Im Rahmen einer Bobachtungsstudie untersuchten die Studentinnen Cristina Zanetti, Georgina Wood, Isabella Gall und Petra Fux von der Universität Zürich neun Kinder der Tagesstätte Globegarden im Alter von zwei bis vier Jahre. Die Kinder wachsen zu Hause in einem deutschsprachigen Umfeld auf uns lernen in der Kinderkrippe zwei Sprachen:

Schweizerdeutsch beziehungsweise Hochdeutsch und Englisch. Forschungsleiterin Cristina Zanetti stiess auf das Thema ihrer Forschungsarbeit, da sie selber Teilzeit in der Verwaltung von Globegarden tätig ist. Die Beobachtungsstudie entstand im Rahmen der Veranstaltung «bilingualer Spracherwerb» des Englischen Seminars der Universität Zürich.

Die untersuchte Kinderkrippe Globegarden ist eine Erfolgsgeschichte: Sie wurde 2008 von drei Frauen gegründet und eröffnete ihre erste Krippe gleich am Paradeplatz im Bankenviertel. Sollte die Arbeit länger dauern, bietet Globegarden eine Notfallbetreuung bis 21 Uhr an. Globegarden-Geschäftsführerin Christina Mair sagt: «Eltern brauchen für die Kombination von Beruf und Familie möglichst viel Flexibilität. Kinder brauchen hingegen möglichst viel Stabilität in der Krippe».

Kinder reagieren auf englische Sätze

Doch nicht nur die Betreuungsmodelle unterscheiden sich von anderen Kitas, sondern vor allem auch das pädagogische Programm. Bei Globegarden wird zweisprachig betreut. Neben der Persönlichkeitsentwicklung soll laut Globegarden «die soziale, emotionale, kognitive und kinästhetische Entwicklung ab dem Säuglingsalter» gefördert werden.

Das Konzept stösst auf Anklang: Globegarden hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Kinderkrippen in der Schweiz eröffnet und hat neben elf Krippen im Kanton Zürich auch Standorte in Schaffhausen, Zug und Basel. Dazu betreiben sie auch die Unternehmens-Kinderkrippe für Grosskonzerne in Zürich und Basel.

Für die Studie konzentrierten die Studentinnen ihre Beobachtungen und Auswertungen auf den Vergleich der Sprachkompetenzen der Kinder in den beiden Sprachen. Ziel war es zu erforschen, welche Unterschiede es bezüglich der Sprachproduktion gibt. «Ein Vorgehen war beispielsweise, dass ein Kind ein Kinderbuch ohne Text zuerst in Englisch, und dann zwei Wochen später auf Deutsch erläutern musste», erklärt Forschungsleiterin Cristina Zanetti.

Die Ergebnisse der Beobachtungsstudie zeigen, dass Kinder mit zwei Betreuungstagen in der Kinderkrippe vom Hörverständnis bereits profitieren, der Sprachgebrauch jedoch weniger ausgeprägt ist. Die Kinder sprechen weiterhin hauptsächlich in der gewohnten Primärsprache Schweizerdeutsch oder Hochdeutsch, verstehen und reagieren aber auch auf die englischen Sätze der Krippenleiterin. Die Beobachtungsstudie zeigt, dass die Mehrheit der Kinder neben dem Hörverständnis auch das Sprachverständnis der englischen Sprache erlangen.

«Wertvoll ist, dass der passive Wortschatz viel ausgeprägter ist als bei Kindern, die nicht schon im jungen Alter zweisprachig aufwachsen», sagt Zanetti. Eine Überforderung der Kleinkinder schliesst sie aus: «Die bilinguale Kinderkrippe findet nicht im Frontalunterricht statt und es gibt immer zwei Betreuer mit Englisch und Deutsch als Muttersprache. Die Kinder lernen die Sprache spielerisch.»

Die Studentin ist von den Vorteilen einer bilingualen Kinderkrippe überzeugt: «Kinder, die zweisprachig aufwachsen, können sich später besser komplexerer Fragestellungen annehmen. Und was fast noch wichtiger ist: Das interkulturelle Verständnis ist grösser als bei Kindern, die nicht mit zwei Sprachen konfrontiert sind».

Kinder, die in einer bilingualen Krippe betreut werden, seien offener gegenüber Kindern mit einem anderen sprachlichen und daher auch allenfalls kulturellen Background, meint Zanetti.

Lange Wartelisten

Die Vorteile der Zweisprachigkeit im frühen Kindesalter scheinen zahlreiche Eltern erkannt zu haben. Die Wartelisten für einen Platz in der Kinderkrippe von Globegarden sind jedenfalls lang, wie Geschäftsführerin Christina Mair sagt. Sie hat inzwischen 200 Mitarbeitende und zahlreiche Partner wie etwa die Pädagogische Hochschule Thurgau oder die Universität Konstanz.

«Der Andrang ist nach wie vor gross», sagt Mair. Zudem würde sie vermehrt Anfragen für Betriebs-Kinderkrippen bei Unternehmen erhalten. Zu den grössten Herausforderungen für Mair zählt deshalb die Suche nach freien Räumen in den Innenstädten. «Unsere Kinderbetreuung soll unkompliziert und flexibel sein. Deshalb brauchen wir Räume an guten Lagen», sagt sie.