Wohnungsmarkt

Studierende werden nervös: Kurz vor Semesterbeginn wird die Wohnungssuche zur Geduldsprobe

Eine Wohnung in Zürich zu finden braucht vor allem Ausdauer.

Eine Wohnung in Zürich zu finden braucht vor allem Ausdauer.

Alle Semester wieder: Kurz bevor an der Uni und ETH die Vorlesungen beginnen, ist unter Studierenden die Nachfrage nach Wohnraum viel grösser als das Angebot.

«Bei uns herrscht gerade Hochbetrieb», sagt Melanie Saurer von der Zimmer- und Wohnungsvermittlung der Uni und ETH Zürich. Derzeit würden auf das Herbstsemester hin extrem viele Studierende günstigen Wohnraum suchen, die Nachfrage sei in dieser Zeit mindestens doppelt so gross wie das Angebot: «Unser Kontingent von 200 Plätzen ist schnell ausgeschöpft», so Saurer. Der Suchstress im Sommer sei gegen Ende der Semesterferien vorprogrammiert: «Dabei sind viele Studierende in diesen Wochen richtig verzweifelt, weil sie nicht wissen, wo sie in wenigen Wochen wohnen sollen», sagt die administrative Mitarbeiterin der Wohnungsvermittlung. Die Vorlesungen an der Uni und ETH beginnen am 15. September.

Auch Sandro Alvarez von der Plattform «students.ch» beobachtet den wiederkehrenden Run auf Stadtwohnungen und WG-Zimmer: «Die Suchanfragen nehmen auf unserer Website zu Semesterbeginn immer stark zu.» Man habe jedoch beobachtet, dass sich die Zahl der Inserate für solche Wohnungen konstant zwischen 500 und 700 Angeboten im Monat bewegt.

Frustrierende Besichtigungen

Für Bettina Widmer ist die Suche nach solchen Angeboten auf «students.ch» und Wohnungsvermittlungen für Studierende gerade aktuell. Die
22-Jährige beginnt in wenigen Wochen ihr Studium an der Uni Zürich. Dafür zieht sie von Winterthur in die Kantonshauptstadt — das hat sie zumindest vor: Denn die Studentin ist seit Wochen auf der Suche nach einer passenden Bleibe: «Ich wusste, dass es schwierig wird. Auf die Ausschreibungen, die für mich infrage kommen, melden sich immer sehr viele Interessenten.»

Widmer erzählt von vielfach erlebten Szenen, bei denen rund 20 Leute bei einer Besichtigung zusammengequetscht in einer Küche stehen: «Dann hat man nur wenige Minuten oder gar Sekunden Zeit, um sich von der besten Seite zu präsentieren.» Die vielen Besichtigungen seien für die junge Studentin frustrierend: «Solche Massen-Castings sind für mich zum Horror geworden», sagt sie enttäuscht. Momentan müsse sie aber jede Möglichkeit nutzen, denn trotz mehrerer Nebenjobs könne sie maximal 500 Franken für ein Zimmer im Monat ausgeben: «Das schränkt meine Suche sehr ein. Dabei würde ich einfach gerne in eine WG ziehen, die — wenn möglich — noch innerhalb der Stadtgrenze liegt.» Solche Angebote seien zwar vorhanden, aber auch sehr begehrt: «Es gibt immer viel Konkurrenz. Egal ob ich die Ausschreibungen in Wohnungs-Plattformen gefunden habe oder beispielsweise über Facebook: Ich muss immer damit rechnen, dass ich bei weitem nicht die Einzige bin.»

Neue Projekte für Studierende

Wie gross der Bedarf für die rund 45 000 Studierenden der Uni und ETH tatsächlich ist, kann nur geschätzt werden. Die Stiftung für Studentisches Wohnen (SSWZ) geht davon aus, dass rund 9000 Plätze in Zürich gesucht werden. Momentan stehen jedoch nur 4000 Wohnplätze für Studierende zur Verfügung. Das Angebot soll deswegen mit verschiedenen Projekten ausgebaut werden. Zusammen mit der Stadt Zürich will das SSWZ bis 2017 an der Rosengartenstrasse ein Studentenwohnheim errichten, dass 130 Zimmer bieten soll. Noch muss aber in dieser Hinsicht der Gemeinderat von der Idee überzeugt werden.

Auch die ETH will auf dem Campus Hönggerberg bis im Jahr 2016 weitere 900 Zimmer schaffen, und auf dem Areal des ehemaligen Zollfreilagers in Zürich Albisrieden sind 200 Plätze für Studierende geplant. Zumindest bis dahin bleibt die Wohnungssuche eine Geduldsprobe.

Zu hohe Ansprüche

Melanie Sauter von der Wohnungsvermittlung der Uni und ETH kann jedoch die aktuell Suchenden etwas beruhigen: «Wir hatten noch nie den Fall, dass irgendjemand gar nichts gefunden hat und deswegen nicht an die Uni oder ETH konnte.» Meistens hätten die Studierenden anfangs zu hohe Ansprüche: «Irgendwann sollten Orte und Dörfer ausserhalb der Stadt als Alternative berücksichtigt werden.» Auch Alvarez von «students.ch» schliesst sich dieser Meinung an und gibt noch Tipps für die Wohnungssuche: «Man sollte versuchen, möglichst sympathisch rüberzukommen. Beispielsweise kann man die Bewerbung auf originelle Weise auf eine Ausschreibung anpassen, um positiv aufzufallen.»

Bettina Widmer hat dies in der Vergangenheit auch schon versucht. Sie geht notfalls zu Plan B über: «Wenn es nach den ersten Anläufen nicht geklappt hat, dann lasse ich mir einfach ein bisschen Zeit und bleibe bis dahin in Winterthur. Irgendwann finde ich bestimmt das passende WG-Zimmer in Uni-Nähe – spätestens, nachdem der aktuelle Run etwas abgeflaut ist», sagt die 22-Jährige.

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