Stefan Kohler steht im schwarzen Trainer auf dem Kunstrasen, blinzelt in die Sonne und ruft: «Mit etwas mehr Schmackes.» Oder: «Ja, schön in die Ecke.» Vor ihm, in knallgelben und leuchtend orangefarbigen Leibchen, jongliert ein gutes Dutzend Knaben und Teenager geschickt den Ball, um ihn – einer nach dem andern – aus der Luft direkt aufs Tor zu schiessen.

Das technische Niveau ist hoch an diesem Sonntagvormittag auf der Sportanlage Zelgli in Schlieren, bei den Schützen wie auch beim Goalie. Kohler, ehemaliger Fussballprofi, möchte es mit seinem «Soccer Camp» weiter nach oben treiben.

Freude, trotz harter Arbeit

Es ist das erste Mal, dass Kohler, der seine Karriere 2014 beim FC Rapperswil-Jona beendet hat, ein Fussballcamp organisiert. Und er ist eher zufällig dazu gekommen. «Ich wurde von verschiedenen Eltern angefragt, ob ich nicht ihren Sohn trainieren könne», sagt Kohler, der schon als Techniktrainer für die Grasshoppers gearbeitet hat.

Da er derzeit in Tunesien eine Fussballschule aufbaue, habe er die Anfragen bündeln müssen, sagt Kohler. Er hat deshalb kurzerhand das Camp auf die Beine gestellt – ohne genau zu wissen, was ihn erwartet. «Ich wusste am Anfang ja nicht, wie viele Teilnehmer sich anmelden werden.» Doch das Interesse sei gross gewesen. So gross, dass Kohler Jugendfreund Selcuk Sasivari als zusätzlichen Camp-Trainer engagierte.

Der Entscheid, das Camp in Schlieren durchzuführen, war für Kohler, der in der Fahrweid aufgewachsen ist, ein leichter. «Ich wollte das Camp hier in der Region organisieren», sagt er. Da er zudem den Vorstand kenne und der Verein unabhängig sei, sei die Wahl auf den FC Schlieren gefallen.

130 Junioren in Mazedonien

Für das Camp kann Kohler nicht nur auf seine Karriere als Profispieler zurückgreifen, sondern auch auf seine bisherigen Erfahrungen als Skilltrainer, beispielsweise bei KF Shkëndija. Beim mazedonischen Verein war er im Frühling 2014 engagiert worden, um beim Aufbau einer Nachwuchsakademie mitzuhelfen.

Auch wenn er wegen der mangelnden Bereitschaft des Vereins, in die Akademie zu investieren, letztlich nur sechs Monate dort gearbeitet habe, sei die Zeit sehr lehrreich gewesen, sagt Kohler. «Ich habe dort mit 130 Junioren zusammengearbeitet.»

Seit Februar lebt Kohler nun in Tunesien. Der Aufbau der Fussballschule in der Hauptstadt des nordafrikanischen Landes sei so gut wie abgeschlossen, sagt er. Und auch sonst hat er gefallen an Tunis gefunden: «Es hat ein Meer und die Sonne scheint viel – gibt es einen besseren Ort, um Fussball zu spielen?» Ausserdem sei Tunesien extrem schön und lediglich zwei Flugstunden von der Schweiz entfernt.

So muss Kohler nicht zu weit reisen, wenn er seine Familie besuchen möchte – oder fürs nächste Fussballcamp in die Schweiz fliegen muss. Denn dieses, so Kohler, wolle er künftig mindestens zweimal im Jahr durchführen.