Kommentar
Strafen sollen keine Demütigung sein

Der Kantonsrat will Vandalen härter bestrafen und – vorläufig – öffentlich zur Schau stellen.

Matthias Scharrer
Matthias Scharrer
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Der Kantonsrat fordert, dass Sprayer für ihre verursachten Kosten selbst aufkommen - Können sie das nicht, sollen sie an den Pranger. (Themenbild)

Der Kantonsrat fordert, dass Sprayer für ihre verursachten Kosten selbst aufkommen - Können sie das nicht, sollen sie an den Pranger. (Themenbild)

Keystone

Der Pranger entstammt dem mittelalterlichen Strafrecht: Verurteilte wurden am Pranger öffentlich zur Schau gestellt, durften bespuckt und gedemütigt werden. Aus dem modernen Strafrecht ist er zumindest in Europa verschwunden. Mit gutem Grund: Straftäter sollen die Chance erhalten, sich nach Verbüssung ihrer Strafe wieder in die Gesellschaft zu integrieren, falls sie nicht als gemeingefährlich gelten. Nun will die SVP das öffentliche Zurschaustellen von Straftätern wieder einführen: Wer öffentliche Güter und Einrichtungen beschädigt, soll dafür bezahlen oder, falls er oder sie dies nicht kann, «gekennzeichnete Arbeitseinsätze im öffentlichen Raum» leisten. So verlangt es eine parlamentarische SVP-Initiative, die eine Mehrheit des Zürcher Kantonsrats gestern unterstützt hat.

Keine Frage: Mutwillige Sachbeschädigungen sind ein untolerierbares Ärgernis. Dagegen, dass ihre Verursacher den Schaden wieder gutmachen müssen, ist nichts einzuwenden. Das kann durchaus in Form von Arbeitseinsätzen geschehen. Aber mit ihrer Forderung nach einer öffentlichen Zurschaustellung schiesst die SVP über das Ziel hinaus. Das haben auch die Vertreter der Mitteparteien bemerkt, die den SVP-Vorstoss zwar vorläufig unterstützten, sich aber gegen den Pranger-Aspekt aussprachen. Wenn Täter der öffentlichen Demütigung und sozialen Ausgrenzung ausgeliefert werden, ist nichts gewonnen, aber ein Kernelement modernen Strafrechts gefährdet: Die Chance der Reintegration würde dadurch gemindert. Hier muss der Kantonsrat nachbessern, ehe er den SVP-Vorschlag im Gesetz verankert.