Missbrauchsvorwürfe
Stiftung Märtplatz: «Viele bringen uns direkt mit Jürg Jegge in Verbindung»

Nach der öffentlichen Anklage ihres ehemaligen Gründers und Vorsitzenden Jürg Jegge am Dienstag nimmt die Stiftung Märtplatz Stellung.

Merken
Drucken
Teilen
Markus Zangger, links, und der Journalist Hugo Stamm, rechts, an der gestrigen Medienkonferenz im Zürcher Volkshaus.

Markus Zangger, links, und der Journalist Hugo Stamm, rechts, an der gestrigen Medienkonferenz im Zürcher Volkshaus.

Keystone

Wer den Namen Jürg Jegge hört, denkt unweigerlich an die Stiftung Märtplatz in Freienstein-Teufen. Zusammen mit Lorenz Bosshard hatte Jegge die Stiftung, welche jungen Menschen mit «Startschwierigkeiten» die berufliche Eingliederung erleichtert, 1985 gegründet. Vor sechs Jahren übergab er die Leitung an Kuno Stürzinger. Als Ehrenpräsident ist Jegge noch Mitglied im Stiftungsrat, jedoch ohne Stimmrecht. «Für uns als Stiftung ist es eine schwierige Situation. Viele bringen uns bis heute direkt mit Jürg Jegge in Verbindung», sagt Stürzinger. Viele unbeantwortete Fragen würden sich seit den gestrigen Enthüllungen stellen: «Was ist da genau abgegangen? Was bedeutet das für uns als Stiftung?» Er selbst kannte Jegge vor seinem Engagement beim Märtplatz nicht persönlich. Und bis gestern habe man beim Märtplatz auch nichts von den Missbrauchsvorwürfen gewusst. Nicht ausschliessen kann Stürzinger, dass ehemalige Märtplatz-Absolventen dasselbe erleben mussten wie Markus Zangger. Bisher liessen sich dazu keine Fakten erhärten. Auch habe man schon seit längerer Zeit Sicherheitsvorkehrungen eingeführt, damit solche Übergriffe nicht passieren.

Nicht nur der Name Jegge, auch der Name Zangger ist stark mit dem Märtplatz verbunden. Bereits im Gründungsjahr 1985 taucht der Name Daniel Zangger in der Stiftungs-Chronik auf. Der Bruder von Markus Zangger wird darin als Jegges Stellvertreter aufgeführt. Und 1989 engagierte Jegge zudem Doris Zangger, die Frau von Markus Zangger, in der Schneiderei. (all)

Am Dienstag haben Markus Zangger und der Journalist Hugo Stamm in ihrem veröffentlichen Buch "Jürg Jegges dunkle Seite - Die Übergriffe des Musterpädagogen" schwere Missbrauchsvorwürfe gegen diesen erhoben. Der 73-jährige Pädagoge soll den heute 58-jährigen Zangger während Jahren sexuell und psychisch missbraucht haben.