Der Universitätsstandort Irchel wächst weiter. Zwischen 1973 und 1998 entstand in vier Bauetappen auf der grünen Wiese der Campus Irchel für die Naturwissenschaften der Universität. Nun wird ein weiteres Stück Wiese Richtung Zürichberg überbaut. Mit der fünften Bauetappe erhält die universitäre Chemie im Herbst 2019 auf 14 000 Quadratmetern neue Laboratorien, Unterrichtsräume und Büros.

Für das Institut für Chemie wird das der zweite grosse Umzug, seit es 1978 von der Rämistrasse 76, wo heute die Rechtswissenschaften sind, an den Irchel wechselte. Die «hygienisch unhaltbaren Verhältnisse» im Haus im Stadtzentrum seien damals neben Platzmangel Gründe für den Umzug gewesen, sagte Institutsdirektor Roger Alberto anlässlich des gestrigen Spatenstichs. Heute kämpft die Chemie wieder mit Platzproblemen. Während um die Jahrtausendwende 110 Mitarbeiter, Doktorierende und Professoren am Institut arbeiteten, sind es heute knapp 300. Die Zahl der Studienanfänger ist von 20 auf über 100 gestiegen. In den zwei sechsstöckigen Gebäuden und einem eingeschossigen Bau werden neu sämtliche Fachbereiche der Chemie unter einem Dach vereint.

Flexibler Innenausbau

«Die Gebäude werden für die nächsten 30 Jahre gebaut, obwohl wir noch nicht wissen, wie sich die Wissenschaft in dieser Zeit entwickeln wird», sagte Bildungsdirektorin und Universitätsratspräsidentin Silvia Steiner (CVP). Daher werde die Primärstruktur langlebig gebaut, wie ihr Regierungsratskollege Baudirektor Markus Kägi (SVP) ausführte. Aber der Innenausbau sei flexibel. Im Baukastensystem können Module leicht ein- und umgebaut werden. Auch energietechnisch erhalte Zürich für 195 Millionen Franken, die der Kantonsrat 2013 bewilligt hatte, ein «europaweit ausserordentliches Laborgebäude».

Der Unirektor Michael Hengartner betonte die Bedeutung der Chemie für die Universität als Basis für weitere Disziplinen, etwa für die Nanomedizin oder die Krebsforschung. Mit den neuen Gebäuden bestimme nicht mehr die Infrastruktur die Forschung, sondern sie passe sich ihr flexibel an. «Die 195 Millionen Franken sind viel Geld», so Hengartner. «Dieses werden wir weise einsetzen, indem wir das Institut möglichst kostengünstig bauen und betreiben.» In diesem Zusammenhang wurden die Arbeiten für den Chemie-Neubau neu ausgeschrieben (siehe Kasten).

Mit dem Neubau beginnen die Bauarbeiten am Irchel erst. Nach dem Umzug der Chemie werden deren alte Standorte saniert. Rektor Hengartner wird von den Bauarbeiten selber betroffen sein, da er mit seiner Familie in unmittelbarer Nachbarschaft des Campus wohnt: «Mein Sohn hat sich schon beklagt, dass er für den Hundespaziergang eine neue Route suchen muss.»