Stadt Zürich
Statt erzwungener Grossfusion: Spitäler setzen auf Zusammenarbeit

Die Politik der kleinen Schritte bewährt sich: Statt einer von aussen erzwungenen Grossfusion arbeiten das Unispital Zürich und die Stadtspitäler Triemli und Waid in ausgesuchten Bereichen freiwillig zusammen. So stimmen sie nun auch die Neuanschaffung von Linearbeschleunigern ab - und sparen dadurch mindestens sechs Millionen Franken.

Merken
Drucken
Teilen
Die Spitäler haben die Zusammenarbeit freiwillig beschlossen. (Symbolbild)

Die Spitäler haben die Zusammenarbeit freiwillig beschlossen. (Symbolbild)

Im Stadtspital Triemli müssen in der Radio-Onkologie die beiden Linearbeschleuniger ersetzt werden. Um den Betrieb während des Austauschs dieser modernen Bestrahlungsgeräte aufrechterhalten zu können, hätte ein Ausweichbunker gebaut werden müssen.

Wie Triemli-Direktor Erwin Carigiet am Dienstag an einem Mediengespräch sagte, hätte der Bau dieses temporären Bunkers allein sechs Millionen Franken gekostet.

Nun spannen das Triemli und das Unispital, das ebenfalls neue Beschleuniger benötigt, zusammen. Sie schaffen die Geräte gestaffelt an - und helfen sich zur Überbrückung gegenseitig aus.

So werden Ärzte und Patienten des Triemli-Spitals zunächst vorübergehend auf die Geräte im Universitätsspital zurückgreifen, danach darf das Unispital im Triemli temporär die Maschinen mitbenutzen. "So können wir teure Provisorien verhindern", sagte Martin Waser, der Spitalratspräsident des Unispitals.

Weniger Geräte schaffen die beiden Spitäler aber trotz dieser Kooperation am Ende nicht an: "Zentralisierung ist nicht immer besser", meinte Waser. Würden beispielsweise nur noch am Standort Triemli Linearbeschleuniger stehen, könnte der Weg für Unispital-Patienten zu weit sein - diese könnten sich für ein anderes, näheres Spital entscheiden. "Wir müssen attraktiv bleiben."

Gemeinsames Ziel

Die Zusammenarbeit bei der Anschaffung der Bestrahlungsgeräte ist ein eher kleines Projekt - insbesondere etwa im Vergleich zum einst geplanten, am Ende aber gescheiterten gemeinsamen Herzzentrum. "Es braucht einen gesunden Pragmatismus", sagte Waser. "Wir müssen Schritt für Schritt vorwärts gehen."

Das betonten auch Triemli-Direktor Carigiet sowie die Direktoren des Unispitals, Jürg Hodler, und des Stadtspitals Waid, Lukas Furler. Mehrmals sprachen sie von Vertrauen, dass durch die bisherigen Kooperationen aufgebaut werden konnte. Befürchtungen, dass durch Kooperationen der einen Institution Patienten verloren gehen könnten, hätten sich nicht bewahrheitet.

Kooperationen bestehen bereits in der Allianz Herzchirugie, im universitären Geriatrie-Verbund und in der gemeinsamen Aus-, Weiter- und Fortbildung. Die Zürcher Stadträtin Claudia Nielsen (SP) kündigte an, dass es in Zukunft in weiteren Bereichen zu einer Zusammenarbeit kommen kann.

Das Unispital und die Stadtspitäler hätten dieselben historischen Wurzeln. Sie wollen eine hochqualifizierte Gesundheitsversorgung für alle Bevölkerungsgruppen anbieten und sicherstellen, sagte Nielsen. "Das ist ein gemeinsames Ziel, das uns vereint."

Der Zürcher Regierungsrat hatte kürzlich in einer Antwort auf ein Postulat festgehalten, dass derzeit auf eine "zwangsweise Zusammenlegung der Spitäler" verzichtet werden soll. Sie müssten aber aus "eigener Kraft die für eine Verbesserung von Qualität und Wirtschaftlichkeit notwendigen Konzentrationen und Kooperationen eingehen."