Strafvollzug

Studie zeigt: Therapie senkt Rückfallraten bei Zürcher Straftätern

"So wie der Justizvollzug in Zürich aufgestellt ist, wirkt er sehr rückfallpräventiv", sagt Jérôme Endrass, stellvertretender Leiter des Psychiatrisch-Psychologischen Dienstes (PPD) im Zürcher Amt für Justizvollzug. (Symbolbild)

"So wie der Justizvollzug in Zürich aufgestellt ist, wirkt er sehr rückfallpräventiv", sagt Jérôme Endrass, stellvertretender Leiter des Psychiatrisch-Psychologischen Dienstes (PPD) im Zürcher Amt für Justizvollzug. (Symbolbild)

Eine Therapie in einem Zürcher Gefängnis hilft, die Rückfallgefahr zu senken. Dies zeigt eine Studie, die die Rückfallraten der entlassenen Zürcher Straftäter von Gewalt- und Sexualdelikten während 16 Jahren auswertet.

Die Studie kommt zum Schluss, dass die Rückfallrate über einen Zeitraum von 6,5 Jahren bei nicht therapierten Straftätern 16 und bei therapierten Straftätern 12 Prozent beträgt. Jérôme Endrass, stellvertretender Leiter des Psychiatrisch-Psychologischen Dienstes (PPD) im Zürcher Amt für Justizvollzug, präsentierte die Ergebnisse am Donnerstag erstmals vor den Medien.

Dies bedeutet laut Endrass, dass 25 Personen behandelt werden müssen, um einen Rückfall mit einem schweren Gewalt- oder Sexualdelikt zu verhindern. "Momentan sind 300 Personen in Therapie. Es werden somit zwölf schwere Rückfälle verhindert", sagte er.

Dabei ist die Therapie nur ein Teil der Präventionsmassnahmen in einem Zürcher Gefängnis. Dazu gehören beispielsweise auch die Möglichkeit einer Berufsausbildung, Seelsorge oder der Stufenvollzug.

"Das sind alles Elemente, die Rückfälle senken", sagte Endrass. Deshalb sei die Rückfallgefahr in Zürich auch tiefer als im internationalen Vergleich, wo sie bei rund 30 Prozent liege. "So wie der Justizvollzug in Zürich aufgestellt ist, wirkt er sehr rückfallpräventiv."

"Ideale Auslastung"

Die Zürcher Haftanstalten waren im vergangenen Jahr zu 89 Prozent ausgelastet. "Das ist eine ideale Auslastung", sagte Thomas Manhart, Chef des Amts für Justizvollzug. Denn damit habe man genügend Spielraum, beispielsweise wenn Gefangene wegen Verdunkelungsgefahr versetzt werden müssen.

Dass die Zürcher Gefängnisse nicht überbelegt sind, sei das Resultat ihrer Planung, die weiterhin wichtig bleibe. Aktuell prüfe man mit dem Hochbauamt verschiedene Varianten, denn bei den Gefängnissen Affoltern und Horgen stünden Gesamtsanierungen an.

Dabei stellt sich laut Manhart die Frage, ob sich eine Sanierung lohnt oder besser gleich ganz neu geplant wird. Er denkt dabei beispielsweise an ein neues grosses Gefängnis mit rund 200 Plätzen oder an 200 bis 250 zusätzliche Plätze auf dem Gelände der Justizvollzugsanstalt Pöschwies - dies als möglicher Ersatz für Horgen, Affoltern und die Abteilung Vollzug im Flughafengefängnis.

Bedingte Entlassungen rückläufig

Insgesamt zählte das Amt für Justizvollzug des Kantons Zürich im Jahr 2016 440'545 Aufenthaltstage auf 1357 Vollzugsplätze. Per Ende Jahr sassen knapp 2500 Personen hinter Gittern. Bedingt entlassen wurden 405 Personen. "Die Leute bleiben länger bei uns und werden weniger schnell bedingt entlassen", sagte Manhart.

Grund dafür sei der Anspruch auf Nulltoleranz bezüglich der Rückfälle. Das mache eine bedingte Entlassung schwieriger. "Heute schaut man genauer hin."

Dies zeigt sich speziell bei den Verwahrungen: Die Aufenthaltstage nahmen gegenüber dem Jahr 2015 zwar um 490 auf 13'801 ab, bleiben laut Manhart aber auf hohem Niveau. "Viele kommen rein, aber niemand raus", sagte er. In Zürich heisse Verwahrung eigentlich lebenslänglich.

Zurück ging auch die Zahl der Aufenthaltstage in der Untersuchungshaft: Von 148'212 im Jahr 2012 auf 125'885 im Jahr 2016. Grund dafür ist, dass die Kriminalität im Kanton Zürich - wie auch in der restlichen Schweiz - abgenommen hat. "Vor allem die Einbrüche und Diebstähle gingen signifikant zurück."

Einzelfälle trüben Bilanz

Trotz allem sprach Manhart von einem "schwierigen Jahr", den Einzelfälle trübten die Bilanz. So gab es mit Hassan Kiko, der mit Hilfe seiner Aufseherin aus dem Gefängnis Limmattal ausbrach, erstmals seit langem wieder einen Ausbruch.

"Das war eine einmalige Konstellation." Inzwischen habe man das Sicherheitskonzept weiterentwickelt. "Heute kann das bei uns nicht mehr passieren", ist der Amtschef überzeugt.

Auch das Tötungsdelikt im Zürcher Seefeld von Ende Juni 2016 beschäftigte das Amt für Justizvollzug: Ein damals 23-Jähriger kehrte aus seinem Hafturlaub nicht mehr in die Strafanstalt Pöschwies zurück, tötete einen Mann und war monatelang auf der Flucht.

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