Zur Fülle der Führungen, die in Zürich angeboten werden, sagt Reto Helbling, Vizedirektor von Zürich Tourismus, dass die Breite allein nicht entscheidend sei. Das Angebot müsse zur Tourismusregion Zürich passen.

Mit dem See, der schönen Altstadt und den Museen bietet Zürich bereits viele Argumente für einen Aufenthalt. Manifesta, Street Parade und unzählige Veranstaltungen sind weitere Besuchermagnete. Dennoch arbeitet Zürich Tourismus laufend an zusätzlichen Anreizen, um inländische und ausländische Gäste in die Tourismusregion zu locken. Ideen werden intern generiert, oder von Dritten herangetragen.

Mit der Zeit ist ein vielfältiges Angebot entstanden. Mittlerweile können Besucherinnen und Besucher aus knapp 200 verschiedenen Führungen, Ausflügen und Touren auswählen. Bei Firmen und Vereinen sind Teambildungsanlässe oder Gruppenausflüge beliebt. Für sie stellt Zürich Tourismus nach Bedarf ein individuelles Programm zusammen.

Geschichten erzählen

«Die Auswahl war schon immer gross», sagt Reto Helbling. Mit Transportmitteln wie Rikschas, Segways sowie elektrobetriebenen Tuktuks und Trottinetts hätten sich aber neue Wege eröffnet. Gefragt seien auch geführte Touren auf dem Stand-up-Paddle. Auf dem Brett dem Ufer entlang zu paddeln mache nicht nur Spass, sondern biete auch die Möglichkeit, die Stadt aus einer anderen Perspektive zu zeigen.

Letztlich gehe es immer darum, dem Gast eine Geschichte zu erzählen, sagt Helbling. Dafür gibt es nebst der klassischen Stadtführung unter anderem Rundgänge zum Thema Umwelt, Geschichte, Wirtschaftsstandort, Gastronomie, Frauen oder Liebe. Besonders gut kommt die Nachtwächter-Tour mit bislang über 1000 Teilnehmern an.

Als Mitglied der Vereinigung European City Marketing (ECM) tauscht sich Zürich Tourismus regelmässig mit den ausländischen Organisationen über erfolgreiche und weniger erfolgreiche Konzepte und Ideen aus. Das sei in dieser Branche üblich, sagt Helbling. «Einen Konkurrenzkampf gibt es durch die Individualität der Städte nicht wirklich.»

Ein Beispiel sei das Food-Festival, das kommenden September in Zürich durchgeführt wird und bestehende Anlässe zum Thema Gastronomie und Food vereint. Für dieses Projekt haben sich die Macher von Kopenhagen inspirieren lassen, wo ein ähnliches Festival seit Jahren viele Besucher anzieht.

Man müsse aufpassen, sagt Helbling. Nicht alle Ideen liessen sich kopieren. Sie müssten zur Stadt passen. Zürich ist nicht London oder Barcelona. «Zürich ist klein und fein, eine Boutique-Stadt.» Eine Rundfahrt mit einem Amphibienfahrzeug – über den See und durch die Innenstadt: für Zürich ungeeignet. Solche Duck-Tours mögen in London oder Dublin Anklang finden, hierzulande würden sie kaum akzeptiert. «Wenn Lärm oder Gestank entsteht, ist es ohnehin unpassend», sagt Helbling.

Keine offenen Busse

Zudem lässt die Infrastruktur nicht alles zu. Wegen der Fahrleitungen sieht man auf Zürichs Strassen etwa keine offenen Busse, wie man sie von anderen europäischen Städten kennt. Und weil Segways hierzulande nur auf Velospuren verkehren dürfen, eignen sich diese Zweiräder bloss auf den entsprechenden Wegen für eine Tour durch die Stadt.

«Oft sind es sowieso die kleinen Dinge, welche die Besucher am meisten beeindrucken», sagt Helbling. «Das wird deutlich, wenn wir internationale Medienleute herumführen. Die staunen dann über den sauberen Zürichsee und die saubere Limmat – und dass man aus 1200 Brunnen Wasser trinken kann.»