Beim Arbeitsplatz an der Tür geklingelt oder in den Briefkasten gelegt: Mehr als 2000 Lieferungen hat das Zürcher Start-up Earlybird seit Anfang Jahr getätigt. Der lokale Essenslieferdienst setzt auf gesunde und regionale Nahrungsmittel. Mit ihren Elektromobilen haben die drei ehemaligen BWL-Studenten Tim Schmid, Thomas Bösch und Mischa Aeppli bereits 6000 Kilometer in der Stadt Zürich zurückgelegt. Was zuerst nur im Kreis 4 und 5 angeboten wurde, hat sich im Frühling dieses Jahres auf das gesamte Stadtgebiet ausgeweitet.

Wie so oft bei Anfängen hat es auch bei Earlybird etwas geholpert. Dies weil die Drei glaubten, die Kundenbedürfnisse zu kennen, ohne je ein Menü ausgeliefert zu haben: «Wir haben Tagessets angeboten, die jedoch nicht beliebig zusammengestellt werden konnten», sagt Bösch. Bereits nach drei Monaten sei das Angebot wieder aus dem Sortiment geflogen.

Nach dem Versuch-und-Irrtum-Prinzip haben die drei Jungunternehmer ihr Angebot schrittweise weiterentwickelt und zusätzliche Essenslieferanten an Bord geholt. Neben den selbstproduzierten Säften, Müesli und Mittagsgerichten liefert die Bäckerei Vuaillat Sandwiches, Brot und Gipfeli. Die Frischeprodukte wie Früchte und Gemüse beziehen sie von einem Händler im Engrosmarkt in Zürich. Dort haben sie selber ihren Firmensitz und ihre Küche. Die Desserts stammen von der Konditorin Corina Davatz von «Pan de Miel». «Mit der Nähe zu unseren Gemüse- und Früchtelieferanten können wir Frische garantieren», so Bösch.

In Zürich bleiben

Nicht nur frisch, sondern auch abwechslungsreich und saisonal wird bei den Jungunternehmern gross geschrieben. Zudem beliefern sie ihre Kunden mit Elektromobilen. Da sie nur kochen, was bis abends um 18 Uhr bestellt wird, sind die Nahrungsmittelabfälle in der Earlybird-Küche beinahe bei null.

Ausgeliefert wird das Essen dann am Folgetag zwischen sechs und zehn Uhr morgens. Was auf den Menüplan kommt, der im Übrigen wöchentlich ändert, wird vorgängig selber gekocht und gegessen. «Für Menüideen ziehen wir einen Koch oder eine Köchin bei, der oder die uns mit der notwendigen Fachkompetenz zur Seite steht»», sagt Bösch. Dann erst gehe es ans Ausprobieren.

Earlybird bietet wöchentlich ein veganes, ein vegetarisches, ein Fleisch - und ein Geflügelgericht an. Deshalb wissen die Drei auch nicht genau, welches der Gerichte zum Lieblingsessen ihrer Kunden gehört. «Das Vegi-Sushi kann man schon als einer unserer Klassiker bezeichnen. Es gibt Kunden, die bestellen nur bei uns, wenn es auf dem Menüplan steht», sagt Bösch.

Zwischen 15 und 17 Franken

Die Mittagsgerichte kosten beim Lieferdienst zwischen 15 und 17 Franken inklusive Lieferung. «Wir bieten gutes und gesundes Essen zu einem fairen Preis an», sagt Bösch. Damit erklärt sich der ehemalige BWL-Student auch die grosse Nachfrage. «Mit abwechslungsreicher, gesunder Kost, die an den Arbeitsplatz geliefert wird, haben wir ein noch nicht ausgeschöpftes Potenzial im Raum Zürich entdeckt», sagt der Marketing- und Kommunikationsverantwortliche des Start-ups. Deshalb will das dreiköpfige Team vorerst auch nicht geografisch expandieren. «Die Stadt ist gross genug für uns», so Bösch. Mit dem Catering und den Früchteboxen für Firmen habe man neben dem Lieferdienst bereits ein genug breites Angebot.

Deshalb haben die Jungunternehmer in den vergangenen Wochen pro Tag jeweils ein bis zwei Aushilfskräfte als Unterstützung in der Küche und beim Ausliefern beigezogen. Auch die drei Firmengründer stehen täglich in der Küche. Wobei Schmid für Einkauf, Produktion sowie Produkteentwicklung, Informatik und Personal und Aeppli für die Logistik, Verpackung und Buchhaltung zuständig ist.