Die ursprüngliche Idee war bestechend einfach: Das Konzept der Weihnachtsbeleuchtung hätte bereits im letzten Advent an vier bis fünf Bäumen am Zürcher Bellevue getestet werden sollen. Es sah vor, auf einer Höhe zwischen drei und zehn Metern Lichtergirlanden um Stamm und Äste der Bäume zu wickeln. Diese wären das Jahr über drangeblieben, was Kosten gespart und die Verletzungsgefahr für die Bäume gesenkt hätte. 16 Bäume vom Bellevue bis zum Stadelhoferplatz hätten am Ende insgesamt auf diese Weise verziert werden sollen, hofften die Geschäfte.

Daraus wird nun aber definitiv nichts, wie Rudolf Andres gestern an der Generalversammlung der Vereinigung Bellevue und Stadelhofen (VBS) mitteilte. Er ist Präsident des Vereins, der die Interessen der Geschäfte und Anwohner beim Stadelhofen vertritt.

Eine Frage des Baumschutzes

Schon der Test war nicht bewilligt worden. Was aber nicht ganz überraschend kam. Stadtrat Filippo Leutenegger (FDP) nahm jeweils an den VBS-Versammlungen teil. An der letztjährigen hatte er sich gegenüber dem Beleuchtungsprojekt zwar offen gezeigt. Er gab aber auch zu verstehen, dass bei Grün Stadt Zürich grosse Bedenken bestünden – vor allem wegen des Baumschutzes. Wenig später übernahm dann Richard Wolff (AL) Leuteneggers Departement. Bei der VBS musste man sich etwas Neues überlegen. Wolff nahm an der gestrigen Versammlung nicht teil.

Nun hat die Vereinigung die Masten im Visier, an denen auch die Tram-Fahrleitungen aufgehängt sind. Von diesen hellgrau bemalten Pfosten stehen eine ganze Menge zwischen Stadelhofen und Bellevue.

Es gibt Gemeinden, die benützen die Masten ihrer Strassenlaternen als Träger für teils ausladende Weihnachtsbeleuchtungen. Mit den stromführenden Leitungen für die Trams sind die Möglichkeiten aber eingeschränkt. Seitens der Verkehrsbetriebe der Stadt Zürich gebe es zudem noch Bedenken, sagt Andres. Er gab sich aber zuversichtlich, dass man sich noch einig werde. Demnächst finde mit den Zuständigen der Stadt eine Begehung statt. Die Beleuchtungskörper könnten als Kragen oder Kugeln an den Kandelabern angebracht werden, sagte Andres.

Testlauf schon in diesem Advent?

Er schliesst nicht aus, dass schon im kommenden Advent ein Testlauf möglich sein könnte mit vorerst vielleicht etwa drei beleuchteten Masten. Am Geld kann das Projekt nicht scheitern. Finanziert wird es von der VBS beziehungsweise den 104 verschiedenen angeschlossenen Geschäften. Das Geld hat man beisammen. Man hofft auf einen ähnlichen Erfolg wie mit den letztes Jahr auf dem Sechseläutenplatz aufgestellten Sonnenschirmen, die gern genutzt werden.

Dass die Stadt die Bäume auf und beim Sechseläutenplatz schonen will, kommt nicht von ungefähr. Ihr schlechter Zustand hat im letztjährigen Hitzesommer für Schlagzeilen gesorgt. Ein Viertel der Bäume, die mit der Neugestaltung des Platzes 2014 gepflanzt worden waren, mussten ersetzt werden. Die Platanen zwischen Bellevue und Stadelhofen sind teils 150 Jahre alt. Sie hielten der Hitze und der Trockenheit zwar stand. An einer eigens einberufenen Medienkonferenz im Oktober hiess aber, dass auch sie Stresssymptome zeigen – allerdings schon seit Jahren.