Studie
Studie behauptet: «Pärke sind für Frauen sicher»

Parkanlagen sind ein wichtiger sozialer Aufenthaltsort. Für alle. Frauen und Männer, so belegt es eine aktuelle Studie bewegen sich allerdings nicht gleich häufig – und vor allem nicht gleich unbeschwert – in diesem ihnen zur Verfügung stehenden Raum

Sandra Hohendahl-Tesch
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Frauen haben oft ein mulmiges Gefühl, sich in Parks aufzuhalten. wal Frauen haben oft ein mulmiges Gefühl, sich in Parks aufzuhalten. wal

Frauen haben oft ein mulmiges Gefühl, sich in Parks aufzuhalten. wal Frauen haben oft ein mulmiges Gefühl, sich in Parks aufzuhalten. wal

Limmattaler Zeitung

Was hinlänglich bekannt sein mag, ist nun auch wissenschaftlich belegt: Frauen haben oft ein mulmiges Gefühl, sich in Parks aufzuhalten. Sie fürchten sich vor einem Gewaltverbrechen und vermeiden es daher, vor allem abends und in der Nacht, sich dieser drohenden Gefahr auszusetzen.

In der Stadt Zürich wurde die geschlechterspezifische Parknutzung in drei öffentlichen Anlagen von der Uni Zürich und Grün Stadt Zürich untersucht: im Savera-Areal Wollishofen, im Wahlenpark Neu Oerlikon und in der Bäckeranlage Aussersihl. Die im Rahmen eines Nationalfondsprojekt durchgeführte Forschungsarbeit belegt, dass die Pärke generell am Abend weniger genutzt werden als untertags. Tagsüber halten sich Männer und Frauen anteilsmässig in etwa die Waage, «wobei über Mittag tendenziell sogar mehr Frauen anzutreffen sind», wie Mit-Autorin Heidi Kaspar auf Anfrage sagt.

Männer häufiger Opfer

Am Wochenende und gegen Abend halten sich laut Kaspar jedoch deutlich mehr Männer in den städtischen Grünanlagen auf als Frauen. Die erhöhte Absenz des weiblichen Geschlechts betrifft demnach Freizeitphasen, was die Forscher zum Schluss bringt, dass «Pärke für Frauen offenbar als Raum für Freizeitaktivitäten weniger attraktiv sind als für Männer». Und das eigentlich zu Unrecht, wie Kaspar erklärt. Denn: Die Pärke sind für Frauen äusserst sichere Aufenthaltsorte. Im 2005 eingeweihten Wahlenpark zum Beispiel musste die Polizei noch nie wegen eines Gewaltdelikts ausrücken, wie die Zahlen der Stadtpolizei Zürich belegen, auf die sich die Studie stützt. Im öffentlichen Raum werden Männer weit häufiger Opfer von Gewaltdelikten als Frauen. In Neu-Oerlikon wurden zwischen 2008 und 2011 sogar mehr als doppelt so viele Männer geschädigt wie Frauen. Frauen hingegen werden, wohl entgegen der öffentlichen Wahrnehmung, meist im familiären Umfeld zum Opfer: Im Jahr 2010 musste die Stadtpolizei Zürich 368 mal wegen häuslicher Gewalt ausrücken.

Interessant ist auch, wie die beiden Geschlechter mit der Angst umgehen. Die Forscherinnen haben in 38 Leitfadeninterviews Daten ermittelt und ausgewertet. Frauen sprechen über ihre Angst oder anders gesagt: die Unsicherheit beeinflusst die Art und Weise, wie Frauen den öffentlichen Raum nutzen. Bei Männern hingegen taucht die Kategorie Unsicherheit nicht auf sie selbst bezogen auf, sondern, wenn überhaupt, auf die ihnen anvertrauten Kindern. «Väter befürchten beispielsweise, ihre Kinder könnten sich durch Glasscherben verletzen», sagt Kaspar. Wie kommt diese Diskrepanz zustande? «Sicherheits- und Unsicherheitsgefühle sind soziale Konstruktionen, sie haben mit Erwartungshaltungen, mit subjektiven Wahrnehmungen, mit Bildern im Kopf zu tun», heisst es dazu im Forschungsbericht. Und weiter: «Unsicherheitsgefühle sind ein Produkt von gesellschaftlichen Prozessen, noch immer wird das Private zum weiblichen, das Öffentliche zum männlichen Raum erhoben. Schliesslich spielten auch die Medien im Zusammenspiel mit politischen Debatten zum Thema Sicherheit eine wichtige Leitfunktion in der Konstituierung von Unsicherheitsgefühlen.

Selbstbewusst präsentieren

Verständnis für die Angst der Frauen hat Kaspar allemal: «Ein sexueller Übergriff ist so schwerwiegend, dass Frauen kein Risiko eingehen möchten». Mit ihrer Arbeit will sie den Zürcherinnen Mut machen: Die Stadt sei statistisch gesehen sicher, weshalb Frauen sich selbstbewusst im öffentlichen Raum präsentieren sollten.

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