesellschaft über Wasser halten.

Dosé geht damit nicht ganz so weit wie FCZ-Präsident Ancillo Canepa, der schon direkte Beiträge an die Fussballklubs angeregt hat, aber unter dem Strich wäre das Ergebnis das gleiche: Die Stadt subventioniert den FCZ und GC. Dass sie das tun wird, ist absehbar, seit der Stadtrat angekündigt hat, fürs neue Stadion eine Defizitgarantie zu übernehmen. Die verbleibende Frage ist nur noch, wohin die Subventionen fliessen: Ins Stadion respektive in die Betriebsgesellschaft oder direkt in die Vereine? So oder so: Begründen lässt sich das laut Dosé damit, dass die Klubs nicht nur Spitzenfussball betreiben, sondern auch Tausende Junioren ausbilden: «Wir nehmen damit eine enorme soziale Aufgabe wahr.»

Restposten Letzigrund

Der Letzigrund übrigens würde nach einem Umzug der Fussballer in den Hardturm zum reinen Leichtathletik- und Breitensport-Stadion, wie es die Stimmbevölkerung einst gutgeheissen hatte. Das Stadion, dessen Bau seinerzeit 110 Millionen Franken gekostet hat, ist ebenfalls defizitär und würde künftig noch weniger Ertrag abwerfen, wie Urs Spinner vom Hochbaudepartement bestätigt. Andererseits würde sein Betrieb aber auch weniger kosten.