Zürich

Steuervorteil für Start-ups

In Anfangszeiten haben Jungunternehmer kaum Erträge. Dem will der Kanton mit der neuen Besteuerungspraxis Rechnung tragen (Symbolbild).

In Anfangszeiten haben Jungunternehmer kaum Erträge. Dem will der Kanton mit der neuen Besteuerungspraxis Rechnung tragen (Symbolbild).

Finanzdirektor Ernst Stocker (SVP) will bessere Bedingungen für Start-ups im Kanton Zürich schaffen. Anteilseigner solcher Firmen profitieren ab sofort in den ersten fünf Jahren von tieferen Vermögenssteuern.

Der Kanton Zürich ist kein schlechtes Pflaster für Start-ups. Das zeigt sich daran, dass von den schweizweit 100 Top-Firmen dieses Typs 39 auf Zürcher Boden beheimatet sind. Trotzdem ist es so, dass einige andere Kantone noch bessere Bedingungen bieten. Deswegen haben Jungfirmen auch schon beim Kanton angeklopft und ihre Wünsche und Forderungen deponiert.

Bei der Zürcher Regierung stiessen sie auf offene Ohren. Denn diese will Start-ups fördern, weil sie sich viel von ihnen verspricht. Nach Gesprächen mit Vertretern solcher Jungfirmen, an denen das Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) und das Steueramt beteiligt waren, hat die Finanzdirektion von Regierungsrat Ernst Stocker (SVP) neue Regeln für die Besteuerung in Kraft gesetzt. Sie bewirken, dass Anteilseigner von Start-ups in den ersten fünf Jahren weniger Vermögenssteuern als heute bezahlen müssen.

In den ersten drei Jahren ist Reduktion am stärksten. In den folgenden zwei Jahren nimmt sie stufenweise ab, bis im sechsten Jahr der Normalzustand erreicht wird. Bei den Start-ups der Biotech- und der Medtech-Branche wird die dreijährige günstige Startphase auf fünf Jahre verlängert, weil diese Firmen normalerweise länger brauchen, bis es gut läuft. Das neue Regime, das auch Ausnahmeregelungen kennt, gilt ab sofort, wie die Finanzdirektion gestern mitteilte.

Geringe Steuerausfälle

Die neuen Regeln führen dazu, dass weniger Vermögenssteuern in die Staats- und Gemeindekassen fliessen. «Wir können die Ausfälle nicht beziffern, sie sind aber nicht substanziell», sagt Finanzdirektor Stocker auf Anfrage. Der Kanton kennt die Zahl der Start-ups offenbar nicht. Zudem stellt die exakte Definition eine Knacknuss dar.

Wie eine Nachfrage beim Steueramt ergab, versteht man darunter primär Firmen mit einem grossen Forschungsaufwand. Stocker findet, dass sich die eingesetzten Steuerfranken lohnen: «Wenn das Projekt zum Fliegen kommt, resultiert ein Gewinn für alle.» Die Förderung von Start-ups passe auch zum regierungsrätlichen Bekenntnis zum Innovationspark in Dübendorf.

Laut Stocker wäre es schon bisher möglich gewesen, Anteilseigner von Start-ups im Kanton Zürich steuerlich besser zu behandeln – aufgrund einer Wegleitung der Schweizerischen Steuerkonferenz, wie er sagt. «Als immer noch etwas zwinglianischer Kanton haben wir diese Möglichkeit aber bisher nicht ausgereizt.» Mit dem neuen Regime habe Zürich nun gegenüber anderen Kantonen aufgeholt. «Wir sind im Vergleich wieder bei den Leuten.»

Kompromiss gefunden

Bei der neuen Regelung handelt es sich laut Stocker um einen Kompromiss. In den Gesprächen mit dem Kanton verlangten einzelne Start-up-Vertreter ein grösseres Entgegenkommen vom Kanton oder drohten gar mit dem Wegzug, etwa nach Berlin. Dort würden sie aber nicht besser fahren, ganz im Gegenteil.

«In Berlin zahlen die Firmeninhaber 40 Prozent Kapitalgewinnsteuer.» Diese Steuer gibt es in der Schweiz nicht. Für Firmeninhaber fallen hier nur die Vermögenssteuern an. Und diese sind im unteren Bereich relativ moderat.

Anders als Steuerprivilegien

Der Sprecher der Finanzdirektion, Roger Keller, betont, dass die neue Regelung für Start-ups nicht gleichzusetzen ist mit den umstrittenen Steuerprivilegien für «normale» Firmen. Laut einer regierungsrätlichen Antwort aus dem Jahre 2012 auf eine kantonsrätliche Anfrage wurde seit 1996 in 26 Fällen (bis 2012) Steuererleichterungen gewährt – für maximal zehn Jahre.

Laut Keller gewährt der Kanton solche Erleichterungen einzelnen Firmen, ohne dass ein Anspruch darauf besteht. Im Unterschied dazu geht es laut Keller bei den Start-ups um neue Regeln, die für alle betroffenen Anteilseigner gelten. Und die Vorteile daraus sind einforderbar.

Wie stark profitieren Firmeninhaber von Start-ups? Dazu ein Beispiel: Ein Start-up-Gründer mit Aktien im Wert von 100 000 Franken bezahlt in der Stadt Zürich rund 50 Franken Vermögenssteuern. Kauft nun ein Investor Aktien, so dass sich der Vermögenswert der Firma auf eine Million steigert, muss der Gründer 2100 Franken Vermögenssteuern abliefern.

Würde der Aktienkauf des Investors den Unternehmenswert auf 10 Millionen erhöhen, würden 57 000 Franken Steuern fällig. Die Neuregelung führt nun laut dem Steueramt dazu, dass der Start-up-Gründer in den ersten drei Jahren praktisch keine Vermögenssteuern bezahlt.

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