Zürich
Strafvollzug: Weniger Hafturlaube gefährden die Resozialisierung

Im Kanton Zürich werden Jahr für Jahr weniger Hafturlaube genehmigt. Das Institut für Strafrecht und Kriminologie der Universität Bern betrachtet diese Entwicklung mit Skepsis.

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Durch das immer strenger werdende Urlaubsregime für Häftlinge steige deren Rückfallrisiko, so Ueli Hostettler vom Institut für Strafrecht und Kriminologie der Universität Bern (Gefängnis Kaserne Zürich)

Durch das immer strenger werdende Urlaubsregime für Häftlinge steige deren Rückfallrisiko, so Ueli Hostettler vom Institut für Strafrecht und Kriminologie der Universität Bern (Gefängnis Kaserne Zürich)

Keystone

In Zürich, dem Kanton mit den meisten Gefängnisplätzen der Schweiz, werden Jahr für Jahr weniger Hafturlaube genehmigt. Sowohl im offenen wie auch im geschlossenen Vollzug ging die Anzahl bewilligter Urlaube um rund 30 Prozent zurück – und das in nur vier Jahren.

Das Amt für Justizvollzug (JuV) des Kantons Zürich erklärt den Rückgang auf Anfrage von SonntagsBlick so: «Die Entwicklung ist klar auf das gesteigerte Sicherheitsinteresse zurückzuführen.» Heute sei im Strafvollzug – und insbesondere bei der Gewährung von Vollzugsöffnungen – mehr denn je zu beachten, dass die Gesellschaft und die Politik das öffentliche Interesse an Sicherheit höher gewichteten als das öffentliche Interesse an Wiedereingliederung von Verurteilten.

Ueli Hostettler vom Institut für Strafrecht und Kriminologie der Universität Bern betrachtet das immer strenger werdende Urlaubsregime für Häftlinge mit grosser Sorge. «Dadurch steigt das Rückfallrisiko», warnt der Experte.

Und selbst das JuV, das selbst für das strengere Haftregime verantwortlich ist, sieht die Entwicklung sehr kritisch: «Das heute vorherrschende, übersteigerte Sicherheitsbedürfnis erschwert ohne Not die Resozialisierung», schreibt das Amt. Man könne sich diesen gesellschaftlichen Entwicklungen aber nicht entziehen.