Im Frühling hatte der Gesamtstadtrat den AL-Stadtrat per Mehrheitsbeschluss vom Sicherheits- ins Tiefbau- und Entsorgungsdepartement versetzt. Gestern präsentierte Wolff seine Strassenbaupläne für Zürich. Er will mehr Platz für Fuss- und Veloverkehr schaffen.

Ein erster Akzent wird das Neubauprojekt Negrellisteg. Es hat eine längere Geschichte: Vor Jahren plante der Stadtrat unter dem gleichen Namen bereits eine Fussgänger- und Velobrücke über die Gleise beim Hauptbahnhof. Sie sollte den neuen Stadtteil Europaallee mit seinem Gegenüber ennet der Gleise an der Klingenstrasse verbinden.

Aus Kostengründen stoppte die Stadt das Vorhaben später. Nun wird es in einer abgespeckten Variante doch gebaut, nämlich als reine Fussgängerbrücke. Statt 30 Millionen soll der Negrellisteg nun noch 11 Millionen Franken kosten, hälftig geteilt zwischen der Stadt Zürich und den SBB. Der Baubeginn ist im September nächsten Jahres geplant. Ein Jahr später soll der Negrellisteg dann eröffnet werden.

«Wir brauchen keine Velobrücke mehr», sagte Wolff. Der Grund: Sowohl an der Langstrassenunterführung als auch im Stadttunnel unter dem Hauptbahnhof seien Projekte in Planung, mit denen Velofahrer das Gleisfeld beim Hauptbahnhof besser queren könnten.
Für die Langstrassenunterführung verfolgt Wolff zwei Varianten: Zum einen könnten die Velowege schon 2019 in beiden Fahrtrichtungen auf die Autofahrbahn verlegt und dafür eine Autospur aufgehoben werden.

Die zweite Variante bräuchte mehr Zeit: Mit ihr würden die Fussgänger- und Velospuren neben der Autofahrbahn von vier auf sechs Meter verbreitert. Wolff will diese Variante im Laufe der nächsten zwei Jahre mit den SBB prüfen.

Volksentscheid zum Stadttunnel?

Eine weitere Option für den gleisquerenden Veloverkehr beim Hauptbahnhof ist der Stadttunnel. Er wurde einst als Element der nie fertig gebauten Stadtautobahn unter dem Hauptbahnhof erstellt und steht seither weitgehend leer. Teile davon dienen heute als unterirdische Velostationen. Nun will Wolff den ganzen Stadttunnel unter dem Hauptbahnhof zur Veloverbindung machen.

Die Velospur der Langstrassenunterführung könnte 2019 auf die Strasse verlegt werden.

Noch offen ist, ob es dazu eine Volksabstimmung braucht. Dies wäre der Fall, wenn die bei der Stadt anfallenden Kosten sich auf mehr als 20 Millionen Franken beliefen. Insgesamt rechnet Wolff mit Kosten von insgesamt 34 Millionen Franken, die sich Stadt und Kanton teilen.

Falls es zur Volksabstimmung käme, würde diese voraussichtlich im November 2019 stattfinden, wie der scheidende Stadtingenieur Vilmar Krähenbühl auf Anfrage sagte. Die Krux dabei sei: Gemäss einem bereits ausgearbeiteten, aber noch nicht unterzeichneten Vertrag wäre die Nutzung des Stadttunnels als Veloverbindung vorerst auf 15 Jahre befristet. Etwaige Verlängerungen müssten danach mit dem Bundesamt für Strassen ausgehandelt werden.

Die Entflechtung des Fuss- und Veloverkehrs ist ein weiteres Vorhaben, das Wolff nun angeht. Hintergrund: Ein Rechtsgutachten kam zum Schluss, dass man Velos nicht gleichberechtigt mit Fussgängern auf Trottoirs zulassen darf. «Wir wollen im nächsten Jahr 55 Strassenabschnitte mit Mischflächen von Fuss- und Veloverkehr sanieren», sagte Wolff.

Den Stadttunnel, heute teils schon als Velostation genutzt, will der Stadtrat zum Velotunnel machen.

Ziel sei die Abschaffung von Mischlösungen aus Velo- und Fussverkehr. Dort, wo es sicher sei, würden Velos auf die Strasse geleitet. Gleichzeitig gelte es, den Fussverkehr zu fördern. Dafür seien Fussgängerstreifen sicherer zu gestalten und Stadträume aufzuwerten.

Weitere Grossprojekte, die nächstes Jahr konkreter werden, sind: Die Neugestaltung des Heimplatzes. Auf dem Platz zwischen Kunsthaus und Schauspielhaus will Wolff dem öV, Fuss- und Veloverkehr Priorität einräumen. «Aber auch der motorisierte Individualverkehr soll nicht zu kurz kommen», so der AL-Stadtrat. Kommenden März soll das Siegerprojekt bestimmt und 2023 der Platz umgebaut werden.

Ebenfalls 2019 wird das Siegerprojekt für den Ersatzneubau der Rathausbrücke erkoren. Die Realisierung soll zwischen 2023 und 2025 stattfinden.

Gestoppt hat Wolff eines der Lieblingsprojekte seines Amtsvorgängers Filippo Leutenegger (FDP): den Neubau eines Velowegs am Utoquai, nahe beim Seeufer. Es habe viele Einsprachen gegeben, zudem hätten viele Bäume und Sträucher gefällt werden müssen, begründete Wolff den Entscheid. Stattdessen prüfe die Stadt nun einen Autospurabbau an der Bellerivestrasse zugunsten eines Velowegs.