Gesetzgebung

Strassenmusik in der Stadt: Warum Bewilligungen am Verstärker scheitern

Ohne Verstärker kein Problem: Seit Beginn des Jahres dürfen Strassenmusiker ihr Können an acht neuen Standorten zum Besten geben.

Ohne Verstärker kein Problem: Seit Beginn des Jahres dürfen Strassenmusiker ihr Können an acht neuen Standorten zum Besten geben.

Strassenkünstler dürfen neu länger und an mehr Orten in Zürich auftreten – solange sie keinen Verstärker benutzen.

Seit diesem Jahr gilt für Strassenmusiker in der Stadt Zürich ein moderat liberalisiertes Gesetz. Neu dürfen sie nun 30 Minuten – also zehn Minuten länger als bislang – am selben Standort ihre Darbietung präsentieren. Zudem wurden neben dem Zürcher Seebecken acht weitere Plätze der Stadt für Strassenkunst freigegeben. Nach wie vor aber erhalten Darbietungen, die einen Bühnenaufbau vorsehen oder bei denen Verstärker zum Einsatz kommt, keine Erlaubnis.

Das hat die Polyband der ETH und Universität Zürich zu spüren bekommen. Der Blasmusikverband der Stadt Zürich organisiert während des Sommers jeweils eine Konzertreihe mit unterschiedlichen Formationen, die diverse kürzere Konzerte in der Füsslistrasse zwischen St. Annahof und der Buchhandlung Orell Füssli geben.

Im letzten Jahr musste die Bigband aber passen. Weil sie für E-Piano und E-Gitarre einen Verstärker benötigt, hat sie die polizeiliche Bewilligung nicht erhalten. Formationen mit Blasinstrumenten und Schlagzeugen dagegen durften während der Abendstunden ihre Darbietungen öffentlich präsentieren.

Eine Bewilligung steht und fällt also mit dem Verstärker, nicht aber mit dem Lärmpegel. Mario Cortesi, Sprecher der Stadtpolizei Zürich, sagt auf Anfrage: «Es ist eine politische, aber auch eine pragmatische Lösung.» Öffentliche Darbietungen mit Lärmmessgeräten zu überprüfen sei in der Praxis kaum umsetzbar, da die Polizei schlichtweg zu wenig Spezialisten dafür habe.

Strassenkunst integrieren

Mit der moderaten Lockerung des Strassenkunst-Gesetzes kam der Zürcher Stadtrat zwei Postulaten nach, die um Prüfung dieser Praxis baten. Namentlich forderten die Gemeinderäte Linda Bär (SP) und Pawel Silberring (SP) den Stadtrat auf, zu analysieren, wie für die Strassenkunst neben dem Seebecken auch andere Zürcher Stadtplätze zugelassen werden können.

Bis anhin wurden künstlerische Darbietungen lediglich zwischen der Lindenstrasse im Seefeld bis zur Bootsvermietung Enge erlaubt. Die Gemeinderäte Petek Altinay (SP) und Matthias Probst (Grüne) forderten den Stadtrat in einem zweiten Postulat auf, die Strassenkunst in Zürich generell zu liberalisieren.

Seit Beginn dieses Jahres dürfen Künstler am Tessinerplatz beim Bahnhof Enge sowie am Helvetia- und am Escher-Wyss-, wie auch am Turbinenplatz ihr Können zum Besten geben. Im Kreis 9 darf neu auf dem Altstetter- und Lindenplatz Strassenkunst aufgeführt werden.

Auf dem Markt- und dem Max-Bill-Platz in Oerlikon darf die Öffentlichkeit nun ebenfalls unterhalten werden. Nach wie vor verbietet das Gesetz im Rahmen von Auftritten neben Bühnen und Verstärkern, auch Warenverkäufe – also das Malen von Porträts oder das Erstellen von Kunstgegenständen – sowie Bodenbilder. (GIU)

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1