An der Westfassade der Roten Fabrik wurden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert nachträglich Fenster eingebaut. Zwischen diesen Fensteröffnungen finden sich auf der Backsteinmauer Überreste eines ursprünglich die ganze Fassade schmückenden Rautenmusters.

Die Stadt Zürich will diese Fensteröffnungen nun wieder schliessen. Gleichzeitig beabsichtigt sie, die dazwischen liegenden Backsteine - und damit auch das Rautenmuster - zu entfernen.

Neu sollen mehrere grossflächige Steingitterverkleidungen in die Fassade eingesetzt werden, hinter denen verdeckt die Belüftungsanlage für die Konzerthalle montiert wird.

Mehr als eine "gewisse Änderung"

Vier Personen hatten gegen das städtische Vorhaben rekurriert. Das Baurekursgericht hatte als erste Instanz noch festgehalten, dass die baulichen Massnahmen bloss eine "gewisse Änderung der Strassenfassade" zur Folge hätten.

Das Zürcher Verwaltungsgericht kommt nun aber zum Schluss, dass "sich die Fassade nach der Realisierung des Umbauprojektes optisch ganz anders präsentieren wird - und das bei einem Gebäudeensemble, dessen Fassade sogar namensgebend wurde", wie dem am Dienstag im Internet veröffentlichten Urteil zu entnehmen ist.

"Solche Modifikationen des Erscheinungsbildes dürften nicht leichthin, sondern erst nach fundierten denkmalpflegerischen Abklärungen bewilligt werden", schreibt das Gericht.

Dies gelte insbesondere, wenn - wie im vorliegenden Fall mit dem Rautenmuster - unwiederbringlich Originalbausubstanz entfernt werden soll.

Dem Gericht fehlt das Fachwissen

Das Verwaltungsgericht masst sich kein Urteil darüber an, ob das Rautenmuster nun fabrikgeschichtlich derart einzigartig ist, wie dies die Beschwerdeführenden vorbringen. Dazu sei denkmalpflegerisches Spezialwissen notwendig.

Deshalb muss sich nun das Baurekursgericht als erste Instanz erneut mit dem Bauprojekt befassen.

Es muss - wie ihm das Verwaltungsgericht aufgetragen hat - einen Experten beiziehen, der sich eingehend mit den Fassaden der Roten Fabrik befasst.

Diese Fachperson soll abklären, ob das Rautenmuster zu erhalten sei oder ob die Steingitterverkleidungen angebracht werden könnten.

Basierend auf diesen "gutachterlichen Feststellungen" hat das Baurekursgericht einen neuen Entscheid zu fällen.

Bauprojekt nach Brand

Das Fabrikensemble in Zürich-Wollishofen ist in den 1890er-Jahren erstellt worden. Es umfasst drei Trakte, in denen einst Verwaltung, Fabrikation und Heizzentrale untergebracht waren.

Das umstrittene Bauprojekt sieht einen Umbau und eine Aufstockung eines Teils des ehemaligen Fabrikationstrakts vor.

Es handelt sich um das zweigeschossige Gebäude, in dem sich Künstlerateliers und die sogenannte Aktionshalle für Konzerte befindet.

Das Gebäude, das ursprünglich der mechanischen Seidenstoffweberei diente, wurde 1892 errichtet. Es erfuhr verschiedene Änderungen.

So wurden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die zierenden Blendfenster aufgebrochen und richtige Fenster eingebaut. Später wurde ein eingeschossiger Dachaufbau erstellt.

In diesem war im Mai 2012 ein Brand ausgebrochen. Nach der teilweisen Zerstörung dieses Dachaufbaus wurde das vorliegende Bauprojekt ausgearbeitet, das nun ein zweite Mal beim Baurekursgericht liegt.