Bezirksgericht Zürich
Strafe für gierigen Fondsmanager: Das Geld versteckte er in Konfitürengläsern

Ein ehemaliger Manager der Fondsgesellschaft Swisscanto hat mit der Weitergabe vertraulicher Börseninformationen seiner Arbeitgeberin einen Schaden von rund 5 Millionen Franken zugefügt. Das Bezirksgericht Zürich verurteilte ihn deshalb am Mittwoch zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 32 Monaten.

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Fast ein halbe Million Franken versteckte der Beschuldige in Konfitürengläsern. (Symbolbild)

Fast ein halbe Million Franken versteckte der Beschuldige in Konfitürengläsern. (Symbolbild)

David Hunziker

Der Prozess gegen den 56-jährigen Ex-Manager fand im Rahmen eines abgekürzten Verfahrens statt. Der Beschuldigte hatte nicht nur ein umfassendes Geständnis abgelegt, sondern auch den Urteilsvorschlag der Parteien akzeptiert.

"Es war falsch, was ich getan habe", räumte der frühere Direktor der "Swisscanto Asset Management AG" vor Gericht ein. Zwischen Januar 2003 und Oktober 2008 hatte der langjährige Portfoliomanager an den Börsen regelmässig illegales "Frontrunning" betrieben.

Dabei nutzte er vertrauliche Informationen über bevorstehende Börsengeschäfte und leitete diese zwei eingeweihten Komplizen weiter. Mit den beiden Schweizer Kaufleuten teilte er dann die illegal erlangten Gewinne.

Geld in Konfitüre-Gläsern versteckt

Im Dezember 2009 flog der Beschuldigte schliesslich auf. Vor Gericht führte er zum Tatmotiv aus, dass er bei einem verwalteten Volumen von rund drei Milliarden Franken in Versuchung geraten sei, mit einem "Schlenker" auch für sich private Gewinne zu realisieren.

Laut Anklageschrift konnte der Manager für sich insgesamt 520'000 Franken abzweigen. Rund 443'000 Franken davon versteckte er im Ferienhaus seines Vaters in zehn Konfitüre-Gläsern. Die Polizei konnte diesen Betrag später sicherstellen.

Die beiden Gehilfen heimsten nach insgesamt über 700 illegalen Börsen-Transaktionen zusammen rund 4,3 Millionen Franken ein. Die gesamte Deliktssumme betrug rund fünf Millionen Franken.

Haupttäter muss ins Gefängnis

Der Ex-Manager der Swisscanto wurde als Haupttäter wegen mehrfacher ungetreuer Geschäftsbesorgung zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 32 Monaten verurteilt. Sechs Monate davon muss er im Gefängnis verbüssen. Die restlichen 26 Monate wurden bedingt festgelegt - bei einer Probezeit von drei Jahren.

Gross sind auch die finanziellen Folgen für den heute arbeitslosen Ex-Manager. So hat er sich aussergerichtlich verpflichtet, der Swisscanto 800'000 Franken zurückzuzahlen. Zudem wurden bei ihm über 85'000 Franken sowie 17'000 Euro beschlagnahmt. Diese Summen werden für die Deckung der Verfahrens- und Gerichtskosten von rund 200'000 Franken verwendet.

Schweres Verschulden

Der Gerichtsvorsitzende sprach von einem schweren Verschulden, da der Täter über eine lange Dauer gehandelt habe. Zudem habe es sich bei den Fonds auch um Altersvorsorgegelder gehandelt.

Das Gericht hätte sogar vier Jahre Freiheitsentzug verhängen können. Das umfassende Geständnis, die Wiedergutmachung sowie eine Verletzung des Beschleunigungsgebotes führten aber zu einer deutlich tieferen Strafe.

Die beiden ebenfalls geständigen Komplizen wurden wegen mehrfacher Gehilfenschaft zu ungetreuer Geschäftsbesorgung zu bedingten Freiheitsstrafen von je 24 Monaten verurteilt. Ein heute 70-jähriger Rentner aus Wilen bei Wollerau ZH wurde verpflichtet, der Swisscanto 400'000 Franken zurückzuzahlen. Ein heute 64-jähriger Berater aus dem Bezirk Affoltern soll 340'000 Franken zurückerstatten.