Stressabbau
Streichel-Angebot: Hunde sollen gestresste Studenten entspannen

Die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) ist auf den Hund gekommen: In einer Facebook-Umfrage klärt sie derzeit ab, was ihre Studierenden von der Idee halten, Hunde zum Stressabbau an der Hochschule einzusetzen.

Matthias Scharrer
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Einen herzigen Hund streicheln, soll Stress abbauen. az-Archiv

Einen herzigen Hund streicheln, soll Stress abbauen. az-Archiv

Vorbild aus Kanada

«Prüfungen, Zeitnot, Arbeitsdruck; gerade kurz vor Semesterende stehen die meisten Studierenden unter grosser Anspannung. In Kanada helfen Hunde ihnen dabei, sich für kurze Zeit zu entspannen und den Stress abzubauen. Würdet Ihr ein solches ‹Streichel-Angebot› an der ZHAW begrüssen?», fragt die ZHAW via Facebook. Anlass für die Umfrage waren Medienberichte über ein entsprechendes Angebot an einer kanadischen Hochschule, wie ZHAW-Sprecherin Franziska Egli Signer erklärt. Die Dalhousie Universität hatte ihren Studierenden in der vorweihnachtlichen Prüfungsphase stundenweise Hunde in einem Kuschelraum zur Verfügung gestellt, wie «Spiegel.de» berichtete.

Die ZHAW-Umfrage hat auf Facebook eine rege Diskussion ausgelöst, seit sie vor einem Monat lanciert wurde: Über 3000 Personen brachten per Mausklick ihren Gefallen an der Hunde-Idee zum Ausdruck, über 300 schrieben Kommentare. Die meisten davon fielen positiv aus; einige Kommentar-Schreiber sorgten sich aber um das Wohl der Tiere, andere mokierten sich über die Probleme der Studierenden. «Wir werten die Umfrage aus und diskutieren sie mit den für die Beratung der Studierenden zuständigen Stellen», so Egli Signer. Noch sei aber gänzlich offen, ob die ZHAW gestressten Studierenden dereinst Hunde zum Streicheln anbieten werde. Bisher beschränkt sich das Stressabbau-Angebot für Studierende an der ZHAW laut Egli Signer auf psychologische Beratungen, die die Hochschule kostenlos anbietet.

ETH: 350 nutzten Coaching-Angebot

An Uni und ETH Zürich ist der Einsatz von Hunden zum Stressabbau bei Studierenden bislang kein Thema, wie auf Anfrage zu erfahren ist. Doch wie stark belastet Stress die Studierenden? Regula Christen leitet an der ETH Zürich die Stelle für Studienorientierung und Coaching, die unter anderem individuelle Coachings anbietet. Im letzten akademischen Jahr nahmen laut Christen 350 Personen das Coaching-Angebot in Anspruch. «Stress, der Umgang mit Druck und Motivation waren dabei grosse Themen», so Christen.

Allerdings habe nicht eine Zunahme von Problemen aus diesem Bereich den Anlass zum Aufbau der Coaching-Stelle gegeben, die seit 2012 Studierenden aller Fachrichtungen zur Verfügung steht. «Der ETH war es wichtig, die Schnittstelle zwischen Gymnasium und Hochschule besser zu gestalten», erklärt Christen.

Zudem führen ETH und Universität Zürich gemeinsam eine psychologische Beratungsstelle, die Studierende unter anderem bei Prüfungsstress und Prüfungsangst unterstützt. Neben individuellen Beratungen bietet sie auch Gruppenangebote. Pro Semester formiert sich laut Uni-Sprecherin Nathalie Huber in der Regel eine Kleingruppe von maximal acht Personen, um mit Prüfungsängsten besser zurechtzukommen.

Rund 2,5 Prozent der Studierenden kontaktieren die psychologische Beratungsstelle von Uni und ETH laut deren Leiter Ulrich Frischknecht pro Jahr. «Stresssituationen sind in rund einem Viertel der Fälle ein Thema», schätzt Frischknecht. «Die meisten Studierendenden scheinen Stress aber zu ertragen.»

Auf den Einsatz von Hunden angesprochen, meint er: «Es gibt Menschen, die davon profitieren, vor allem in akuten Stresssituationen.» Der Stress der Studierenden baue sich aber zumeist längerfristig im Vorfeld von Prüfungen und Abgabeterminen auf.