Schlieren
Steffen Lindig präsentiert seinen Roman «Mein Freund Rolli»

Das Erstlingswerk des ehemaligen WOZ-Journalisten Steffen Lindig spielt in Schlieren – und halte den Schlieremern einen Spiegel vor, sagt die Verlegerin.

Ladina Trachsel
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Mit tiefer Stimme las Steffen Lindig auf dem Gasometer-Areal einige Passagen aus seinem Roman vor.

Mit tiefer Stimme las Steffen Lindig auf dem Gasometer-Areal einige Passagen aus seinem Roman vor.

Schweiz am Sonntag

Ganze vier Jahre hat Steffen Lindig an seinem Kriminalroman «Mein Freund Rolli» geschrieben. Noch viel länger habe er jedoch gebraucht, sich zu überwinden, die Arbeit an diesem überhaupt zu beginnen, wie er sagt. Der Mut habe ihm gefehlt, erklärt der 70-Jährige die Startschwierigkeiten mit seinem ersten Roman. Diesen hat Lindig am Freitagabend im Schlieremer Gasometer-Areal, einem der Schauplätze des Romans, vorgestellt. Stehend und mit tiefer Stimme liest er unter freiem Himmel inmitten der rund 50 Gäste einige Passagen aus seinem Buch vor.
Mit dem Roman und dessen Veröffentlichung habe er einen lang ersehnten Traum verwirklicht, sagt Lindig. «Mit meinem Krimi möchte ich nun auch die Leser auffordern, sich ihre Wünsche zu erfüllen», erklärt er. Denn auch im Buch geht es genau darum - jedoch auf ungewöhnliche Art und Weise: Die zwei Protagonisten Sebastian und Lola verwirklichen ihren Traum vom Reichtum mit Einbrüchen in Privathäuser.

Das Thema Kleinkriminalität

Auf das Thema Kleinkriminalität ist der pensionierte WOZ-Journalist während einer Recherche im Jahr 2007 gestossen. «Damals ist mir in Gesprächen mit Berufseinbrechern aufgefallen, dass deren Wertvorstellungen gar nicht weit von denen des Durchschnittsbürgers entfernt liegen», sagt er. Diese Erkenntnis habe ihn dermassen fasziniert, dass er eine Art Fortsetzung an den damaligen Artikel «Die Stadt am Rand» schreiben wollte. Dass die Geschichte ausgerechnet in Schlieren spielt, ist kein Zufall. Er habe die Stadt bei derselben Recherche auf dem Fahrrad kennen gelernt, und sich sofort in sie verliebt, sagt er und schmunzelt.
Markus Bärtschiger vom Schlieremer Polizeivorstand leitet die Lesung mit viel Humor ein. Den Einwand, der Roman könne zu Einbrüchen animieren, weist Bärtschiger mit einem Lachen zurück: «In Schlieren haben wir fast nur mit Parksünden und Kleindelikten zu tun. Grosseinbrüche und Morde passieren zum Glück nur im Roman.» Besonders gelungen findet er die sehr präzisen Beschreibungen der Orte in Lindigs «Agglo-Roman», sagt er.
Der «Agglo-Roman»

Während Bärtschiger Lindigs Roman wohlgemeint «Agglo-Roman» nennt, betitelt ihn Verena Stetter vom herausgebenden Verlag Edition 8 als «Schelmen-Roman». «Die Fiktion hält der Bevölkerung einen Spiegel hin, dabei ist eine Stadt am Rand wie Schlieren gut geeignet», sagt sie. Zudem halte auch die imaginäre Romanfigur Rolli, nach dem das Buch benannt ist, dem Protagonisten Sebastian den Spiegel hin. Rolli verkörpere sozusagen spielerisch das schlechte Gewissen des Einbrechers und sei zudem sein imaginärer Kumpel, erklärt Lindig.
Die Spannung ist dem zahlreich erschienenen Publikum anzumerken. Viele sind gute Bekannte des Schriftstellers und extra für die Buch-Vernissage angereist. Doch auch waschechte Schlieremer sitzen unter den lauschenden Gästen. So auch Liselotte Tännler, die in Schlieren aufgewachsen ist. «Ich finde es toll, dass einmal ein Krimiroman in meiner Geburtsstadt spielt, und freue mich, diesen zu lesen. Sicherlich ist es lustig, all die im Buch beschriebenen Orte wiederzuerkennen», sagt sie.