Lehrstellenkonferenz

Stolpersteine beim Lehrstart: Darum ist eine gute Begleitung so wichtig

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Offene Lehrstellen hat es derzeit im Kanton Zürich genug. Umso mehr wollen die Betriebe ihren jungen Pflänzchen Sorge tragen. Doch der Einstieg in die Arbeitswelt ist herausfordernd

Ivan ist der Start ins Arbeitsleben missglückt. Er wirkt unmotiviert, kommt zu spät, vernachlässigt die Berufsschule. Seine Lehrmeisterin ist ratlos. In den Gesprächen lässt Ivan die Gründe im Dunkeln, verspricht aber, sich zu bessern. Doch die Probleme bleiben.

Es ist eine Situation, die viele Lehrmeister kennen. Deshalb spielt sie das Improvisationstheater act-back am Donnerstagabend vor den Augen von hunderten Berufsbildnern aus allen Branchen und Kantonsgebieten vor. «Willkommen in der Arbeitswelt» lautet der Schwerpunkt der diesjährigen Lehrstellenkonferenz in der Messehalle Zürich.

«Der Lehrbeginn ist ein grosser Schritt», sagt Marc Kummer, Chef des kantonalen Mittelschul- und Berufsbildungsamtes. «Weg von der Schule und dem gewohnten Umfeld, plötzlich inmitten von Erwachsenen, acht Stunden arbeiten – und dann noch die üblichen Probleme in diesem Alter.» Das stelle sowohl Lernende als auch Berufsbildner und Eltern vor Herausforderungen.

Genug Lehrstellen

An einem gelungenen Einstieg interessiert sind momentan vor allem die Lehrbetriebe. Schaut man auf die Lehrstellensituation, tun sie gut daran, ihren jungen Pflänzchen Sorge zu tragen. Das sagt auch Marc Kummer. «Die Lehrstellensituation ist derzeit entspannt – entspannt vor allem für die Lernenden.» Kummer geht davon aus, dass bis Juli noch 1400 Lehrstellen offen sein werden. 2014 waren es zu jenem Zeitpunkt noch 1050. Diese Entwicklung setze die Betriebe unter Druck. Hat man eine gute Arbeitskraft eingestellt, will man sie nach Möglichkeit auch behalten. Einer von zehn Lernenden bricht jedoch seine Lehre ab – in 20 Prozent der Fälle bereits in der Probezeit, Tendenz zunehmend.

Wie also weiter mit Ivan? Was kann sein Arbeitgeber tun, damit das Arbeitsverhältnis eine Zukunft hat? Vielleicht helfe ein Gespräch mit ihm und seinen Eltern, lautet ein Ratschlag aus dem Publikum. Gesagt, getan – die drei Schauspieler des Improvisationstheaters spielen die Szene. Das Resultat ist ernüchternd, weil der Vater wütend wird, als er vom Fehlverhalten seines Sohnes erfährt. Doch zumindest wird klar, weshalb Ivan ständig zu spät kommt und die Berufsschule vernachlässigt. Da die Eltern beide berufstätig sind, muss er sich um seine jüngeren Geschwister und den Haushalt kümmern.

Das Problem ist erkannt – das ist ein Anfang, sind sich die Zuschauer in der anschliessenden Diskussion einig. Wichtig sei, früh mit den Lernenden das Gespräch zu suchen, den Einstieg in die Arbeitswelt eng zu begleiten und die Erwartungen des Betriebs von Anfang an klar zu kommunizieren. Doch auch darin sind sich die Berufsbildner einig: Ein Patentrezept gibt es nicht.

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