Zürich

Statt Ende 2023 bereits Ende 2020 — Nachtzuschlag soll schneller weg

Das seit 2002 bestehende Nachtnetz des ZVV hat sich etabliert und soll daher nicht mehr als Spezialangebot gelten. Entsprechend soll der Nachtzuschlag entfallen.

Das seit 2002 bestehende Nachtnetz des ZVV hat sich etabliert und soll daher nicht mehr als Spezialangebot gelten. Entsprechend soll der Nachtzuschlag entfallen.

Die Verkehrskommission verlangt, dass der Nachtzuschlag schneller als geplant abgeschafft wird. Zudem fordert sie ein Konzept für den Ersatz von Bussen und Schiffen, die mit Diesel betrieben werden.

Die Kommission für Energie, Verkehr und Umwelt (Kevu) beantragt, dass der Nachtzuschlag im öffentlichen Verkehr (ÖV) nicht erst wie vorgesehen Ende 2023, sondern möglichst schon mit der Fahrplanumstellung Ende 2020 fällt. Dies ist einer der am Donnerstag veröffentlichten Kevu-Anträge zu den Grundsätzen über die mittel- und langfristige Entwicklung von Angebot und Tarif im öffentlichen Personenverkehr. Der Kantonsrat wird sie Anfang 2020 beraten. Der einstimmig beschlossene Antrag wird sicher gutgeheissen.

Der Sinn dieses Zusatzes sei, dem Regierungsrat und Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) den Rücken zu stärken, sagt Kevu-­Präsident Alex Gantner (FDP, Maur). Denn der ZVV koordiniert sich beim Nachtzuschlag mit den Nachbarverbünden (Ostwind, A-Welle, Zug und Schwyz), eingebunden sind auch die SBB mit der Strecke Zürich-Luzern. Sie alle haben sich, damit nicht überall etwas anderes gilt, 2011 als einfache Gesellschaft zusammengeschlossen. Frühestens kündbar ist die Mitgliedschaft per Ende 2022. Will Zürich früher aussteigen, müssen Regierungsrat und ZVV das mit den anderen Gesellschaftern aushandeln. Mit Verweis auf ein klares Votum des Kantonsrates können sie das mit mehr Gewicht, erklärt Gantner.

Falls die anderen nicht wollen: Könnte Zürich den Zuschlag einseitig abschaffen? «Sich nicht an Verträge zu halten, ist nicht Usus in der Schweiz», sagt dazu ZVV-Mediensprecher Thomas Kellenberger. Der Kanton Zürich wolle ein verlässlicher Partner sein. Allerdings habe man das Signal aus der Kevu frühzeitig vernommen und mache sich nun ans Verhandeln mit den Partnern im Nachtzuschlag-Verbund.

Abschaffung in einem Jahr ist «ehrgeiziges Ziel»

Den Nachtzuschlag bereits in einem Jahr abzuschaffen, sei ehrgeizig, sagt Kellenberger. Es gebe einiges zu tun bis dahin. Neben dem Anpassen der Tarife werde auch eine Vernehmlassung bei den Gemeinden nötig sein. Muss der Wechsel im Dezember erfolgen? Der Schiffszuschlag wurde ja auch mitten im Jahr abgeschafft. Aber davon sei eben nur der ZVV betroffen gewesen, sagt Kellenberger.

Die Grundsätze der Entwicklung von Angebot und Tarif im öffentlichen Personenverkehr stellen die strategische Planungsgrundlage für den ZVV dar. Ihr Horizont umfasst vier Jahre. Der Regierungsrat erarbeitet sie alle zwei Jahre neu und legt sie dem Kantonsrat zur Genehmigung vor. Ob per Ende 2020 oder 2022: Die vorliegenden Grundsätze bilden die entscheidende Grundlage für die Abschaffung des Nachtzuschlages. Denn sie verlangen nicht mehr, das Nachtangebot habe kostendeckend zu sein.

Der Nachtbetrieb soll kostendeckend bleiben

Ein bürgerlicher Minderheitsantrag aus der Kevu verlangt immerhin, dass der Kostendeckungsgrad des ZVV insgesamt nicht sinken dürfe. Über betriebliche Optimierung sollte das möglich sein, sagte Gantner. Rund fünf Millionen Franken bringt der Nachtzuschlag jährlich ein. Die Grundsätze halten auch eine betriebliche Neuausrichtung des Nachtangebots möglichst per Ende 2021 fest. Dazu gehören zum Beispiel die Verschiebung des Knotenpunktes in Zürich vom Bellevue zum Hauptbahnhof, Halbstundentakt in Zürich und Winterthur sowie Rückfahrmöglichkeiten.

In der regierungsrätlichen Vorlage sind einige Dieselbuslinien aufgeführt, die auf Trolleybetrieb umgestellt werden sollen. Die Kevu verlangt in einem weiteren einstimmig verabschiedeten Antrag für die nächsten Grundsätze eine Strategie, bis wann alle dieselbetriebenen Busse und Schiffe durch klimafreundliche Verkehrsmittel ersetzt werden.

Weiter fordert die Kevu, dass «attraktive Reisezeiten» und eine Positionierung des ÖV als zuverlässiger Zubringer im Freizeitverkehr verankert werden. Zu reden geben dürfte ein Minderheitsantrag der SP, die unter dem Gesichtspunkt des Lärmschutzes auch Tempo 30 auf Strassen mit Busverkehr ermöglichen will.

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